Ehrenamtliche Paten kümmern sich um Belange der Asylbewerber

Noch keine soziale Hilfe vom Staat

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Nicolas Boll erzählte allen anwesenden Teilnehmern etwas über den Biber, bevor es auf die große Spurensuche ging.

Landkreis/Weilheim – Was ist denn das für ein Tier? Richtig, es ist ein Biber. Und warum war das Tier im Containerdorf? Viele Weilheimer Asylbewerber, einige Bürger und Mitglieder des Unterstützerkreises gingen am Sonntag mit Nicolas Boll und Jean-Luc Zahn auf Biberspurensuche. Vorher wurde ein ausgestopftes Tier von allen genau inspiziert.

Gespannt zogen um die 20 Entdecker los, um zu sehen, wo der Biber in Weilheim seine Nahrung findet, seine Spuren hinterlässt und welche Bäume nicht sicher vor ihm waren. Von den Containern aus ging es in ein Weilheimer Waldstück hinter dem Wertstoffhof. Interessiert hörten alle den Infos von Boll zu und viele machten Fotos von der schönen Landschaft, die es so in Syrien oder in Afrika nicht gibt. Das ist nur eine von vielen Aktionen, die der Unterstützerkreis Asyl mit den „neuen Weilheimern“ unternimmt. 

 Vor Kurzem lud Alfred Honisch, Stadtrat (Grüne) und Integrationsbeauftragter der Stadt Weilheim, zum Diskussionsabend „Bayerns Asylpolitik vor Ort“ ein und mit dabei war Martin Neumeyer (CSU), Integrationsbeauftragter der Staatsregierung. „Ohne Ehrenamtliche würde die Willkommenskultur für Asylbewerber in Bayern nicht funktionieren“, sagte er. Laut dem Referat von Neumeyer haben die Asylbewerberproteste in München und im Bayerischen Wald Folgen: eine Neuausrichtung der Asylpolitik. So spricht sich die Staatsregierung nun verstärkt für die Verkürzung des Asylrechtverfahrens aus, die Residenzpflicht solle aufgehoben und in Zukunft die Belieferung mit Essenspaketen auf die Selbstversorgung (140 Euro Barbezug im Monat) umgestellt werden. Und wer kümmert sich um die Asylsozialhilfe? 

 Zentrales Thema zwischen Diakonie, dem Unterstützerkreis, der Evangelischen Kirche, der Caritas und den vielen ehrenamtlichen Asylpaten ist genau diese Finanzierung der Asylsozialhilfe. Im Landkreis sind 60 Personen ehrenamtlich tätig und sie haben laut Honisch den Eindruck, dass sich der Staat bei der sozialen Betreuung gezielt aus der Verantwortung zieht. „Anders ist es nicht erklärbar, dass sich seit Mai 2013 keinerlei staatliche Stelle um die sozialen Belange der Asylsuchenden kümmert“, so Honisch. 

 „Es ärgert die Ehrenamtlichen“, so Annette Herrmann vom Unterstützerkreis Asyl, „dass sie darum betteln müssen, dass der Staat endlich – neben seinen rein materiellen Verpflichtungen – auch die humanitär-soziale Begleitung ordentlich organisiert.“ Ab 3. Februar gibt es die Sozialarbeit der Diakonie für Asylsuchende, aber die finanziert sich ohne staatliche Mittel.

Illegal nach Deutschland gekommen

Mehr Mittel seien aber von der Regierung bereitgestellt worden, sagte Neumeyer, um in allen Bezirken Erstaufnahmelager einzurichten. „Denn die Zahl der Asylsuchenden wird 2014 steigen“, sagte Neumeyer. Dem stimmte auch Helmut Estermann, Chef der Ausländerbehörde in Weilheim, zu. Auf die Frage, ob er ein Ende der Bewerberflut sehe, antwortete er: „Nein! Im Gegenteil.“ 

 90 Prozent der Bewerber, meinte Estermann, reisen illegal nach Deutschland ein. „Viele kommen über Griechenland, Italien oder Spanien. Und sobald sie den Boden eines Schengenstaates berühren, sind sie illegal hier, da sie ja kein Visum haben“, erklärte er. Einige von ihnen werfen ihre Pässe weg, damit ihnen nicht nachgewiesen werden kann, woher sie genau stammen. Schleuserbanden erhalten bis zu 10 000 Euro für einen „Transport“ nach Europa. Werden sie bei der Durchreise von den sogenannten Schleierfahndern erwischt, stellen sie einen Asylantrag. „Dann halten sie sich in Deutschland legal auf und kommen in eine Aufnahmeeinrichtung wie die Bayernkaserne München und bleiben für drei Monate dort. Danach werden sie an die Landkreise verteilt“, erklärte Estermann die Prozedur.

Jede Woche kommen neue Flüchtlinge

„Das ist eine Mammutaufgabe für uns“, sagte Estermann. Sieben bis acht Personen muss er wöchentlich mit seinem mittlerweile siebenköpfigen Team im Landkreis unterbringen. „Nächste Woche kommen 21 neue Flüchtlinge aus München. Sie sind meistens aus Syrien. Die meisten kommen von dort. Einige haben Platz in den Weilheimer Containern“, sagte Estermann. 

 Zahlen stark angestiegen 

Laut den Informationen von Estermann gab es 2013 um die 127 000 Anträge für Asyl in Deutschland. 15 Prozent musste Bayern abnehmen, das heißt 20 000 Asylbewerber fanden 2013 in Bayern einen Platz. Von ihnen muss der Bezirk Oberbayern wiederum 30 Prozent übernehmen. Das sind dann 6 000 Asylbewerber. Von diesen 6 000 kommen drei Prozent im Landkreis unter. „Das sind dann 180 neue Asylbewerber im Landkreis“, erklärte Estermann.

Von Alma Jazbec

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