Auf Psychiatrie-Fachtagung in Weilheim über Inklusion und Teilhabe diskutiert

Einschließen statt ausgrenzen

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Austausch vor Tagungsbeginn: V.li. Michael Bräuning-Edelmann, Vorsitzender Verbund Psychische Gesundheit (PSAG) Region 17; Eva Ziegler-Krabel, Projekt EX-IN; Michaela Kindermann vom Bezirk und Ingo Remesch, Teilhaberat und Steuerungsverbund Psychische Gesundheit (SPG) im Landkreis Weilheim-Schongau.

Weilheim – Psychiatrie-erfahrene Menschen zu Genesungsbegleitern ausbilden, damit sie anderen Betroffenen aus der Krise helfen und für sich selbst neue berufliche Perspektiven finden: Wie das beim Projekt „EX-IN“ in der Praxis funktioniert, wurde bei einer Fachtagung in Weilheim vorgestellt.

110 Teilnehmer aus sechs Landkreisen der Region 17 Oberbayern Süd-West hatten sich in der Stadthalle eingefunden, um über Inklusion und Teilhabe zu diskutieren. Weilheim wurde als Sitzungsort gewählt, weil hier 2013 – als erstem Landkreis in Bayern – ein Teilhaberat gegründet worden war. Zu seinen Aufgaben gehört es, darauf hinzuwirken, dass im Landkreis die Angebote für Menschen mit Behinderung verbessert werden. 

Die Universität Siegen hat erforscht, wie die Teilhabe in der Region Weilheim-Schongau realisiert werden könnte. „Jetzt geht es an die Umsetzung, sie kann nur schrittweise erfolgen“, erklärte SPG-Geschäftsführer Ingo Remesch dem Kreisboten. Als Beispiel führte er die Möglichkeit an, Kinder mit Förderbedarf in der Regelschule vor Ort einschulen zu können. Dazu braucht es allerdings zusätzliche Hilfen wie einen Schulbegleiter. Wer für die Förder- maßnahmen die Kosten übernimmt, sei aber noch nicht ausreichend geklärt. 

Das Modellprojekt „EX-IN“ (Experienced Involvement, Einbeziehung Psychiatrieerfahrener) soll 2015 unter Feder- führung des Verbundes SPG auch im Landkreis Fuß fassen. Laut Remesch sind dafür 450 Euro Jobs vorgesehen.

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Bürger in Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft, wie sie die Vereinten Nationen fordern, ist bei der Sozialplanung in den Landkreisen zum wichtigen Thema geworden, hieß es. „Die Menschen ein- statt ausschließen“, lautet die Devise. Auch die Arbeitgeber seien in Zeiten, wo Burnout und Frühverrentung in aller Munde sind, sensibler geworden und bieten ihren Mitarbeitern beispielsweise Gesundheitstage an, war vom PSAG-Vorsitzenden Michael Bräuning-Edelmann zu erfahren. 

Als weiteres soziales Angebot wurde auf der Fachtagung das Projekt „Pack ma`s“ präsentiert, das in Bad Tölz mit der „Aktion Mensch“ gestartet worden war. Es geht hier um das selbstständige Leben von Menschen mit einer Behinderung und die Möglichkeiten, sie an verschiedenen Arbeitsplätzen zu integrieren. Im Landkreis Weilheim- Schongau wird auf Initiative der „Brücke Oberland“ eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, kündigte Remesch an. Ihr Fokus richtet sich auf den Übergang von der Schule zur Arbeitswelt. 

Die Versorgung psychisch Kranker soll generell bedarfsorientierter werden. „Viele wagen nicht, bestimmte Themen offen anzusprechen. Wir müssen einen anderen Zugang schaffen“, sieht Michaela Kindermann vom Bezirk Oberbayern Handlungsbedarf.

Von Maria Hofstetter

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