Königscard für den Pfaffenwinkel? Gemischte Reaktionen im Landkreis – Susanne Lengger im Interview

"Mit anderen Regionen vernetzen"

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Die Königscard ist eine All-inclusive-Gästekarte, mit der Urlauber 250 Freizeitangebote in vier Regionen nutzen können. Dazu zählen Bergbahnen, Bäder, Museen ebenso wie die Schifffahrt und sportliche Aktivitäten. Mit der Aufnahme des Pfaffenwinkels könnten auch Feriengäste, die hier bei Partnerbetrieben übernachten, von dem Angebot profitieren.

Weilheim/Landkreis – Im Allgäu, im Blauen Land, in den Ammergauer Alpen und in Tirol wird sie von den Urlaubsgästen geschätzt: Die Königscard, die der Tourismusverband auch im Pfaffenwinkel einführen möchte, um die Region, wie es Susanne Lengger formuliert, touristisch „fit für die Zukunft“ zu machen.

26 Gemeinden aus Weilheim-Schongau, der Landkreis selbst und Bad Bayersoien sind Mitglieder im Tourismusverband. Wie sich bei der Diskussion im Kreisausschuss und in der jüngsten Verbandsversammlung in Weilheim zeigte, stehen einige Gemeinden der All-inclusive-Card jedoch skeptisch gegenüber. Vor allem aus Wessobrunn, Prem und Wildsteig wurde Kritik laut. Unter anderem deshalb, weil damit private Betriebe mit öffentlichen Geldern gefördert werden würden.

Kreisboten-Redakteurin Maria Hofstetter befragte die Geschäftsführerin im Tourismusverband Paffenwinkel zu den Hintergründen.

Der Kreisausschuss hat einer Erhöhung der Verbandsumlage mehrheitlich zugestimmt. Ist damit der Weg zur Einführung der Königscard geebnet?

Susanne Lengger: „Der Kreisausschuss hat einer Erhöhung der Umlage zugestimmt, falls die Königscard eingeführt wird, mit der Auflage, nach drei Jahren eine Erfolgskontrolle vorzunehmen. Das entscheidende Gremium ist aber die Verbandsversammlung des Tourismusverbandes. Wir haben das Projekt in dessen Sitzung vorgestellt und beraten.“

Welche Vorteile bietet diese „All-Inclusive-Gästekarte“ den Gastgebern und Anbietern weiterer Leistungen?

Lengger: „Vor allem Mittelklasseunterkünfte können damit ihre Qualität steigern, da in ihrem Unterkunftspreis rund 250 zusätzliche Leistungen enthalten sind, die die Gäste kostenlos nutzen können. Die anderen Anbieter, wie Schwimmbäder und Museen, können aus der gesamten Königscard-Region zusätzliche Gäste bekommen.“

Rechnen Sie damit, dass die Gäste mit dem ersparten Geld ihren Urlaub im Pfaffenwinkel früher buchen und länger bleiben?

Lengger: „Aus Erfahrung der Königscard-Betreiber ist dies der Fall. Die Gäste wollen sichergehen, eine Unterkunft mit Königscard zu bekommen und buchen früher. Sie zahlen etwas mehr für die Übernachtung, um die zusätzlichen Leistungen zu finanzieren und haben eine gefühlte Ersparnis bei den Freizeitaktivitäten, die sie für zusätzliche Ausgaben oder eine längere Aufenthaltsdauer nutzen.“

Wie beurteilen Sie die bisherige Resonanz der Unternehmen im Pfaffenwinkel?

Lengger: „Wir haben mit vielen Unterkunftsanbietern gesprochen. Die Reaktionen waren sehr gemischt. Eine gewisse Skepsis ist da, aber viele Gastgeber haben zumindest ihr Interesse signalisiert. Die Entscheidung muss jeder Gastgeber für sich treffen. Unser Ziel ist, circa 15 Prozent der Betriebe als Königscard-Betriebe zu gewinnen.“

Sehen Sie nicht auch die Gefahr, dass Gäste in benachbarte Regionen abwandern, die mehr Gratisattraktionen zu bieten haben als der Pfaffenwinkel?

Lengger: „Diese Gefahr besteht zur Zeit akut, solange wir die Königscard nicht selbst anbieten können. Langjährige Stammgäste weichen in Nachbarorte aus, weil es dort schon die Königscard gibt. Unsere Gäste machen auch ohne Königscard jetzt schon viele Ausflüge in andere Regionen. Wichtig ist, dass wir Leistungspartner bei uns in das Angebot der Königscard aufnehmen. Die Gefahr der Abwanderung wird umso größer, je weniger Angebote wir im Pfaffenwinkel haben.“

Was sagen Sie den übrigen Gastgebern, die gegenüber jenen mit Königscard Wettbewerbsnachteile fürchten?

Lengger: „Ich glaube, das wird sich die Waage halten. Es gibt für beide Varianten gute Gründe und auch genügend Gäste. Ein Gastgeber, der Nachteile feststellt, kann jederzeit Königscard-Betrieb werden.“

Bernbeuren und Bad Bayersoien (beide Mitglieder im Tourismusverband, Anm.d.Red.) haben die All-Inclusiv-Card bereits, warum?

Lengger: „Bad Bayersoien ist auch Mitglied bei den Ammergauer Alpen, die die Königscard mit aufgebaut haben und von Anfang an dabei. Bernbeuren ist als Gemeinde vor circa drei Jahren Königscard-Partner geworden, weil die Königscard in den Nachbargemeinden schon im Einsatz war und die Gastgeber ohne die Königscard Wettbewerbsnachteile hatten.“

Kann der örtliche Einzelhandel von der Königscard profitieren?

Lengger: „Das ist nicht ganz einfach zu beurteilen. Der Einzelhandel profitiert dann, wenn wir durch die Königscard unsere Übernachtungszahlen steigern oder Gäste mit den Leistungsangeboten gezielt in unsere Gemeinden bringen können.“

Wie wird denn die Königscard finanziert?

Lengger: „Die Leistungen finanzieren sich über eine Umlage, die von den Gastgebern pro Gast und Übernachtung (circa 4,50 Euro Anm.d.Red.) eingezahlt wird. Aus diesem Umlagetopf erhalten die Leistungspartner, etwa ein Hallenbad oder ein Museum, eine Ausschüttung für jede Nutzung der Königscard in ihrem Betrieb. Der Tourismusverband würde bei der Einführung die Grundkosten für die Beteiligung an diesem Gästekartensystem, unter anderem für Marketing, Personal, Technik, Support von circa 40 000 Euro netto im Jahr übernehmen. Der Landkreis Weilheim-Schonau würde sich als Verbandsmitglied über die Verbandsumlage jährlich mit 30 000 Euro beteiligen, die Gemeinden mit einer ihrer Größe entsprechenden Umlage zwischen 200 und 1000 Euro jährlich.“

Was sind die nächsten Schritte?

Lengger: „Ab Mitte September werden wir die Gastgeber und möglichen Leistungspartner informieren, um herauszufinden, wie hoch die Bereitschaft ist, sich an der Königscard zu beteiligen, um dann auf dieser Basis voraussichtlich im November eine tragfähige Entscheidung treffen zu können. Wir wollen, dass die Gemeinden dahinter stehen und werden die Entscheidung deshalb nicht übers Knie brechen.“

Bitte vervollständigen Sie: Ich stehe hinter dem Projekt Königscard, weil...

Lengger: „... der Tourismus im ländlichen Raum ein großes Potenzial hat aber auch große strukturelle Probleme, zum Beispiel, weil das Angebot sehr kleinteilig ist. Es ist schwierig, den Pfaffenwinkel als kleine Region bekannt zu machen und am Markt wahrgenommen zu werden. Die Königscard bietet die Chance, mit relativ wenig Geld in ein gut funktionierendes System einzusteigen, sich mit anderen Regionen zu vernetzen und für die Zukunft zu positionieren.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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