Kein Grabenkrieg im Wald

Eine Lösung des alten Konfliktes zwischen Jagd und Forst gab es bei der Diskussion im Rahmen der Frühjahrshegeschau in Fischen nicht. Das emotionsgeladene Thema Jagd und Wild wurde weitgehend sachlich erörtert. Landrat Gebhard Kaiser zeigte sich zufrieden mit dem Abschuss im südlichen Landkreis Oberallgäu und appellierte, Lösungen vor Ort zu suchen. Landesweite Gutachten seien nicht das Maß der Dinge.

Am Grundsatz „Wald vor Wild“ darf Landrat Kaiser zufolge nicht gerüttelt werden bei der Jagd- und Forstpolitik in Bayern. Ebenso wenig an dem „bewährten Konzept“ der gemeinsamen Verantwortung, das man im Landkreis gefunden habe. Ein Streit zwischen Jägerschaft einerseits und Forstleuten und Waldbesitzern andererseits spiele letztlich denjenigen in die Hände, die das Konzept aushebeln wollten, so Kaiser in seiner Anspielung auf ein internes Waldgutachten im Landwirtschaftsministerium. Das in Jägerkreisen „Skandalpapier“ genannte Gutachten hatte bayernweit für verärgerte Reaktion der Jagdverbände gesorgt. Staatsminister Helmut Brunner und sein Amtsvorgänger haben sich inzwischen von dem Dossier distanziert. Es sei „für den Papierkorb“, so Brunners Reaktion. „Nicht Rechnungshof oder Landwirtschaftsministerium legen die Abschusszahlen fest, sondern die Untere Jagdbehörde am Landratsamt“, stellte Kaiser klar. Er werde intensiv dafür kämpfen, dass die Forstämter in die Kreisverwaltung eingegliedert werden. Dann könnten sie ihre Aufgaben individuell erfüllen. Landesweite Gutachten nützten wenig - entscheidend sei das Waldbild vor Ort. Dem müsse Rechnung getragen werden. Defiziten beim Abschuss werde man „spürbar abhelfen“, warnte der Landrat: „Der Abschuss muss erfüllt werden.“ Der Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes BJV, Fürst Moritz zu Oettingen-Wallerstein, ging genauer auf das „Skandalpapier“ aus dem Ministerium ein. Die Jägerschaft werde darin unter anderem als „verfilzte, verbohrte... muffige Bagage“ diffamiert. Vor diesem Hintergrund dürfe es nicht wundern, „dass uns der Kragen platzt“, so der Fürst, selbst Jäger und Besitzer von rund 11000 Hektar Wald. Das sogenannte Vegetationsgutachten habe mit einem Waldgutachten nichts zu tun, wetterte der Vizepräsident des BJV: „Es ist ein Machtinstrument, das Spaltung erzeugt!“ Alle drei Jahre „versaut das Gutachten die Stimmung“, meinte der Fürst und appellierte, den Umgang miteinander zu überdenken: „Da muss wieder Frieden rein.“ Das sieht auch der Oberallgäuer CSU-Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter so. Es sei an der Zeit, die Diskussion zu versachlichen: „Es kann so nicht weiter gehen!“ Die in dem Papier erhobenen Vorwürfe an die Jägerschaft seien „unverschämt, falsch und unakzeptabel“. Es sei immer „besser miteinander zu schwätzen, als übereinander zu schimpfen“. Und Rotters Landtagskollegin, Ulrike Müller (Freie Wähler) aus Missen, vermutet, dass die Sache mit dem „Papier“ gezielt an die Basis getragen worden sei, „um Unfrieden zu stiften“. „Keine Erklärung“ für den Streit mit „nicht nachvollziehbarer Dimension“ findet Dr. Ulrich Sauter, Leiter der Abteilung Forst am Amt für Landwirtschaft in Kempten. Der Preis sei zu hoch, meint er: „Am Ende gibt es nur Verlierer.“ Der Jagd, so betonte Sauter, komme beim Umbau des Waldes eine „Schlüsselrolle mit großer Verantwortung“ zu. Der Schalenwildverbiss sei kein Kavaliersdelikt, wies Sauter auf die langfristigen Folgen für den Wald aber auch für die Kasse der Waldbauern hin, etwa durch Zuwachsverluste. In Zeiten des Klimawandels brauche es einen naturnahen Mischwald, stellte Dr. Sauter einmal mehr fest. „Das hat nichts mit forstlicher Romantik zu tun“, verwies er auf die fachliche Praxis. Die Fichte werde deshalb nicht aus dem Wald verschwinden, aber „schlechter zurecht kommen“. Deshalb brauche sich niemand sorgen, dass es bald zu einem Mangel an Fichten kommen könne - der aktuell nutzbare Vorrat sei immens. „Gute Arbeit“ bescheinigte Landrat Kaiser den Oberallgäuer Jägern mit Blick auf die „Strecke“ der vergangenen sechs Monate. Die festgelegten Abschusszahlen wurden in den einzelnen Hegeringen „gut getroffen“, wobei es auch Ausreißer gab. Erlegt wurden insgesamt 1490 Stück Rotwild (94 Prozent), 628 Gemsen (108 Prozent) und 6045 Stück Rehwild (118 Prozent), davon im Bergstätt-Gebiet 1666 Stück (101 Prozent).

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