Klimaforschung auf höchstem Niveau im Meteorologischen Observatorium auf dem Hohen Peißenberg

Das Wetter geht uns alle an

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In der Globalstation auf dem Hohen Peißenberg wurde schon früh erkannt, dass die Veränderungsprozesse in der Atmosphäre langsam verlaufen. Langjährige Beobachtungen vor Ort werden hier mit wissenschaftlicher Expertise ergänzt.

Hohenpeißenberg – Lokaler Starkregen, Hagelschauer, Überflutungen: Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass auch das Oberland den Wetterkapriolen ausgeliefert ist. Um die Ursachen hierfür besser verstehen zu können, wird am Hohen Peißenberg mit Know-how und High Tech geforscht.

Erst kürzlich bot das Observatorium Besuchern Einblick in seine komplexe Arbeit. Sie erfuhren unter anderem, wie sich ein Vulkanausbruch in Island oder die in den USA weit verbreiteten Fracking-Aktivitäten auf unser Klima auswirken. „Die Natur reagiert auf die Klimaerwärmung“, verdeutlichte Diplom-Meteorologe Dr. Werner Thomas in seinem Vortrag am Beispiel der Rotbuche. Ihr Vegetationsbeginn wird seit 1978 von der Station lückenlos aufgezeichnet.

56 Mitarbeiter, darunter zwölf Wissenschaftler, arbeiten teils rund um die Uhr am Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg (MOHp), um die Zusammenhänge aufzuklären, die unser tägliches Wetter und die langfristige Klimaentwicklung prägen. Die Einrichtung ist eine der beiden Stationen, an denen der Deutsche Wetterdienst (DWD) Grundlagenforschung betreibt.

Während im brandenburgischen Lindenberg die physikalischen Mechanismen untersucht werden, hat das MOHp die chemischen Klimaparameter der Atmosphäre zum Forschungsschwerpunkt. Dr. Christian Plass-Dülmer, Leiter der Station, gerät fast ins Schwärmen, wenn er die vielfältigen Messmethoden erklärt, mit denen er und seine Mitarbeiter die Geheimnisse der Lufthülle über uns entschlüsseln. Die Aufzeichnung der täglichen Wetterdaten, wie Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Niederschlag und Sonnenschein, ist ein wichtiger Teil der Arbeit, stellt aber nur noch einen geringen Teil der heute zu bewältigenden Aufgaben dar. Vor allem das Entschlüsseln der durch menschliches Handeln hervorgerufenen Änderungen in der Luftzusammensetzung ist nur mit immensem technischen Aufwand und höchster Präzision zu bewältigen.

„Wir wollen alle Prozesse besser verstehen, um zu wissen, wo die Klimaerwärmung herkommt“, begründet Plass-Düllmer die Arbeit am Hohen Peißenberg. Um diesem Ziel näher zu kommen, wird vor allem die Konzentration von Spurengasen untersucht. Hierzu zählen das als Treibhausgas bekannte Kohlendioxid (CO2), die die lebensnotwendige Ozonschicht schädigenden Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) und der Gehalt an Kohlenwasserstoffen, Schwefeldioxid, Stickoxiden und Aerosolen. Durch die Langzeitmessung lassen sich Veränderungen in der Konzentration dieser Inhaltsstoffe erkennen und ihr Einfluss auf die Klimaveränderung ableiten. So kann anhand der 50-jährigen Messung der Ozonschicht ihre Abnahme über 30 Jahre hinweg beobachtet werden. Seit dem Verbot der Produktion von FCKW Ende der 1990er Jahre erholt sich die Ozonschicht wieder. Bis sie ihre ursprünglichen Werte erreicht hat, wird es dauern: „Was in 30 Jahren abgebaut wurde, wird erst in 90 Jahren kompensiert sein“, so Plass-Dülmer.

Ein weiteres Phänomen ist die Kohlenwasserstoffkonzentration. Zum Teil werden diese Stoffe von der Vegetation in die Atmosphäre emittiert, eine bedeutende Menge entstammt jedoch industrieller Tätigkeit. Durch umweltschonendere Prozesse ist dieser Anteil bis Mitte der 2000er Jahre zurückgegangen. Der dann einsetzende Fracking-Boom in Nordamerika hat diesen Effekt wieder zunichte gemacht, da seither die Konzentration wieder ansteigt, stellte Plass-Dülmer den Zusammenhang zwischen Ursache in einem anderen Erdteil und der Wirkung hierzulande her. Besonders stolz ist er auf die seit über zehn Jahren durchgeführte Messung der chemischen Selbstreinigungskraft der Atmosphäre. „Als weltweit einzige Station sind wir in der Lage, das Hydroxyl-Radikal (OH-Radikal) zu überwachen“, unterstreicht der Leiter die internationale Bedeutung des MOHp. Das OH-Radikal ist gewissermaßen das „Waschmittel der Atmosphäre“, das den Abbau von Schadstoffen in wasserlösliche Substanzen einleitet, die dann über den Regen ausgewaschen werden, wie Schwefeldioxid. Für über 90 Prozent der Selbstreinigungsvorgänge in der Luft sind die OH-Radikale verantwortlich.

Neben Daten aus hochsensiblen Messgeräten zeigen auch Beobachtungen der Umwelt, dass sich unser Klima in den letzten Jahren verändert hat. Die Registrierung des Beginns der Blatt-

entfaltung bei der Rotbuche seit 1978 hat gezeigt, dass sich dieses Datum seither von Mitte Mai auf Ende April vorverlegt hat. Dadurch nimmt die Vegetationsperiode im Schnitt um einen halben Tag pro Jahr zu. Auch die Häufung von Temperaturrekorden ist ein deutliches Indiz dafür. 2015 war das wärmste Jahr in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen.

Da die Luftmassen über uns nicht an Landesgrenzen haltmachen, ist das MOHp über nationale und internationale Kooperationen vernetzt, so dass die weltweit gewonnenen Daten allen Nutzern auf Internet-Datenbanken zur Verfügung stehen. Regelmäßig kommen Kollegen aus anderen Ländern, um ihre Messmethoden und -geräte mit denen des DWD abzugleichen. Damit ist sichergestellt, dass die weltweit erhobenen Daten vergleichbar sind, so Plass-Dülmer.

Der DWD und damit das MOHp unterstehen dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Sie werden aus Steuermitteln finanziert. „Die jährlichen Kosten für jeden Bürger entsprechen einem Glas Bier, angesichts der Bedeutung des Wetters und der dadurch verursachten Unwetterschäden ein geringer Betrag“, veranschaulicht Plass-Dülmer das Kosten-/Nutzenverhältnis seiner Behörde.

WarnWetter-App jetzt noch präziser

Kürzlich wurden die Inhalte der WarnWetterApp des DWD um Blitze, Sonnenbrandgefahr und regionale Wärmebelastung erweitert. Mit der neuen Version 1.4 wurde nun auch die App auf Warnungen für Gemeinden umgestellt. So kann bei aufkommenden Gewittern die Warnung auf die tatsächlich betroffenen Gemeindegebiete beschränkt bleiben.

Die App gibt es unter www.dwd.de/app kostenlos zum Herunterladen. Die bisher nur auf Landkreisebene verfügbaren Unwetterwarnungen werden damit wesentlich präziser. Nicht nur die einzelnen Bürger, sondern auch die lokalen Rettungsdienste profitieren davon.

Von emh

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