Keine "Stroke Units" im Landkreis – Dr. Karl Breu: "Mehr Schlaganfallpatienten brauchen intensivere Betreuung"

Dr. Karl Breu und Janet Tausch hatten viel zu tun, um alle Daten für die Broschüre zusammenzubekommen. Foto: Jazbec

Die gesundheitliche Situation im Landkreis Weilheim-Schongau bezeichnet Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes, insgesamt als „zufriedenstellend“. Grund dafür sei auch die Präventionsarbeit der Behörden. Für die Broschüre „Gesundheit in der Region – auf einen Blick“ erarbeitete er mit seiner Assistentin Janet Tausch Zahlen und Fakten. Ebenso nahmen sie bösartige Krebserkrankungen, die im Landkreis am häufigsten vorkommen, genauer unter die Lupe.

Weniger Herzinfarkte Positiv wertete Breu die niedrige Anzahl an Herzinfarktpatienten. Die Quote lag 2008 im Landkreis Weilheim-Schongau mit 185 (alle Angaben sind je 100 000 Einwohner) deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt (220). Der Landkreis Freising hat mit 144 Fällen die niedrigste Quote Oberbayerns. Bei den Schlaganfallpatienten sieht die Statistik anders aus. Mit 404 Schlaganfallpatienten liegt Weilheim-Schongau nur hinter Altötting (545) und Erding (309). „In unserem Landkreis gibt es keine ,Stroke Units’. Das sind in erster Linie Stationen, die auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten spezialisiert sind. Dachau und Rosenheim haben solche Stationen“, erklärte Breu. Mehr Tote bei Unfällen Die Rate der Menschen, die auf den Straßen im Landkreis zu Tode kommen, ist überdurchschnittlich hoch. Mit 575 Toten liegt Weilheim-Schongau nur hinter dem Landkreis Miesbach (745). Laut Breu liegt das „an der Lage des Landkreises im Voralpenraum“. Viele Motorradfahrer sterben hier bei Verkehrsunfällen. „Die Verunglückten stammen aber nicht alle aus dem Landkreis“, stellte der Gesundheitsamtleiter klar. Weniger Kinder Die Bevölkerungsdichte im Landkreis sank von 2007 bis 2009. 2009 lebten in Weilheim-Schongau 130 863 Einwohner. Ein leichter Anstieg konnte dann wieder im Jahr 2010 festgestellt werden. Auffallend ist, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen immer mehr abnimmt (31,2 Prozent in 2009). Im Vergleich zu Bayern (27,5 Prozent) und Oberbayern (27,5 Prozent) leben aber im Landkreis Weilheim-Schongau immer noch mehr Kinder und Jugendliche. Seit 2006 nimmt der Anteil der 65-Jährigen und älteren Personen zu. 2009 lag er bei 33 Prozent und sowohl über dem bayerischen (31,1 Prozent) als auch über dem oberbayerischen Durchschnitt (29,8 Prozent). Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat mit 40 Prozent die höchste Anzahl an älteren im Landkreis lebenden Menschen. Breus Fazit: Umso mehr ältere Menschen, desto höher die Anzahl an zu pflegenden und behandelnden Patienten. Jedoch liegt die Zahl der Pflegebedürftigen im Landkreis unter dem bayernweiten Durchschnitt. Zu wenig Impfungen „In Oberbayern wird weniger geimpft, weil viele Leute Vorbehalte haben. Unter Ärzten gibt es schwarze Schafe, die gegen das Impfen sprechen“, sagte Breu. Obwohl die Impfquote für die zweite Masernimpfung im Landkreis seit 2004 kontinuierlich ansteigt, liegt sie mit 81 Prozent im Jahr 2008 immer noch unter den von der WHO als notwendig erachteteten 95 Prozent. Krebserkrankungen Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Dr. Breu nahm die drei häufigsten und bösartigsten Krebserkrankungen im Landkreis, Lungenkrebs, Darm- und Brustkrebs, genauer unter die Lupe. Nach der Todesursachenstatistik des Gesundheitsamts verstarben im Landkreis in den letzten zehn Jahren 445 Personen an den Folgen einer bösartigen Erkrankung der Atmungsorgane, im Jahr 2010 waren es 46. Aktive Raucher machen bei Männern 91 und bei Frauen 65 Prozent aller Lungenkrebspatienten aus. Männer rauchen mehr als Frauen, wobei die Rate der an Lungenkrebs erkrankten Frauen seit den 90er Jahren ansteigt. Die Erkrankungsrate im Jahr 2008 sowohl von Frauen (12) und Männern (23) an Lungenkrebs liegt im Landkreis niedriger als in Bayern und deutlich niedriger als im Bundesdurchschnitt. Im Landkreis starben innerhalb von zehn Jahren (2001 bis 2010) 324 Frauen und im letzten Jahr 28 Frauen an der Folge einer Brustkrebserkrankung, damit ist Brustkrebs auch die häufigste Krebstodesursache bei Frauen. 2006 stieg die Neuerkrankungsrate von 99 auf 102 in 2008 an. 2009 gingen mehr Frauen aus dem Landkreis zum Mammographie-Screening als in ganz Bayern. Seit 1990 verstarben im Landkreis 1 036 Menschen an den Folgen einer bösartigen Erkrankung des Darmes, 2010 kamen 18 Männer und 16 Frauen hinzu. Für das Jahr 2011 wurden bisher 22 Todesfälle gemeldet. Das Risiko für eine Darmkrebserkrankung ist auch zum Teil von den Ernährungs- und Lebensgewohnheiten abhängig. Dank intensiver und präventiver Aktionen in den vergangenen zehn Jahren gehen mehr Frauen und Männer aus dem Landkreis zur Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung als im Bayerndurchschnitt. Die Broschüre „Gesundheit in der Region“ gibt es kostenlos in den Dienststellen des Landratsamtes oder auch im Internet unter www.weilheim-schongau. de.

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