Peißenberger Archiv eröffnet am 21. September

Zwischen Kisten und Schätzen

+
Fein säuberlich und gut durchdacht räumen Max Biller und Christine Marksteiner die Regale im neuen Archiv ein. Was schon an der richtigen Stelle steht, kann sich sehen lassen.

Peißenberg – „Zum dritten Mal ziehe ich mit dem Archiv um“, sagt Max Biller und lässt seinen Blick in den neuen Räumen schweifen. Dort sitzt er derzeit jeden zweiten Tag an seinem alten Schreibtisch und überlegt, wie er die Schätze des Marktarchivs am besten in Szene setzen kann.

Einiges ist noch zu tun bis zur Eröffnung am 21. September. „Was ist denn mit dem Tisch für die Leseecke?“, fragt Biller Christine Marksteiner, die das Archiv der Gemeinde verwaltet und Billers größte Hilfe ist. „Wir dürfen einen kaufen“, ruft sie zurück durch den Raum, während sie weiter sortiert. In Billers Gesicht macht sich ein Lächeln breit. 

Begonnen hat der ehemalige Lehrer mit der Arbeit im Peißenberger Archiv in den 70er-Jahren. Anfangs in einem kleinen Kammerl im Rathaus mit einem Holzschrank und einem aus Metall. „Ich musste das Archiv erst aus dem Dornröschenschlaf wecken“, erinnert sich der ehemalige Kreisarchivpfleger. Einige Zeit später wurde das Zimmer zu klein, das Archiv durfte in einen größeren Raum ziehen. Doch auch der reichte bald nicht mehr, denn Biller sammelte in mühevoller Kleinstarbeit immer mehr zusammen, was für Peißenbergs Geschichte von Bedeutung ist. Schließlich bekam er einen Teil der ehemaligen Hausmeisterwohnung für das Archiv. Mit einem „halbscharigen Wagerl“ zog er Kiste für Kiste um. Teilweise bis 1 Uhr nachts, weil die Gemeinde die alten Räume schnell brauchte. „Und das, obwohl am nächsten Tag Schule war.“

Jetzt also der nächste Umzug. Seit Januar wird in dem roten Haus neben der Bücherei gewerkelt. Ein Foyer und vier Räume umfasst das Archiv nun. Zwar ist noch längst nicht alles fertig, dennoch zeichnet sich ab, dass all die Bücher, Urkunden, Zeitungsausschnitte und die vielen anderen Stücke der Sammlung nun einen würdigen Platz gefunden haben.

Darunter natürlich auch der Bademantel von Kaiserin Sisi, den Biller im letzten Jahr ersteigerte und der umrahmt von zwei Buchsbäumchen in seiner beleuchteten Vitrine im Eingangsbereich nun richtig zur Geltung kommt. 

Auch weitere Kostbarkeiten sind dank Biller in den letzten Jahren im Archiv dazugekommen. Der „Goldene Münchner Psalter“ beispielsweise, oder das Faksimile einer mittelalterlichen Handschrift, welches ein Hochzeitsgeschenk an Kaiserin Sisi war und auch der „Tassilo-Kelch“, eine Nachbildung des Hochzeitskelchens von Herzog Tassilo, den Biller von der Gemeinde Hohenpeißenberg bekam und der jetzt als Leihgabe im Archiv steht. 

Immer mehr einzigartige Stücke finden ihren Platz in den Regalen – langsam kommt also Ordnung in das Kisten-Chaos. Ohne Christine Marksteiner würde der ganze Umzug nicht funktionieren. „Sie hat die Intuition“, lobt Biller ihr Gespür dafür, die Dinge aus den Kisten gut durchdacht und gut sichtbar zu platzieren. Denn selbst kann er nicht mehr so anpacken, wie er gerne möchte. Das Kreuz macht dem 80-Jährigen Probleme.

„Man darf die Mühe nicht scheuen“, sagt der Pollinger und sieht an die kahlen Wände im Treppenhaus. Bald werden dort große Bilder hängen. „Es steckt eine Unmenge an Arbeit drin.“ 

Künftig soll das Archiv immer mittwochs zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet sein. Dann können Interessierte die Archivarien bestaunen, in der Leseecke in Fachzeitschriften schmökern, oder sich Hintergrundinformationen holen, die Biller gerne erzählt. 

„Peißenberg ist eine liebenswerte Gemeinde“, findet Biller. „Ich bin froh, dass es mich damals als Lehrer hierher verschlagen hat.“

Feierlich eröffnet wird das Marktarchiv in Peißenberg am Samstag, 21. September, um 11 Uhr. Nach der Weihung wird Max Biller eine Führung durch das Archiv anbieten. Für die musikalische Umrahmung sorgt Anderl Lengger.

Von Ursula Gnadl

Meistgelesene Artikel

Starker Start ins neue Jahr

Weilheim – Immer öfter kämpfen kleinere Geburtshilfeabteilungen ums Überleben – in der Weilheimer Frauenklinik scheint das nicht der Fall zu sein.
Starker Start ins neue Jahr

Es war einmal...

Region – Geschichten dienen als kulturelles Gedächtnis der Gesellschaft und sie regen die Fantasie an. Eine Form des Geschichtenerzählens ist das …
Es war einmal...

Pilotprojekt in Weilheim

Weilheim – Bei den Weilheimer Stadtwerken wird tief gebohrt. Der Grund: Das Unternehmen Gravity Power (GP) bereitet die Umsetzung des Pilotprojekts …
Pilotprojekt in Weilheim

Kommentare