Gute Geschäftslage in der Metall- und Elektroindustrie – Mangel an Informatikern ist groß

"Wir sind vorsichtig zufrieden"

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Bei der Präsentation der Umfrage zur Lage der Metall- und Elektroindustrie bei der Firma ISOG in Weilheim waren zugegen v.li: Jürgen Müller, Geschäftsführer von PARItec ; Reinhard Kindler, Geschäftsführer von Kelvion Refrigeration; Martin Sackmann, ISOG Technology und Dieter Faust, Geschäftsführer AOA Apparatebau.

Weilheim – Für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Oberland läuft es aktuell gut. Das ergibt eine Umfrage bei den Mitgliedern der bayerischen M+E Arbeitgeberverbände bayme vbm. Sie profitieren von niedrigen Rohstoffpreisen und einem niedrigen Euro-Dollar-Wechselkurs. Doch auch sie beschäftigen die Faktoren Fachkräftemangel und Unsicherheiten bei den Auslandsgeschäften durch politische Ereignisse wie den Brexit oder die aktuellen Entwicklungen in der Türkei.

Mehr als die Hälfte der Befragten im Oberland bewerteten sowohl das Inlands- als auch das Auslandsgeschäft in der ersten Jahreshälfte als gut, erklärt Dieter Faust, Vorsitzender der baymevbm Region Oberland und Geschäftsführer der AOA Apparatebau Gauting. Etwa vier Prozent sehen ihre Geschäftslage im Inland als nicht zufriedenstellend an und knapp neun Prozent beim Export. Verhaltener sind die Einschätzungen, wenn es um die Erwartungen geht. 76 Prozent schätzen, dass es beim Inlandsgeschäft keine Veränderungen geben wird. Auch beim Export nehmen dies 63 Prozent der Metall- und Elektrounternehmer im Oberland an. Sieben Prozent befürchten einen Rückgang im In- und Auslandsgeschäft.

Abgesehen von den Herstellern elektrischer Ausrüstungen ist die Bilanz für ganz Bayern positiv. So legen der IT-Sektor oder die Automobil- und Zulieferindustrien zu. Faust verweist auf das eigene Unternehmen, das ein Zulieferer für die Luftfahrtindustrie ist. „Wir sind vorsichtig zufrieden was die Entwicklung angeht. Der gute Dollarkurs ist schön und die Unternehmen können sich freuen, aber es ist ein ‚süßes Gift‘“, betont Faust, „man darf sich nicht davon blenden lassen.“

Als interessant bezeichnet er die positive Entwicklung in der Automobilindustrie. „Wir hatten erwartet, dass der VW-Dieselskandal Auswirkungen zeigt, das war nicht der Fall“, erläutert Faust. Da die Kurve aber nicht immer nach oben zeigen kann, sind die Erwartungen in der Automobil- und Zulieferindustrie eher verhalten.

Der bayme vbm-Umfrage zufolge sehen die Pläne der Unternehmen im Oberland für das zweite Halbjahr folgendes vor: die Produktion im Inland soll um 48 und im Ausland um 58 Prozent gesteigert werden; die bestehenden Investitionen im Inland bleiben mit knapp 71 Prozent unverändert, im Ausland fallen sie um knapp 50 Prozent höher aus; für die Beschäftigung sehen die Pläne im Inland eine Erhöhung der Arbeitsplätze um 56 Prozent vor, im Ausland um 42 Prozent. Die Investitionen betreffen zu 58 Prozent Ersatzbeschaffungen und Erweiterungsmaßnahmen. 23 Prozent kommen den Innovationen zugute.

Bis Ende des Jahres, so die Prognose, sind im Oberland 16 000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt. Damit wird erstmals wieder das Beschäftigungsniveau von vor 14 Jahren erreicht. Faust betonte, dass aber auch in dieser Branche der Fachkräftemangel spürbar sei. Knapp 40 Prozent der Unternehmen sehen noch keine Beeinträchtigung durch diese Entwicklung. Über die Hälfte also hat bereits Probleme.

Gesucht werden Akademiker – Ingenieure und Informatiker – und IT-Fachkräfte. Gerade im IT-Bereich gibt es inzwischen große Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Der Umfrage zufolge bleiben 39 Prozent der Informatikerstellen vakant. Zu den Ursachen für den Mangel gehören die zunehmende Digitalisierung und der dadurch erhöhte Bedarf an IT-Spezialisten.

Auch Unternehmen aus der Region wie AOA Apparatebau oder PARItec kennen die Sorgen um die Fachkräfte im IT-Bereich. Faust verweist darauf, dass den mittelständischen Unternehmen der Region die Fachkräfte durch Weltfirmen in München abgeworben werden. Jürgen Müller, Geschäftsführer von PARItec, setzt unter anderem auf die Aus-und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter. Eine zunehmend größere Rolle spielt die IT auch bei ISOG Technology. „Wir brauchen Softwareentwickler und da tun wir uns schwer“, legt Geschäftsführer Martin Sackmann die Lage dar. Auf der Suche nach Arbeitskräften und Spezialisten ist auch Reinhard Kindler, Geschäftsführer von Kelvion Refrigeration: „Aktuell haben wir Probleme, Beschäftigte für unsere Produktion zu bekommen“, so Kindler; die Suche nach einem Servicetechniker sei eine echte Herausforderung.

Zur Geschäftslage und den Plänen für den Ausbau von ISOG erklärt Sackmann, dass es mit dem Unternehmen seit dem Katastrophenjahr 2012/13 wieder aufwärts gehe und es seit 2014 schwarze Zahlen schreibe. Dieses Jahr gebe es Schwierigkeiten mit dem Inlandsmarkt – er macht einen Anteil von 50 Prozent aus. Im Ausland sei China mit 30 Prozent ein sehr wichtiger Markt geworden und Italien sei mit 15 Prozent ebenfalls von großer Bedeutung. „Wir müssen in neue Branchen und Märkte rein“, so Sackmann. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Expansion in die USA im Oktober. Ob die bereits geschaffenen Erweiterungen in die Türkei und ins Vereinigte Königreich erfolgreich sind, bleibt abzuwarten: „Wir haben eine Niederlassung in der Türkei eröffnet und zwei Wochen später ist der Putsch. Wir finden einen Geschäftspartner in UK und dann kommt der Brexit“, kommentiert Sackmann die Situation. Insgesamt sieht er die Entwicklungen für das kommende halbe Jahr für ISOG eher verhalten.

Für Kelvion Refrigeration sieht Kindler einen sehr positiven Inlandstrend. Im Auslandsgeschäft laufe es mit Österreich und der Schweiz gut, Osteuropa bleibe aber hinter den Erwartungen. Insgesamt ergebe das positive Zahlen und Entwicklungen, „aber es ist noch Luft nach oben“. Für AOA Apparatebau laufe es aktuell zwar gut, doch „die Situation in der Luftfahrtindustrie ist unklar“, beschreibt Faust die Lage. „Wir haben unser Geschäftsjahr gerade abgeschlossen und sind zufrieden“, urteilt Müller für PARItec. Der größte Markt sei derzeit die USA und in der Zusammenarbeit mit den Pharmaunternehmen gebe es gute Entwicklungen.

Von Melanie Wießmeyer

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