Metall- und Elektroindustrie: Mit mäßigen Erwartungen ins zweite Halbjahr – 700 neue Arbeitsplätze

Aufträge immer kurzfristiger

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Jeder zweite Mitgliedsbetrieb im Oberland nahm an der M+E-Umfrage teil, die Vorsitzender Dieter Faust (AOA apparatebau gauting, Gilching, re.) vorstellte. Über die Lage in ihren Betrieben berichteten v.li.: Jürgen Müller (PARItec Starnberg), Reinhard Kindler (GEA Küba Baierbrunn), Dietmar Ahl (Günter Bechtold Weilheim), Sabine Höfer (Weber Schraubautomaten Wolfratshausen) und Christian Tipecska (Tipecska Maschinenbau Obersöchering).  

Weilheim – Die aktuelle Geschäftslage ist gut. Doch die Erwartungen für das zweite Halbjahr sind aufgrund wirtschaftlicher Risiken, wie Ukrainekrise und Konjunktur- einbruch in China, getrübt: Diese Einschätzungen gaben Vertreter der Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände (M+E) aus der Region bei einem Treffen auf dem Weilheimer Gögerl. Sie bezogen sich dabei auf die jüngste Umfrage der Verbände bei ihren 112 Mitgliedsbetrieben im Oberland, die zusammen 15 400 Arbeitnehmer beschäftigen.

Dieter Faust, M+E-Vorsitzender für das Oberland und Geschäftsführer der AOA apparatebau gauting in Gilching (500 Mitarbeiter, davon 270 in Gilching), führte aus, dass sich bei der Bewertung des Inlandsmarktes „optimistische und pessimistische Stimmen fast die Waage halten“, während beim Exportgeschäft die negativen Einschätzungen überwiegen.

Jeder zweite Betrieb stellt Mitarbeiter ein

Ein positiver Trend zeichnet sich laut Faust in der Beschäftigungssituation ab: So will jeder zweite Betrieb bis Ende 2015 neue Arbeitsplätze schaffen, während knapp zehn Prozent der Unternehmen befürchten, Stellen abbauen zu müssen. Für das Oberland wird laut Faust ein Zuwachs von 700 neuen Stellen prognostiziert (Oberbayern: +6 500).

Kritisch beurteilt Faust die Verlagerung der Wertschöpfung ins Ausland: „Die schleichende Abwanderung gefährdet den Industriestandort Bayern.“ Während 26 Prozent der Betriebe ihre Produktion ausweiten wollen, rechnen 21 Prozent mit einem Rückgang. Investiert wird hauptsächlich in Ersatzbeschaffungen. An ihren Auslandsstandorten sind die Unternehmen deutlich investitionsfreudiger, stellte Faust fest. 42 Prozent der Betriebe rechnen für 2015 mit einer Nettoumsatzrendite von vier Prozent und mehr. 15 Prozent bewerten ihre Lage allerdings als kritisch.

Für AOA Apparatebau – die Firma beliefert die Luftfahrt- industrie – sind Produktionserweiterungen zur Zeit eine große Herausforderung, berichtete Geschäftsführer Faust. Stellenzuwächse sind bei AOA für 2015 nicht geplant.

Die „Rente mit 63“ kritisierte Christian J. Tipescska als Angriff auf die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und stellte fest: „Der Facharbeitermangel ist eklatant spürbar.“ Der Geschäftsführer der gleichnamigen Maschinenbau GmbH in Obersöchering berichtete von flexiblen Arbeitszeitmodellen, die von der 60-köpfigen, „hoch motivierten Belegschaft“ gut angenommen werden. Der „sehr gut ausgelastete Betrieb“ erzielt 40 Prozent seines Umsatzes mit Exporten nach Frankreich und Belgien. Ab September hat die Firma zehn Auszubildende.

Als industrieller Blechbearbeiter ist die Günter Bechtold GmbH in Weilheim breit aufgestellt. „Wir hätten es zwar gern ein bisschen besser, aber wir sind zufrieden. Die Negativ- denke ist weg“, skizzierte Geschäftsführer Dietmar Ahl die wirtschaftliche Lage. Bis zu 30 Prozent des Umsatzes werden in dem 80 Mitarbeiter-Betrieb (sieben Azubis) mit rasch abzuwickelnden Aufträgen erzielt. „Sind die Erwartungen gedämpfter, werden die Aufträge kurzfristiger. Das erfordert hohe Flexibilität“, sprach Ahl aus der Praxis. Er verwies darauf, dass die Situation in den Betrieben dieser Branche sehr unterschiedlich ist: „Hier am Tisch sitzen nur die, denen es gut geht.“

Für PARItec-Geschäftsführer Jürgen Müller (500 Mitarbeiter weltweit, 130 in Weilheim, zehn Azubis) lief das Ende Juni abgelaufene Geschäftsjahr „sehr gut“. Er berichtete aber auch von „Schwierigkeiten in Russland und China“, mit denen der Medizintechniklieferant zu kämpfen hat. In den USA sei wenig Geld vorhanden für qualitativ hochwertige Produkte.

Über „Engpässe im Facharbeiterbereich“ klagte Reinhard Kindler, Geschäftsführer bei GEA Küba in Baierbrunn, einem Betrieb für Kälte- und Klimatechnik mit 180 Mitarbeitern: „Gut ausgebildete Schweißer und Fertigungsmechaniker sind kaum zu bekommen“, monierte er.

Sabine Weber, kaufmännische Leiterin von Weber Schraubautomaten, bestätigt dies. Der Betrieb mit 330 Mitarbeitern, davon 270 in Wolfratshausen, investiert deshalb mit über 20 Auszubildenden stark in den eigenen Nachwuchs. Wolfratshausen, so Weber, soll Hauptproduktionsstandort des Unternehmens bleiben.

Maria Hofstetter

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