In fünf Jahren konnte "Job.In" im Landkreis Weilheim-Schongau vielen Arbeitslosen helfen

Erfolgsprojekt geht zu Ende

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Haben in den letzten fünf Jahren viel bewegt (v.li.): Hans Beinlich, Helmut Guggenmos, Monika Funk, Ludwig Bertl.

Weilheim – „Gelingt es, eine Behörde mit sozialen Einrichtungen zusammenzubringen?“ Das war der Grund- gedanke, den Helmut Guggenmos, Geschäftsführer des Jobcenters, 2007 hatte, als er das „Job.In“ ins Leben rief. Nach fünf erfolgreichen Jahren musste das Projekt nun beendet werden.

Fünf Jahre, in denen viel passiert ist. Koordinierung, Vermittlung und Begleitung von Arbeitsgelegenheiten standen in dieser Zeit beim Kooperationsprojekt von Jobcenter, Caritas und Ökumenischer Sozialstation auf dem Plan. Viele Menschen haben mit Hilfe von „Job.In“ zurück in den Beruf gefunden. Bei Kommunen, sozialen Einrichtungen oder in gemeinnützigen Vereinen wurden Stellen geschaffen, in denen sich Langzeitarbeitslose als  Ein-Euro-Jobber noch Geld zu Hartz IV dazuverdienen konnten. Noch wichtiger war den Initiatoren aber die soziale Komponente. 

Doch nun haben sich die politischen Rahmenbedingungen geändert. Ein-Euro-Jobs sind kaum noch möglich, die sozialpsychologische Betreuung kann nicht mehr weitergeführt werden. 

„Außenseiter in die Mitte zu holen“, das war von Anfang an das Ziel, erklärt Ludwig Bertl, Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation. Immer wieder habe es Ausrutscher gegeben. In Sachen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Fleiß gab es bei einigen Teilnehmern Nachholbedarf. „Viele sind   aber gerne gekommen und wussten den Kollegenkreis zu schätzen“, freut Bertl sich auch über viele gelungene Einsätze. Das Wichtigste sei für viele, dass sie zu Hause raus kommen, wenn ihnen die Decke auf den Kopf fällt. Einige waren nach der ersten Arbeitsgelegenheit so Feuer und Flamme, dass sie „förmlich auf Knien ankamen“, weil sie „unbedingt weitermachen wollten“, erinnert sich Projektmanager Hans Beinlich. 

Die Lebensumstände der Teilnehmer waren ebenso unterschiedlich wie ihre persönliche Vorbildung. 61,1 Prozent hatten eine abgeschlossene Ausbildung, 20,6 Prozent davon aber mit sehr niedriger Qualifikation. 38,9 Prozent waren ohne Ausbildung. Die Chancen der letzten beiden Gruppen, sich in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern, waren oftmals schlecht. Hinzu kommt, dass viele von ihnen (66,5 Prozent) keinen oder nur einen Volks- oder Hauptschulabschluss ohne Quali, oftmals mit sehr schlechten Noten, hatten. Ein weiteres Problem stellte die fehlende Mobilität dar. Viele der Teilnehmer hatten keinen Führerschein und wenn, kein Auto zur Verfügung. 

Dennoch gelang es, viele der ehemals Arbeitslosen zu beschäftigen. Gerade der großen Gruppe an Personen mit Alkoholproblemen half dies oft, um wieder einen geregelten Tagesablauf zu bekommen und weniger zu trinken. Und auch andere Probleme, wie etwa Schulden oder Familiäres konnten gemeinsam mit den Beratern der Caritas angegangen werden.  

Ältere Arbeitslose sollten ebenfalls wieder integriert werden und das „Arbeitsleben mit gutem Gefühl verlassen“, erklärt Monika Funke, Geschäftsführerin des Caritas Kreisverbands. Sie hält die Verteufelung der Ein-Euro-Jobs für falsch. „Oft können sie die Lebensqualität verbessern.“

Verschiedene Erfolgsgeschichten sprechen für den Sinn von „Job.In“. So hat beispielsweise ein älterer Bauarbeiter durch einen Ein-Euro-Job die Liebe zu der Arbeit mit Behinderten entdeckt und ist dabei geblieben. Ebenso ein über 30 Jahre alter  Nigerianer, der nach einer Arbeitsmaßnahme eine Ausbildung im Altenheim gemacht hat, dort zu den beliebtesten Pflegern zählt und auch übernommen wurde. 

„Wir hätten noch tolle Ideen gehabt, leider ist es uns nicht mehr vergönnt, sie auszuführen“, bedauert Bertl. Eine gute Nachricht gibt es dennoch: Das Geld, das eingespart wird, soll wieder dazu dienen, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu helfen, am Arbeitsleben teilnehmen zu können.                           Von Ursula Gnadl                                                                                                                                                                           


Job.In in Zahlen: 


– Insgesamt 704 Teilnehmer

– 55,3 Prozent Männer, 44,7 Prozent Frauen

– 289 absolvierten die Arbeitsgelegenheit komplett

– Bei 125 wurde AGH aufgrund des Verhaltens beendet

  64 brachen wegen Krankheit ab

– 18 brachen aus anderen Gründen ab

– 123 fanden eine sozialsicherungspflichtige Beschäftigung,  42 

  in ihrer Einsatzstelle, 81 anderweitig, 12 in der Bürgerarbeit

– 22 fanden einen Mini-Job

– 32 machten eine Aus- oder Weiterbildung

– 4 machten sich selbstständig

– die größte Altersgruppe: 41 bis 55 Jahre (48,1 Prozent)

– 19,4 Prozent hatten Migrationshintergrund  


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