"Kinderhaus an der Ammer" nimmt an Bundesprogramm für Sprachförderung teil

Sprache ist der Schlüssel zur Welt

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„Frühe Bildung – gleiche Chancen“ steht auf einer der Plaketten, die das Ammer-Kinderhaus für die Teilnahme an den Sprachförderprogrammen erhalten hat und die bei einem Pressetermin zusammen mit den Einrichtungsmitarbeitern präsentiert wurden. V.li.: Sigrid Hauswurz („FortSchritt“-Bereichsleiterin für „Kinder und Jugendhilfe), Christine Volland, Karin Korpan (Fachberaterin für den Förderprogramm-Verbund) und Gerald Kubik.

Peißenberg – Die Sprache ist ein ganz wesentlicher Faktor für die Teilhabe am öffentlichen Leben. Wer sich gut artikulieren kann, hat in der Kontaktpflege mit anderen Menschen Vorteile und bessere Chancen in Schule, Ausbildung und Beruf.

Die Grundlagen für die Spracherziehung werden bereits im frühen Kindesalter gelegt. Genau da gibt es jedoch eine besorgniserregende Entwicklung: „Die sprachliche Bildung der Kinder ist insgesamt schlechter geworden“, sagt Christine Volland, die Leiterin des „Kinderhauses an der Ammer“ in Peißenberg. Die integrative Einrichtung, die von der gemeinnützigen GmbH „FortSchritt“ mit Sitz in Niederpöcking getragen wird, hat auf den Trend reagiert: Seit 2012 nimmt man erfolgreich an Sprachförderprogrammen des Bundesfamilienministeriums teil.

Ob diverse Sprachauffälligkeiten oder Sprachverzögerungen, die Bandbreite der „Sprachfehler“ bei den betroffenen Kindern sind vielfältig – ebenso wie die Ursachen. „In den Familien wurde früher viel mehr kommuniziert“, benennt Volland einen der Gründe. Der Wandel der Gesellschaft mit meist zwei berufstätigen Elternteilen führt dazu, dass oft die Zeit fehlt, sich mit den Kindern verbal zu beschäftigen und ihnen einzelne Begriffe ausführlich zu erklären. Die Spracharmut spiegelt sich laut Volland bei den Kindern oft in „Sekundärfolgen“ wie Frustration und Aggression wider.

Auch die neuen Medien spielen im Gesamtbild eine Rolle: „SMS-Sprache beschränkt die allgemeine Sprache“, sagt Gerald Kubik, der Gesamtleiter der „FortSchritt“-Kindertagesstätten.

Im Ammerhaus ist regelmäßig eine logopädische Fachkraft anwesend – und seit 2012 nimmt man parallel dazu an den Bundesprogrammen teil: Die ersten drei Jahre an dem Projekt „Sprache & Integration“ und seit Januar 2016 im Verbund mit elf anderen Kindertagesstätten am Folgeprojekt „Sprach-Kitas – Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. Wie die Leiterin der Sprachprogramme im Ammerhaus, Kerstin Schwarzer, betont, handelt es sich dabei nicht um therapeutische Arbeit. Es gibt keine spezielle Fokussierung auf Kinder mit akuten Sprachfehlern. „Das Programm ist offen für alle“, sagt Schwarzer. Die Kinder sollen spielerisch mit Sprache konfrontiert werden, zum Beispiel mit einfachen Kinderliedern wie „Hoppe, hoppe Reiter“, die viele Mädchen und Buben gar nicht mehr kennen. Laut Schwarzer geht es im neuen Förderprogramm letztlich um „alltagsbegleitende und -integrierte Sprachförderung“, um Inklusion sowie um den Einbezug der Eltern. Viele Väter und Mütter sind über die immer schlechter besuchten Elternabende nämlich gar nicht mehr zu erreichen.

Das Problem der mangelhaften Sprachausbildung ist übrigens nach den Erfahrungen in den „FortSchritt“-Einrichtungen nicht an das soziale Umfeld der Kinder geknüpft: „Das zieht sich quer durch alle Gesellschaftsschichten“, sagt Kubik.

Von Bernhard Jepsen

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