Mut machen und Halt geben – Multiple Sklerose und Schlaganfall: Ehrenamtlich geleitete Selbsthilfegruppen bieten Lebenshilfe

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MARIA HOFSTETTER; Weilheim – „Nicht behindert zu sein, ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann.“ Dieses Zitat von Richard von Weizsäcker ist einer Broschüre entnommen, die im Foyer des Landratsamtes II an der Stainhartstraße 7 zum Mitnehmen ausliegt. Dort stellen sich bis zum 3. September drei Selbsthilfegruppen vor. „Vor vier Jahren, nach dem Schlaganfall meines Mannes,“ erzählt Anne Binder bei der Ausstellungseröffnung dem Zuhörerkreis, darunter Menschen im Rollstuhl, „hat sich unser Leben gravierend verändert.“ Eine plötzlich einsetzende Funktionsstörung des Gehirns, wie beim Schlaganfall, ist laut Gesundheitsamtsleiter Dr. Karl Breu weltweit die zweithäufigste Todesursache. Umso wichtiger ist es, die Krankheitssymptome frühzeitig zu erkennen und Betroffene wie Angehörige zu unterstützen. Anne Binder profitiert vom Erfahrungsaustausch in der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Weilheim/ Umgebung, die sich am ersten Donnerstag im Monat trifft. Multiple Sklerose (MS), eine chronische Erkrankung des Nervensystems, zwingt Dr. Jutta Weyland in den Rollstuhl. MS hat viele Gesichter und kann sämtliche Funktionen des Körpers beeinträchtigen. „Die Symptome lassen sich lindern und die Häufigkeit der Krankheitsschübe verbessern. Eine Heilung ist aber noch nicht absehbar“, erklärt Weyland. Ansteckend ist MS nicht, wohl aber „ein Lernprozess auf allen Seiten“. Weyrich engagiert sich in der MS-Selbsthilfegruppe Weilheim. 20 Frauen und Männer zwischen 30 und 70 Jahren freuen sich jeden zweiten Mittwoch im Monat auf ihr gemeinsames Abendessen und unternehmen Ausflüge. Eine weitere Anlaufstelle für MS-Kranke gibt es in Peißenberg, Treffen finden meist am ersten Dienstag im Monat statt. Einer ihrer ehrenamtlichen Betreuer ist Klaus Hosse. Für ihn stehen soziale Kontakte und der Austausch im Mittelpunkt. Von der „Lust am Leben mit MS“ zeugen in der Ausstellung einige Fotos. „Wir sind frisch verliebt, meinem Freund ist es völlig egal, dass ich MS habe“, steht auf einem Bild, das ein strahlendes Trachtenpaar zeigt. Andere Fotos weisen auf Barrieren im Alltag hin: So wird eine Treppe für den Rollstuhlfahrer in der Stadt schnell zum unüberwindbaren Hindernis.

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