140 Jahre Weilheimer Tagblatt: Zeitungsverleger Ippen spricht vor Arbeitskreis

Gasalarm in der Kreisstadt, konzertierende Musikschüler im Nachbarort, Platznot in den Turnhallen. Die Heimatzeitung informiert ihre Leser darüber, was in unmittelbarer Umgebung passiert. Das schafft Bindung. Doch wie ist es in unserer multimedialen Zeit um die Zukunft der Tageszeitung bestellt?

„Kein Tag ohne Zeitung“ vergeht für Weilheims Sparkassenchef. Josef Koch, der auch den Vorsitz im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Weilheim inne hat, hieß am 8. Oktober in Weilheim eine Schar interessierter Zuhörer zu einem Medienabend willkommen. Redaktionsleiterin Brigitte Gretschmann ließ 140 Jahre Weilheimer Tagblatt Revue passieren und gab einen kurzweiligen Einblick in den Redaktionsalltag. Viel Applaus erntete auch Verleger Dr. Dirk Ippen für seine Ausführungen über die deutsche und bayerische Zeitungslandschaft. Am 1. Oktober 1869 erschien das erste Weilheimer Tagblatt, kleiner als ein Schulheft. Über Lokales, Regionales und Unterhaltsames wurde darin berichtet. Eine Mischung, die der Leser der Heimatzeitung auch heute, 140 Jahre später, zu schätzen weiß. Mit seiner Außenredaktion in Penzberg ist das Tagblatt mit einer täglichen Auflage von rund 13000 Exemplaren und über 40000 Lesern die meistgelesene Tageszeitung in unserer Region. Auf ihrem Streifzug durch die wechselvolle Mediengeschichte blätterte Gretschmann in den Seiten ihrer Vorgänger und stieß dabei auch auf kuriose Geschichten, wie ein äußerst nahrhaftes „Festknödelwettessen“. Von 1913 bis 1936 sorgten in Weilheim die Oberländer Volksblätter für Konkurrenz. Nach ihrer Fusionierung marschierte die Weilheimer Zeitung während des Nationalsozialsmus stramm auf Parteikurs. Ein Bombenangriff auf Weilheim legte am 19. April 1945 die Druckerei lahm. Vier Jahre später wurde die Zeitung von der „Tagblatt GmbH“ wiedergegründet und 1950 an den Münchner Merkur verkauft. Der Titel der Heimatzeitung gehört immer noch dieser GmbH und damit Weilheimer Bürgern. „Wir sind eine Heimat- und Familienzeitung, die sich mit der Region identifiziert“, bezog Gretschmann eine klare Position. Spannend, aufregend aber mitunter auch schwierig sei das Arbeiten im Lokaljournalismus, „weil man den Leuten tagtäglich gegenüber stehen und sich für das gedruckte Wort rechtfertigen muss“. An Quellen für die Recherche“ mangle es nicht, stellte Gretschmann fest: „Die Geschichten liegen auf der Straße. Mit offenen Augen und Gummistiefeln im Auto ist man als Journalist schon ganz gut ausgestattet.“ Wie in der Politik auch sei Zeitung „die Kunst des Möglichen“, wandte sich Verleger Ippen an den Arbeitskreis. Der Münchner Merkur sei mit seinen Heimatzeitungen „mit Abstand die meistgelesene Zeitung in Bayern“. Ippen bestä- tigte den deutlichen Rückgang bei den Abo-Lesern und stellte einen Trend hin zur kostenlosen Zeitung fest: „Der KREISBOTE ist ein gutes Beispiel dafür; die- se Wochenzeitung erreicht jeden Haushalt kostenlos.“ Die globalisierte digitale Welt, in der neue Nachrichten rund um die Uhr online verfügbar sind, hat auch die Zeitungslandschaft gravierend verändert. Die neuen Medien machen den Leser immer mehr zum Akteur. Auch die Heimatzeitung und der KREISBOTE halten für die Leser und Kunden viele Informationen über ihre Internetportale abrufbar. „Das Internet“, ist Ippen überzeugt, „birgt große Chancen“. Die Lokalzeitung mit ihrer „unglaublichen Kleinräumigkeit“ werde es aber nicht verdrängen.

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