Premiere des Weilheimer Lichtkunstfestival in der Altstadt fasziniert Tausende Besucher

Flüchtige Kunst in Vollendung

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Eine Art psychedelische Wirkung erzielte der Weilheimer Künstler Philipp Geist mit seiner Videoinstallation auf dem Marienplatz.

Weilheim – Ohne Licht kein Leben. Es kann aber auch Ausdrucksform für ein relativ junges Kunstgenre sein und mit Sound untermalt einen Ort auf spektakuläre Weise verzaubern. Die unterschiedlichsten Facetten der Lichtkunst waren am vergangenen Freitag und Samstag in der Weilheimer Altstadt zu erleben.

Nach Einbruch der Dunkelheit setzen der in Weilheim aufgewachsene Künstler Philipp Geist, das spanische Kunst- und Designkollektiv „Slidemedia“, Robert Seidel aus Berlin und der Münchner Markus Julian Mayer den Marienplatz, die Musikschule, die Stadtmauer am Oberen Graben und den Lindnerstadl mit ihren großflächigen Installationen in Szene: Über die historischen Fassaden legt sich ein prächtiger, noch nie dagewesener Farbenzauber. Auf dem Pflaster schweben Buchstaben und Zahlen. Der Marienplatz verwandelt sich in eine begehbare, malerische Lichtskulptur.

Auch vor der Musikschule hat sich eine große Menschenmenge versammelt: Gebannt verfolgen die Festivalbesucher, wie sich die Front des ehemaligen Gefängnisses binnen Sekunden dramatisch verändert. Die Performance mit dem Titel „Zeige deine Wunde“ projiziert beklemmende Bilder, die der spanische Komponist Jorge Ramirez-Escudero mit eindringlichem Sound unterstreicht.

Lichtkunstfestival Weilheim

Bei der Auftaktveranstaltung im Lindnerstadl ließ Ragnhild Thieler, erste Vorsitzende des Lichtkunst-Vereins und Kulturreferentin der Stadt, die Entstehungsgeschichte von der Idee über die Planung und Finanzierung bis hin zur Umsetzung des Festivals Revue passieren: „Es gab viel Arbeit, viel zu organisieren und entscheiden.“ Ohne zahlreiche Sponsoren, Unterstützer und ein „sensationelles Team“ wäre das Projekt nicht zu stemmen gewesen, bedankte sich Thieler bei allen Mitwirkenden. Sie kündigte den geladenen Gästen in dem sonst nicht öffentlich zugänglichen Stadl ein „einzigartiges Kulturfest“ an, das, wie sich an den zwei folgenden Abenden eindrucksvoll zeigte, die Erwartungen sogar noch weit übertroffen hat.

„Lindnerstadl ist ein Juwel“

Bei der Stadt habe der Verein mit seinem Vorhaben offene Türen eingerannt, berichtete Markus Loth. An den Eigentümer des Lindnerstadls appellierte der Bürgermeister, sich für eine grundsätzliche kulturelle Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes – „der Stadl ist ein Juwel“ – offen zu zeigen. „Wir sollten uns zusammensetzen“, lud er Heinrich Lutz zum Gespräch ein. Über den Ideengeber und künstlerischen Leiter des Festivals sagte Loth: „Philipp Geist ist ausgeschwärmt in die Welt und kommt für dieses Festival als internationaler Lichtkünstler zurück nach Weilheim.“ Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß gab sich erwartungsvoll und wünschte den Weilheimern „zwei aufregende Nächte“.

„Klasse statt Masse“

Vor 20 Jahren hatte er im Lindnerstadl erstmals seine großformatigen Bilder ausgestellt, blickte Philipp Geist zurück; mit dem Festival schließe sich für ihn ein Kreis. „Ein toller Moment“, schwärmte der 40-Jährige und dankte „für die Geduld, Hartnäckigkeit und Energie, solch ein Projekt umzusetzen“. Die von ihm angesprochenen Künstler hätten ihre Mitwirkung in Weilheim sofort zugesagt. Seine Vision für die Heimatstadt ist „ein „kleines, feines Festival, das nicht durch Masse, sondern durch Qualität glänzt und alle zwei Jahre wiederholt wird.“

Was ist Lichtkunst?

Ob via Beamer, LED, Laser, Videoprojektor, Schwarzlicht, Taschenlampe, Feuer... Die Lichtkunst, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als eigenständige Kunstform etabliert hat, bietet laut Kunsthistorikerin Jasmin-Bianca Hartmann viele Gestaltungsmöglichkeiten. „Das ist Kunst zum Anfassen und Eintauchen. Licht legt sich als Farbe über Objekte“, erklärte sie in ihren Vorträgen, und: „Ein Lichtkunstwerk ist flüchtiger als ein klassischer Ölschinken.“

Auf dem Kirchplatz, wo einige Gastronomiestände aufgebaut waren, und in den Lokalen rund um die Aufführungsorte ließen die Festivalbesucher den spektakulären Abend ausklingen. Viele hatten die flüchtige Kunst mit der Kamera oder dem Smartphone festgehalten.

Von Maria Hofstetter

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