Lebenshilfe-Verein plant in Polling zwei neue Projekte für Menschen mit Behinderung

So normal wie möglich leben

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Nach der Arbeit in den Oberland Werkstätten trifft sich die Hausgemeinschaft zur gemütlichen Kaffeerunde mit Betreuerin Margit Kloske (hinten mi.). Links neben ihr sitzt Helmut Guggenmos und links vorne Thomas Gania.

Polling – Die heimelig eingerichtete Essecke in Wohnhaus D füllt sich mit Leben. Es ist kurz nach 16 Uhr. Zeit für eine Tee- und Kaffeepause. Sieben Frauen und Männer, die gegenüber in den Oberland Werkstätten arbeiten, platzieren sich munter plaudernd um die beiden Holztische. Betreuerin Margit Kloske gesellt sich zu ihnen.

Ein Alltag, wie ihn – in anderer Zusammensetzung – viele Familien kennen. Das Besondere an dieser Situation ist, dass die Menschen, die hier in einem Wohnhaus der Lebenshilfe Kreisvereinigung Weilheim-Schongau e.V. gemeinsam ihren Feierabend verbringen, eine geistige Behinderung haben.

Der 1969 von einigen betroffenen Eltern gegründete Verein bietet am Ortsrand von Polling im Gewerbegebiet Obermühle, verteilt auf vier Häuser, 46 Wohnplätze für Menschen mit einer Behinderung an. Alle Bewohner sind freiwillig hier. Sie sollen ihr Leben so normal und selbständig wie möglich gestalten und begleitend fachliche Hilfe und Förderung erhalten. Jeder Einzelne trägt zur Gemeinschaft bei, so viel er kann. Kostenträger ist der Bezirk Oberbayern.

„Wir müssen unser Wohnangebot erweitern“, stimmen der Vereinsvorsitzende der Lebenshilfe, Helmut Guggenmos, und Thomas Gania, geschäftsführender Leiter der Wohnstätten, überein. Bei einem Pressegespräch, in dem sie ihre Pläne konkretisierten, gingen sie auf die große Nachfrage nach Wohnraum und die individuellen Anforderungen und Bedürfnisse der Bewohner ein.

„In den Oberland Werkstätten in Polling“, stellte Guggenmos fest, „arbeiten immer mehr Menschen mit einer psychischen Erkrankung.“ Über 50 der insgesamt 160 Mitarbeiter dieser Werkstätten, die für Menschen mit einer Behinderung ein verlässlicher Arbeitgeber sind, leben in Einrichtungen, weitere 46 in den Wohnhäusern der Lebenshilfe und der Rest in ihren Familien, berichtet Guggenmos.

Betreutes Wohnen in Familien

Im Sommer soll das Projekt „Betreutes Wohnen in Familien“ starten, das nach folgendem Prinzip funktioniert: Die Lebenshilfe vermittelt ein bis zwei erwachsene Menschen mit Behinderung in eine Gastfamilie, achtet darauf, dass beide Teile miteinander harmonieren und stellt die fachliche Begleitung sicher. Nach dem Probewohnen entscheidet jeder Gast selbst, ob er das Angebot annehmen möchte.

Diese alternative Wohnform, erklärte Guggenmos, integriert den Gast in den Alltag der Familie und trägt dem Inklusionsgedanken Rechnung, weil er am gesellschaftlichen Leben in der Gemeinde teilhaben kann.

Räumlich stellt die Familie in ihrem Haus ein Zimmer oder eine kleine Wohnung zur Verfügung und betreut den oder die Menschen mit einer Behinderung. Auch Einzelpersonen und Paare können Gastgeber sein, ergänzte Gania. Der Bezirk unterstützt die Familien mit monatlich 500 Euro pro Gast.

„Eine Familie in Peißenberg hat bereits zwei Plätze angeboten“, freute sich Guggenmos. Die Lebenshilfe sucht jetzt für sie zwei junge Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Appartementwohnen und Wohnplätze für Senioren

Beim zweiten Projekt der Lebenshilfe handelt es sich um ein Appartementwohnhaus für neun Personen im Gewerbegebiet Obermühle in Polling, in dem auch Senioren wohnen können. „An das Wohnhaus soll eine Tagesbetreuung für zehn Senioren angegliedert werden“, beschrieb Guggenmos die Pläne. Das 2000 m² große Grundstück, das im Norden an die bestehenden Wohnhäuser angrenzt, hat die Lebenshilfe bereits erworben.

Um das Bauvorhaben zügiger realisieren zu können, soll es privat finanziert werden. Angehörige der späteren Bewohner, Personen aus dem Umfeld der Lebenshilfe und weitere Spendenwillige sind als Spon- soren willkommen. Mit einer Geldanlage bei der Lebenshilfe werde „ein dringend benötigtes Wohnprojekt unterstützt“ und gleichzeitig für die Einlage eine Rendite erwirtschaftet, wirbt Guggenmos für das Vorhaben. In Polling soll damit ein „lebenslanges Wohnen bei der Lebenshilfe“ermöglicht werden.

Auskunft zu beiden Angeboten geben Guggenmos und Gania unter Tel. 0881/8069.

Von Maria Hofstetter

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