39 Asylbewerber ziehen demnächst in ihr neues "Zuhause" am Paradeis ein

Am Sonntag sind alle Container da

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Am Mittwoch waren noch nicht alle Container da. Vertreter des Landratsamts und die Firma „HKL Baumaschinen“ waren vor Ort, um sich über die momentane Lage zu informieren.

Weilheim – Morgen stehen alle Container für die Asylbewerber, die momentan noch in der Turnhalle der Berufsschule wohnen (wir berichteten), auf dem freien Parkplatz von der Firma „Zarges“. Laut Helmut Estermann von der Ausländerbehörde bekommt er den Schlüssel am 24. Oktober überreicht und dann werden 39 Personen in ihre neue Behausung ziehen.

„Der Landkreis hat diese Fläche angemietet bis Ende 2014. Wir benötigen sie momentan nicht und haben sie zur Verfügung gestellt“, sagte Michael Bauermeister, Marketingleiter von „Zarges“. Insgesamt stehen 22 Container, darin haben 44 Personen Platz. Ein Container ist 2,5 mal sechs Meter groß und in einem Abteil werden zwei Personen wohnen. „Wir halten uns da an die Richtlinien der Regierung von Oberbayern“, erklärte Estermann auf Nachfrage des Kreisboten. Für die Bewohner gibt es auch Platz zum Kochen, vier Herdplatten für acht Asylbewerber, Sanitäranlagen und einen Aufenthaltsbereich. „In diese Container werden ausschließlich Männer ziehen“, sagte Estermann. Ausgestattet sind die Räume mit Betten, Tischen, Stühlen und Schränken. Jeder bekommt sein eigenes Besteck und Geschirr. Um sich zu ernähren und für persönliche Bedürfnisse erhält jeder einen Betrag von 153 Euro im Monat, der bei der Ausländerbehörde ausgezahlt wird. So ähnlich wie bei der Sozialhilfe soll das ablaufen. Es gibt noch weitere Zahlungen, die Höhe hängt aber zum Beispiel von der Größe der Familie und vom Alter der Kinder ab. Ob die 39 Asylbewerber gleich am 24. Oktober in die Container einziehen werden, das kann Estermann noch nicht sagen.

Mehr Platz gesucht 

Landkreis bekommt bis Ende Dezember noch 180 Asylbewerber

400 000 Euro: So viel hat der Landkreis für die Container, die auf dem „Zarges“ Parkplatz stehen, gezahlt. 64 Asylbewerber leben in Weilheim, 170 sind im gesamten Landkreis untergebracht. Bis Dezember sollen noch 180 dazukommen. Wo sollen all diese Menschen hin? Das „Containerdorf“ könnte mit einem dritten Bauabschnitt erweitert werden, dann hätten insgesamt 52 Personen eine Behausung, erklärte Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamts. In der Kreisstadt werden im November noch 20 Asylbewerber in Wohnungen und einem Haus untergebracht, berichtete Helmut Estermann von der Ausländerbehörde. Das Landratsamt hofft auf Hilfe von der Stadt, auch dann, wenn Ende 2014 das „Containerdorf“ wegziehen muss. „Es kommen auch Angebote von Privatpersonen, aber die reichen nicht aus. Es ist aber erschreckend, was zum Teil angeboten wird. Außerdem müssen wir diese erst einmal prüfen. Ist die Wohnung oder das Haus baurechtlich in Ordnung, ist sie menschenwürdig, muss etwas renoviert werden? Da kann es schon fünf Wochen dauern, bis jemand einziehen kann“, erklärte Rehbehn. Seit sechs Wochen leben 39 Männer in der Turnhalle der Weil-heimer Berufsschule. Wie sieht es denn generell mit der sozialen Betreuung der Asylbewerber aus? Auf 100 Flüchtlinge folgt ein Sozialpädagoge. Die Diakonie hätte einen gestellt, jedoch gibt es heuer kein Geld dafür im Topf, erklärte Rehbehn. Es gibt aber einen „Mann für alle Fälle“. Der heißt Gerhard Wimmer und betreut die Asylbewerber vor Ort. Er ist gleichzeitig Hausmeister und versucht zu helfen, wo es geht. „Die Stimmung bei den Herren in Weilheim steigt jetzt. Sie fragten mich immer wieder, wann sie denn aus der Halle herauskommen. Wenn man es nicht weiß, ist es sehr schwer ihnen zu antworten“, sagte Wimmer. Ist auch irgendwie verständlich. Die Männer sind im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Senegal oder Mali – da gibt es kaum beziehungsweise keine Privatsphäre. „Sie kommen alle gut zurecht. Am Anfang gab es kleine Schwierigkeiten. Die Jüngeren spielten oft Basketball und die älteren Herren wollten ihre Ruhe. Da mussten wir ein bisschen nachhelfen“, so Wimmer. Er sieht sich als Bindeglied zwischen den Behörden und den einzelnen Stationen. Er begleitet die Asylbewerber aus dem Landkreis zu Terminen, geht mit ihnen zum Arzt, hilft beim Ausfüllen von Anträgen. „Ich bin viel unterwegs, aber das stört mich nicht“, erklärte er. Wimmer arbeitete 15 Jahre als selbstständiger Monteur und legt auch selbst mal Hand an, wenn es schnell gehen muss. „In der Sporthalle ist ein großes Fenster. Und in der Pause haben die Schüler dann ,Asylbewerber schauen’ gespielt. Da habe ich einfach eine große Plane genommen und das Fenster abgedeckt“. Mit der Sprache hat er gar kein Problem. Englisch spricht er fließend, denn seine Frau ist aus Amerika. Außerdem ist Reisen sein Hobby und er hat schon viele Plätze auf der Erde gesehen. Fremde Kulturen interessieren ihn. Viele Schicksale bekommt er mit. „Das macht einem dann klar, wie gut es uns hier geht.“ 

Von Alma Jazbec

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