Metall- und Elektroindustrie

Gute Lage trübt sich ein

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Christian Tipecska, Regionalvorsitzender Dieter Faust und Dietmar Ahl (v.li.) stellten in Weilheim die jüngsten Umfrageergebnisse vor.

Weilheim – Wie sieht sich die Metall- und Elektroindustrie im Oberland wirtschaftlich aufgestellt? „Die konjunkturelle Lage ist deutlich besser als zu Jahresbeginn“, fasste Dieter Faust die Ergebnisse der jüngsten Mitgliederbefragung zusammen. Bis zum Dezember prognostiziert der Regionalvorsitzende der bayerischen Arbeitgeberverbände bayme/vbm Oberland jedoch eine Eintrübung.

Wegen der unsicheren konjunkturellen Entwicklung warnt Faust die Politik davor, Werk- und Dienstverträge strenger zu regulieren. „Flexibilität ist das A und O für die Unternehmen“, strich er bei einem Pressegespräch in Weilheim heraus. In der gesamten Region Oberland wurden 109 Unternehmen befragt, die 14 100 Mitarbeiter beschäftigen und 721 Lehrlinge ausbilden. Im Landkreis Weilheim-Schongau haben die Verbände 25 Mitgliedsbetriebe mit 4 000 Beschäftigten, im Landkreis Starnberg 30 Betriebe und 2750 Beschäftigte. Der Rest verteilt sich auf die Landkreise Landsberg, Bad Tölz Wolfratshausen und Fürstenfeldbruck. 

„Wir bewegen uns immer noch auf ordentlichem Niveau – back to normal“, stellte Dietmar Ahl, Geschäftsführer der Günter Bechtold GmbH, fest. 80 Mitarbeiter und sieben Lehrlinge beschäftigt der Weil­heimer Betrieb, in dem industriell Blech bearbeitet wird. „Unsere Firma liefert weltweit“, berichtete Ahl. Da auf den produzierten Teilen „nirgends unser Name drauf steht“, sei das breite Einsatzspektrum ihrer Produkte kaum bekannt. Wer weiß schon, dass die Weilheimer Firma auch für die Fassaden- und Beleuchtungsausstattung der Swarovski-Verkaufsläden fertigt? 

Ahl beobachtet, dass der Markt aufgrund von Unsicherheiten, wie der Russlandkrise und der nachlassenden Dynamik in Schwellenländern, zunehmend hektischer geworden ist. „Wir müssen jetzt kurzfristiger agieren“, erklärte er. Die Summe der Aufträge sei zwar gestiegen, der Wert pro Auftrag gehe bei sinkender Stückproduktion aber deutlich zurück. Im Wettbewerb mit dem Ausland sieht Ahl sein Unternehmen gut aufgestellt: „Wir holen Aufträge wieder zurück aus Ungarn, Tschechien, Polen und China. Die Chinesen fragen bei uns an, wenn es um kleine Stückzahlen geht.“ 

Christian Tipecska, Vorstandsmitglied der bayme-Region und Geschäftsführer der Tipecska Maschinenbau GmbH, bestätigte Ahls Ausführungen. Der 56 Mitarbeiter-Betrieb in Obersöchering, der unter anderem Montagestraßen und Sondermaschinen fertigt, konnte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern. „Der Kunde ist vorsichtiger geworden, lässt sich mit der Bestellung länger Zeit und ordert nicht mehr so hohe Stückzahlen“, schilderte er die Praxis. Bei der Arbeit in dem Obersöcheringer Betrieb sei der Individualist gefragt. Tipecska weiter: „Wir haben im Haus zwei Optimierungsrunden gestartet, um noch professioneller und mehr fertigen zu können.“ 

bayme/vbm-Regionalvorsitzender Faust ist zugleich Geschäftsführer eines 475 Mitarbeiter-Unternehmens, das für die Luftfahrtindustrie Wasser- und Abwassersysteme liefert: Der AOA apparatebau gauting GmbH steht ein Umzug nach Gilching ins Haus. Die Auftragsbücher für die nächsten fünf Jahre sind gut gefüllt; 25 Mitarbeiter wurden heuer neu eingestellt. „Positiv aber nicht euphorisch“ bewertet das Faust: „Die Preise können wir trotzdem nicht nach oben schrauben, Konkurrenz- und Kostendruck sind hoch.“ Mehr zum Thema im Kreisboten Weilheim-Schongau vom 10. September.

Von Maria Hofstetter

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