Ein Mannsbild ergattern

Die Wettkampfbahn ist eine fast 70 Meter lange buckelige Wiese, jeder Läuferin winkt als Preis ein Partner für einen Tag – oder sogar ein ganzes Leben, wie es in Antdorf immer wieder passiert. Mailauf heißt der Brauch, der sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt, der eng mit dem Maibaum-Aufstellen verbunden ist und der heuer die Schaulustigen wieder scharenweise nach Antdorf strömen ließ.

Um an dieser relativ sportlichen Methode der Partnerwahl teilnehmen zu dürfen, müssen einige Bedingungen erfüllt werden. Mitmachen dürfen nur ledige Antdorfer, die mindestens 18 Jahre alt sind. Die Burschen müssen zudem mitgeholfen haben, den Maibaum am Kirchplatz aufzustellen. Eine Gruppe von sieben jungen Männern treibt die Mädchen zusammen. Ein Harmonikaspieler lässt dabei fröhliche Lieder ertönen, Bier und Brezen werden mitgebracht, und zwei Goaßlschnalzer machen lautstark auf den Zug der Werber aufmerksam. Denn diese werden an den Höfen schon erwartet und mit Schnaps oder einer Brotzeit empfangen. Die Mädchen werden derweil zu einem Sammelpunkt geleitet. Da heuer 35 Kandidatinnen, die mindestens ein Jahr in Antdorf wohnen mussten, sich zum Mitmachen bereit erklärt hatten, galt es für die „Treiber“ bereits am frühen Vormittag mit ihrem Werk zu beginnen. Natürlich wurden sie bis zum angekündigten Start um 13.30 Uhr nicht fertig. Damit hatten auch die wenigsten Zuschauer gerechnet. Erst mit der Zeit füllten sich die Ränge rund um die Wiese vor dem Gasthaus „Petermichl“. Bei Kaffee und Kuchen vertrieb man sich die Zeit damit, Erinnerungen aufzufrischen. Viermal sei sie selbst mitgelaufen, verrät eine Einheimische. Einmal habe sie den Emmeram ergattert, ein Baum von einem Mannsbild. Wie üblich hielt sie ihren Fang am Nachmittag frei und fragte, was er denn gerne essen würde. „20 Weißwürste“, war dessen Antwort. Alle glaubten an einen Scherz, „aber er hat alle verputzt, und ich war pleite“. Ob sie denn mit einem der Burschen länger als den einen Tag zusammengeblieben sei, wird gefragt. Sie erwidert mit einem Blick auf den Ehegespons: „Da sitzt er…“ Endlich wird es laut auf der Straße, mit Juchzern marschieren die Objekte der Begierde ein, werfen ihre Hüte in die Luft und nehmen auf einer langen Bank am Ende der Wiese Platz. Es dauert aber noch eine ganze Weile, bis die Goaßlschnalzer die Ankunft der Treiber ankündigen. Bedenklich schwankend oder mit gewagten Sprüngen erreichen auch sie die Bank. Von hinten sehen alle gleich aus: Lederhosen, weiße Hemden, gestickte Träger und am Hut nur eine rote Geranie. Plötzlich ist alles still, und spürbare Nervosität macht sich bei den Jungs breit. „Erwischt mich eine, am besten die richtige, oder bin ich am Ende einer der drei Überzähligen, die sich mit Besen und Laterne zufrieden geben müssen?“, geht so manchem durch den Kopf. Am anderen Ende der Wiese haben die Mädchen Aufstellung genommen, die Schuhe ausgezogen und die Röcke geschürzt. Der Lauf ist kurz, die Ankunft stürmisch, von hinten umgerissen stürzen Paare auf die Wiese, lachen und halten sich fest. Das wars! Paarweise rücken die Hauptdarsteller ab in Richtung Schützenheim zum Tanz, voran die Blaskapelle und mit dabei etliche der Zuschauer.

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