Krankenhaus GmbH richtet 2015 in Weilheim und Schongau eigene Hauptabteilung ein

Geburtshilfe bleibt im Landkreis

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In Weilheim geboren: Anton nuckelt zufrieden an seinen zarten Fingerchen. Für Elisabeth Kergl ist mit dem jüngsten Familienspross daheim in Haunshofen das Bubentrio komplett. Bis die Zeitung erscheint, haben Mutter und Sohn die Weilheimer Klinik schon wieder verlassen. Hi.v.li.: Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Dr. Stephan Rutke, Angelika Flock und Thomas Lippmann.

Weilheim – Gestiegene Haftpflichtprämien und die Rufbereitschaft rund um die Uhr führen dazu, dass sich immer mehr niedergelassene Frauenärzte aus der Geburtshilfe zurückziehen. Auch in den Kliniken Weilheim und Schongau. Die Krankenhaus GmbH will diesen Service der medizinischen Grundversorgung mit neuer Struktur langfristig sichern und weiter ausbauen.

Wie dies geschehen soll, wurde bei einem Presse- gespräch in der Klinik Weilheim vorgestellt. Die Planungen sehen laut GmbH Geschäftsführer Thomas Lipp- mann vor, an beiden Klinikorten eine Hauptfachabteilung mit fünf bis sechs fest angestellten Ärzten zu etablieren. Unter der Regie eines Chef- arztes, der zwischen Weilheim und Schongau pendeln wird, soll das Ärzteteam an beiden Orten wirken. Die Zusammenarbeit mit den bisherigen Belegärzten wird beibehalten, betonte Lippmann.

Jede Geburt ist ein emotionales Erlebnis und für die Eltern oft der erste Bezug zum örtlichen Krankenhaus. „Kommt der Enkel in Weilheim zur Welt, lässt sich dort vielleicht auch die Oma die Hüfte operieren.“ Mit Verbundenheit Vertrauen schaffen, heißt Lippmanns Devise. Während bundesweit immer mehr geburtshilfliche Abteilungen schließen, setzt die GmbH auf ihren Erhalt und verspricht sich davon – trotz steigender Kosten – langfristig Stabilität und Wachstum. „Die Geburtshilfe ist ein defizitärer Bereich. Sie zählt aber zu den Kernaufgaben einer wohnortnahen medizinischen Grundversorgung“, unterstrich Lippmann die humanitäre Verantwortung. Die neue Hauptabteilung werde jährlich zwar „mehrere hunderttausend Euro kosten, die GmbH aber insgesamt stärken“.

In den Kliniken Weilheim und Schongau werden jährlich zirka 700 Kinder geboren. Die Geburtshilfe an beiden Standorten (40 Betten) wird derzeit ausschließlich von den Beleg- ärzten erbracht. In Weilheim schultert Dr. Stephan Rutke die Geburtshilfe mit zwei Teilzeit-Kolleginnen. Im Schongauer Haus zeichnen sich 2015 in dieser Abteilung ebenfalls personelle Engpässe ab. Als sich im September ein weiterer Frauenarzt aus der Geburtshilfe zurückgezogen hatte und die Nachfolgersuche erfolglos blieb, standen laut Lippmann zwei Optionen zur Wahl: Sich sukzessive von der Geburtshilfe verabschieden – „das wäre ein Armutszeugnis für den Landkreis“ – oder eine Lösung finden, die geburtshilflichen und gynäkologischen Abteilungen in Weilheim und Schongau langfristig zu erhalten. „Wir haben mit unserer Entscheidung die Geburtshilfe in Weilheim gerettet“, sagte Lippmann. Aufgrund der neuen baulichen Strukturen in Schongau sei vorstellbar, dort ein regionales gynäkologisches Zentrum mit onkologischem Schwerpunkt zu errichten.

Übers Jahr gerechnet, bringen 400 bis 500 Landkreisbürgerinnen ihr Kind in einer Klinik außerhalb des Landkreises zur Welt. Das Vertrauen in die Häuser der GmbH hält auch Dr. Rutke für wichtig, um die Geburtenzahlen steigern zu können. Hebamme Marianne Gegg hat immer an vorderster Front für den Erhalt der Geburtshilfe in Weilheim gekämpft: „Der Standort bietet alles, was wir für die Grundversorgung brauchen. Die Frauen sind hier über die ganze Schwangerschaft gut versorgt“, brach sie eine Lanze fürs Weilheimer Haus.

Von politischer Seite erfährt die GmbH für die neue Struktur trotz ihres Millionen-Defizits starke Rückendeckung. „Ein Krankenhaus ohne Geburtshilfe ist eines ohne Zukunft“, stellte sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß hinter die Initiative. Weilheims dritte Bürgermeisterin Angelika Flock sprach von einem „Bauchaufschwung“, der notwendig sei, damit die Frauen weiterhin im Landkreis ihre Kinder gebären können. Landrätin wie Bürgermeisterin dankten Dr. Rutke und seinen beiden Kolleginnen dafür, dass sie in Weilheim trotz hohem Arbeitspensum die Stellung gehalten haben. „Sonst wäre das System schon zusammengebrochen“, so die Landrätin.

Der neue Chefarzt soll so bald wie möglich unter Vertrag genommen werden. Lippmann hofft, bereits Anfang 2015 mit der Arztakquise starten zu können. Die ambulante Versorgung der Patientinnen, stellte der Geschäftsführer bei dem Gespräch in Weilheim klar, wird weiterhin ausschließlich von den niedergelassenen Ärzten erbracht.

Von Maria Hofstetter

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