Integrierte Leitstelle Oberland trifft letzte Vorbereitungen für G7-Gipfel

Bereit für "geplante Katastrophe"

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Kai Splanemann (vorne) kann bereits jetzt den Ernstfall simulieren. Leonhard Stärk (links) und Helmut Ochs sind sich sicher: Die ILS Oberland ist für den G7-Gipfel gut vorbereitet.

Weilheim – Der G7-Gipfel in Elmau rückt immer näher. Die Rettungsdienste in der Region bereiten sich seit einem Jahr darauf vor. Die Integrierte Leitstelle Oberland in Weilheim übernimmt für das Gipfeltreffen der großen Industriestaaten die Organisation der Alarmierung von Rettungsdiensten und Feuerwehren.

„Das Team koordiniert alle notfallmedizinischen Einsätze in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen“, erklärt Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des BRK. Ab 30. Mai wird es ernst. Dann kümmern sich rund 20 hauptamtliche Mitarbeiter elf Tage lang um den G7-Gipfel. „Das Treffen der Staats- und Regierungschefs ist einer der größten geplanten Einsätze in der Geschichte des BRK“, betont Stärk. In der Integrierten Leitstelle in Weilheim wurden daher bereits im Vorfeld über 2 000 zusätzliche Arbeitsstunden geleistet. „Bis zum Abschluss der Konferenz werden sicher noch einmal 3 000 dazukommen“, kalkuliert Stärk.

1 800 Helfer kümmern sich während des Gipfels um Sanitätsdienst, Transport und Verpflegung, viele davon auch ehrenamtlich. Hinzu kommen etwa 100 Bergwachtler. „Rund um die Uhr werden 15 Disponenten in der Leitstelle im Dienst sein. Alle sind auch Rettungsassistenten und haben weitere Zusatzausbildungen“, sagt Helmut Ochs, Leiter der Weilheimer Leitstelle. Auch zusätzliches Personal der anderen sieben Leitstellen des BRK springt ein – „damit wir das schaffen.“

Die Technik wurde für den G7-Gipfel auf den neuesten Stand gebracht. Ohne das Groß- ereignis hätte die Einführung des Digitalfunks noch warten müssen. Jetzt ist die vorgezogene Umrüstung aber bereits abgeschlossen, erste Übungen wurden erfolgreich absolviert. Der jüngste Test sei, so Stärk, „vernünftig verlaufen“.

Seit 9. Februar funkt das BRK in Weilheim bereits digital und hat in dieser Zeit „sehr gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Ochs von der täglichen Nutzung. Alle betroffenen Hilfsdienste seien inzwischen mit Digitalfunk ausgestattet und „vollständig vernetzt“.

Die neue Technik bringe außerdem für die Helfer selbst entscheidende Vorteile: „Sollte ein Retter in Not sein, genügt ein Knopfdruck und wir werden automatisch alarmiert und wissen über die GPS-Ortung zugleich, wo der Notruf abgesetzt wurde“, sagt Ochs.

Billig war die Umstellung allerdings nicht: Bayernweit zahlt der Freistaat 2,2 Millionen Euro dafür, 1,7 Millionen Euro sponsern die Krankenkassen. „Wir arbeiten wirtschaftlich und sparsam“, versichert Stärk. Nur tatsächlich notwendige Ausgaben würden getätigt.

Keine Nachteile für die Bevölkerung

Besonders wichtig ist Stärk, dass der ganz normale Rettungsdienst auch während des G7-Gipfels normal funktioniert. „Die Bevölkerung muss keine Abstriche machen“, prophezeit er. Gleichzeitig bittet er aber auch darum, nur bei der 112 anzurufen, wenn auch tatsächlich dringend Hilfe benötigt wird. „Man sollte nicht wegen einem eingerissenen Fingernagel anrufen“, sagt der Landesgeschäftsführer und appelliert an die Vernunft der Bürger.

Zwar werde es auch Straßensperrungen geben, ein Chaos erwartet Stärk dennoch nicht. Für Rettungsfahrzeuge würden eigene Fahrwege freigehalten. „Wir gehen davon aus, dass die Polizei die Lage im Griff hat“, zeigt sich Stärk zuversichtlich. „Wir ziehen nicht in den Krieg“, glaubt er an eine lösbare Aufgabe. „Es ist quasi eine geplante Katastrophe.“

Nach dem „Maurer-Algorithmus“ rechnet das BRK während des Gipfels mit etwa 40 Verletzten pro 1 000 Personen. „Das ist etwa die Zahl bei Großeinsätzen mit friedlicher Intention“, spricht Stärk aus Erfahrung.

„Es könnte aber auch eine andere Situation entstehen“, gibt Stärk zu bedenken. „Wir dürfen nicht ausschließen, dass etwas passiert. Wir machen uns Sorgen und nehmen das nicht auf die leichte Schulter, gerade nach den Ausschreitungen in Frankfurt.“ Für den Notfall gibt es auch noch eine andere Leitstelle – welche bleibt geheim – die per Knopfdruck die gesamten Aufgaben der Weilheimer Leitstelle übernehmen kann.

„Das ist ein Novum für uns“, sagt Stärk. Aber das BRK möchte eben für alle Eventualitäten gewappnet sein und ist mit den bisherigen Vorbereitungen zufrieden: „Jetzt könnten die Staatsgäste kommen.“

Von Ursula Gnadl

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