Schongauer Stadtrat lehnt Investoren-Pläne ab

Kein Betreutes Wohnen am neuen Pflegeheim

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der Wunsch-Entwurf des Investors. Der Neubau (orange) ist abgesetzt vom Altbau (rot) und öffnet sich nach Süden.

Schongau – Eigentlich hatte der Stadtrat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan für das geplante neue Altenheim neben dem Schongauer Krankenhaus bereits im Mai auf den Weg gebracht. Doch am Dienstag stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Der Grund: Statt eines reinen Pflegeheims wollte der Investor zusätzlich Plätze für Betreutes Wohnen schaffen. Im Gremium stieß diese Idee allerdings auf wenig Gegenliebe. Heftig diskutiert wurde auch über die Höhe und Lage des neuen Gebäudes.

Im März hatte der Kreistag beschlossen, das in die Jahre gekommene landkreiseigene Marie-Eberth-Heim an die Firma „wob Immobilien GmbH“ zu verkaufen. Deren Konzept sah vor, das 59-Betten-Altenheim abzureißen und einen Neubau mit doppelter Kapazität zu errichten. Im Mai fasste der Schongauer Stadtrat einen entsprechenden Aufstellungsbeschluss für den nötigen Bebauungsplan und verwies das weitere Verfahren an den Bauausschuss. Seitdem habe es „konstruktive Vorgespräche“ mit dem Investor gegeben, berichtete Sebastian Dietrich vom Bauamt am Dienstag in der Stadtratssitzung. Diese förderten allerdings auch Überraschendes zutage. Statt 120 Pflegeplätze sah ein erster Entwurf zusätzlich 19 Unterkünfte für Betreutes Wohnen vor – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Größe des Neubaus. Dies mache eine neue Betrachtung erforderlich, erklärte Dietrich.

Viel Kritik am Investor-Plan

Wie problematisch das geänderte Konzept aus städtebaulicher Sicht ist, führte Georg Dinger vom Büro Eger&Partner aus, der gemeinsam mit dem an diesem Abend verhinderten Stadtplaner Frank Reimann mit der Ausarbeitung des Bebauungsplan betraut ist. Mit einer Höhe von 17,5 Metern und fünf Geschossen würde der geplante Neubau die vorhandenen Gebäude – deren Höhe noch landschaftsverträglich sei, also den Blick etwa vom Galgenbichl aus nicht beeinträchtigen – um bis zu sieben Meter überragen. Kritisch sah Dinger zudem die geplante Situierung am westlichen Rand des Grundstücks. Dadurch würde das neue Gebäude anders als das bisherige Altenheim und das angrenzende Krankenhaus nicht hinter dem Gehölz verschwinden, sondern in exponierter Lage direkt oberhalb der Siechenhalde stehen. Wenig hielt der Planer auch von der angedachten Form des Neubaus, der durch seine abgesetzte Position und Öffnung nach Süden die vorhandene Längsstruktur aufreiße.

Zwei alternative Vorschläge

Dass es auch anders gehen würde, zeigte Dinger anhand zweier alternativer Konzepte, die er und seine Kollegen erarbeitet hatten. Bei beiden schließt der Neubau direkt an das bestehende Gebäude an, greift also die längliche Bauform auf. Der Unterschied besteht in der Größe. In Variante eins käme man mit vier Stockwerken auf eine Geschossfläche von 8800 Quadratmeter, womit man den Wünschen des Investors Rechnung tragen würde, erläuterte Dinger. Dieser hatte in seiner Planung 7100 Quadratmeter für die Pflege und 1300 Quadratmeter für das Betreute Wohnen vorgesehen. Der Nachteil: Das Gebäude würde aufgrund seiner Größe über die bewaldete Linie hinausreichen.

Die beiden Varianten der Stadtplaner.

Deshalb hielt der Planer Variante zwei für die aus städtebaulicher Sicht sinnvollere. Durch den kürzeren Baukörper aufgrund einer reduzierten Geschossfläche von 6900 Quadratmetern wäre der Abschluss mit der Waldkante gegeben, zudem könnte der Grüngürtel im westlichen Teil bestehen bleiben. Nachteil: Es wäre nur der Bedarf einer reinen Pflegeeinrichtung abgedeckt. Für Dinger kein Beinbruch. „Betreutes Wohnen macht ohnehin eher stadtnah Sinn“, sagte er, zumal eine solche Einrichtung an dieser Stelle noch ein weiteres Problem mit sich bringen würde. „Aktuell sind dort laut Flächennutzungsplan nur Altenheim und Krankenhaus erlaubt. Wir müssten diesen erst ändern.“

Dazu kam es jedoch nicht. Denn im Gremium war man sich schnell einig, dass am ursprünglichen Konzept eines reinen Pflegeheims nicht gerüttelt werden sollte. „Betreutes Wohnen passt nicht hierher, das gehört in die Kernstadt“, betonte etwa Friedrich Zeller (SPD). Zudem sei beim Beschluss im Kreistag davon nie die Rede gewesen. Michael Eberle (CSU) wollte da nicht widersprechen, gab aber zu bedenken, dass die Stadt beim Thema Betreutes Wohnen in den vergangenen 15 Jahren nichts geschafft habe. „Wir müssen das als Hausaufgabe mitnehmen, wenn wir es hier nicht zulassen.“

Deutlich länger dauerte die Diskussion über die Gebäudeform und -höhe. Während den ALS-Stadträte durch die Bank die Variante zwei am besten gefiel, weil sie dem Landschafts- und Naturschutz am ehesten gerecht würde, stieß sich Stephan Hild (UWV) an der „kasernenmäßigen“ Optik und der Ausrichtung des Gebäudes. Statt nach Süden in die Berge wie beim Investor-Entwurf würden die Bewohner hier hauptsächlich nach Norden blicken. „Ich würde dort nicht wohnen wollen.“ Dinger wies darauf hin, dass es sich nur um grobe Entwürfe handle. „Der endgültige Grundriss ist Sache des Bauherren. Wir geben mit dem Bebauungsplan nur den Rahmen vor.“

Irritiert zeigten sich die Stadträte darüber, dass mit dem Investor im Vorfeld nicht über die beiden Varianten geredet worden war. Der Vorschlag, dies erst nachzuholen, ehe man den Aufstellungsbeschluss fasst, scheiterte am engen Zeitplan. Im Jahr 2020 bereits laufe die Betriebserlaubnis für das Marie-Eberth-Heim aus, erklärte Dietrich. Bis dann müsse der Neubau stehen. „Wenn wir jetzt nicht in die nächste Phase einsteigen, ist der Zeitplan obsolet.“

Viel Spielraum

Mit 17:4-Stimmen beschloss das Gremium schließlich, das Betreute Wohnen nicht zuzulassen. Einstimmig wurde festgelegt, dass der Neubau im südlichen Teil maximal drei, im hinteren Teil höchstens vier Stockwerke hoch sein darf. Um dem Investor dennoch möglichst viel Spielraum zu lassen, soll das Baufenster so groß wie möglich bleiben, auch wenn dies einen Verzicht auf den westlichen Grüngürtel zur Folge hat. Dieser Beschluss fiel mit 18:4 Stimmen. Gleichzeitig wurde die maximale Kapazität der Einrichtung auf 120 Plätze beschränkt.

Christoph Peters

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