Mäßiges Interesse an Weilheimer Bürgerversammlung – Hauptthema Bahnhofsumbau

Fußballfans sind daheim geblieben

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„Unzumutbar“ findet Dr. Jutta Weyland (re.) die Toilettensituation am Dietlhofer See. „Behinderte müssen die Damentoilette mitbenutzen, während die Herren so vor sich hinpinkeln können.“ Bürgermeister Markus Loth verwies darauf, dass die beschlossene Lösung durchaus dem Standard entspreche.

Weilheim – Fußball regiert die Welt und wohl auch in Weilheim. Das sensationelle Champions League-Halbfinal- Hinspiel des FC Bayern gegen die gefürchteten Katalanen in München lockte am Dienstagabend jedenfalls mehr als sich in der Stadthalle über das aktuelle Geschehen in Weilheim zu informieren. Dabei hatte Bürgermeister Markus Loth auf ein Eilzugtempo gesetzt, damit die anwesenden Fußballfans doch noch zu ihrem Recht kamen.

Der Hauptteil der Bürgerversammlung war neben dem Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters und einem Grußwort des Landrats für Helmut Zöpfel von DB Netze reserviert. Der Leiter des Bahnhofsmanagements für Oberbayern nahm, wie schon zuvor in einer Stadtratssitzung, zum aktuellen Planungsstand für den Bahnhofsausbau Stellung. Nach diversen Vorbereitungen – unter anderem müssen Behelfsbahnsteige sowie eine Zugangstreppe errichtet und die Dächer an den Mittelbahnsteigen zurückgebaut werden – will die Bahn Anfang 2015 mit dem Ausbau starten. Bis Ende 2016 soll der Bahnhof modernisiert und barrierefrei ausgestattet sein, erfuhren die knapp 120 Besucher, unter denen sich zahlreiche Stadträte befanden. 

Die Bahnsteige werden neu gebaut und die Gleise 1 und 2/3 auf einer Länge von 280 Metern von 34 auf 76 Zentimeter Schienenoberkante erhöht, Gleis 4/5 auf 55 Zentimeter (Länge 140 Meter), erklärte Zöpfel. Nach seinen Ausführungen erhalten die Bahnsteige längere Dächer als bisher. Die Unterführungen werden tiefer gelegt, drei Aufzüge installiert und Leitstreifen für blinde Reisende angebracht. 

 Um die 10,2 Mio. Euro wird der Bahnhofsumbau in Weilheim kosten, schätzt Zöpfel. Hauptlastträger ist der Bund. Unter den schriftlichen Anfragen, die Karin Groß, Leiterin der städtischen Bauverwaltung, vortrug, war der dringende Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum für Familien. „Ein neues Einheimischenmodell ist in Weilheim nicht geplant“, führte Groß aus und betonte, dass die Stadt keine eigenen Grundstücke besitzt. Für die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen drei neuen Wohnbaugebiete (Am Gögerl, östlich des Prälatenweges II, Hardtfeld II) müssen Umlegungs- und Bebauungsplanverfahren durchgeführt werden. Eine zügige Einigung mit den Grundstückseigentümern vorausgesetzt, kann „frühestens in zwei Jahren, also im Sommer oder Herbst 2015“ gebaut werden. 

 Dr. Jutta Weyland vom Behindertenbeirat des Landkreises monierte, „dass die Gastronomie in Weilheim nicht besonders gut auf Behinderte eingestellt ist“ und brachte weitere Mankos zur Sprache, wie die für Rollstuhlfahrer und Radler gefährliche Zufahrt zum Dietlhofer See. Wie bereits berichtet, soll an der Ostseite der Münchener Straße zunächst ein Fahrradschutzstreifen angebracht werden. „Zu wünschen übrig“ lassen laut Weyland die Pflastersteine in der Innenstadt. „Das Tiefbauamt kennt das Problem, es muss immer wieder nachgesandet werden“, antwortete Groß. 

 Isabel Fischer vom ADFC-Kreisverband regte an, für die Pedelec-Fahrer im Bahnhof provisorisch eine schmale Holzrampe auf die Treppe zu bauen: „Ein Skizze gibt es schon“, bot sie an. Bürgermeister Loth versprach, den Antrag zu prüfen, doch sei Vorsicht geboten, „ob sich dies nicht schädlich auf die Förderung auswirkt“. Die in Bahnhofsnähe wohnende Anita Decker wollte vom Bahnvertreter wissen, ob auf der künftigen Baustelle auch nachts gearbeitet wird. Darauf Zöpfel: „Der Zeitplan ist eng. Manchmal wird uns nichts anderes übrig bleiben.“ 

 Die niedergerissenen Zäune im Bahnhofsumfeld findet Peter Neumayer nicht nur hässlich, sondern vor allem für Kinder gefährlich, weil sie so ungesichert auf die Gleise gelangen könnten. „Wir haben das schon mehrmals schriftlich dokumentiert“, warf der Bürgermeister ein, als sich Zöpfel mit der Situation vor Ort wenig vertraut zeigte. Die Teilnehmer der Bürgerversammlung interessierte auch, ob neuere ICE-Züge nach dem Bahnhofsumbau in Weilheim halten können. „Darüber kann ich Ihnen keine Auskunft geben. Der Bahnhof Weilheim wird so umgebaut, wie er von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft bestellt worden ist“, gab Zöpfel zur Antwort. 

 Über die am Stellwerk auf dem Grundstück der Bahn kostenlos geparkten Autos ärgert sich Stadtrat Karl-Heinz Grehl (Grüne: „Man kommt fast nicht mehr an den Fahrradständer ran“, schimpfte er. Ein Bahnmitarbeiter werde sich die Sache anschauen, sagte Zöpfel zu. 

Bis die Modernisierung des Weilheimer Bahnhofs in die Gänge kam, haben „viele mit anschieben müssen“, spielte Landrat Dr. Friedrich Zeller auf den jahrelangen, zähen Verhandlungsmarathon an. Nun könnten sich die Weilheimer „glücklich schätzen, dass ihr Traum in Erfüllung geht“. Zeller berichtete über Projekte des Landkreises in Weilheim: Für die neue Berufsschule werden gerade drei bis vier Grundstücksoptionen geprüft, 2014/15 wird sich der Landkreis mit der Sanierung des Gymnasium-Zentralbaues einer „großen Herausforderung“ stellen.

Von Maria Hofstetter

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