An Josef-Zerhoch-Mittelschule werden AD(H)S-Kinder individuell betreut

Kleines, aber feines Projekt

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Ziehen beim Projekt „Mit AD(H)S leben“ an einem Strang: Hans Socher, Dr. Kirsten Goth, Dr. Sibylle Rollinger vom gemeinsamen Elternbeirat im Landkreis, Dr. Rainer Strick, Sonja Schöpf von den SOS-Kinder- und Jugendhilfen Weilheim, Mechthild Gödde und Udo Nagelschmidt von der AOK. Foto: Jepsen

Peißenberg – Gefühlsschwankungen, Konzentrationsschwäche und bisweilen die Neigung zu unkontrollierbarem Bewegungsdrang: Kinder, die an einem Aufmerksamkeitsdefizit- beziehungsweise Hyperaktivitätssyndrom leiden, sind mitunter einem massiven Leidens- druck ausgesetzt.

Auch Eltern und Lehrer werden durch die Verhaltensauffälligkeiten bis an die Belastungsgrenze getrieben. Die Einnahme von Medikamenten gilt oft als das letzte Mittel. In der Josef-Zerhoch-Mittelschule hingegen setzt man seit dem letzten Schuljahr mit dem Pilotprojekt „Mit AD(H)S leben“ (wir berichteten) auf eine individuelle Therapieform – mit Erfolg, wie es bei einem kürzlichen Pressegespräch hieß. „Die Kinder lernen sich zu steuern. Ich höre wesentlich weniger Probleme von den Lehrern“, bilanzierte Rektor Hans Socher den bisherigen Verlauf des Projekts, das auf drei Säulen basiert. Neben den pädagogischen Kinderkursen, die im vertrauten Schul- umfeld stattfinden, bekommen Eltern und Lehrer in Begleitseminaren ein auf den Einzelfall abgestimmtes Rüstzeug im Umgang mit AD(H)S vermittelt. Ziel ist es, den Kindern gleiche Bildungschancen wie ihren Altersgenossen zu ermöglichen und bei den Bezugspersonen die Sensibilität für das Störungsbild zu schärfen. „Wir können die Verhaltensauffälligkeiten nicht komplett beheben“, erklärt Kursleiterin Dr. Kirsten Goth, „aber wir können sekundäre Störungen präventiv vermeiden.“ Die dritte Säule des Programms ist der offene Gesprächskreis, mit dem das Therapiekonzept nach außen getragen werden soll – quasi als Musterbeispiel für den Landkreis: „Es ist ein kleines, aber feines Projekt. Wir sind überzeugt davon, dass es sinnvoll ist, in die Fläche zu gehen“, betont Mechthild Gödde von der psychologischen Beratungsstelle. Das Problem: Seit Kurzem werden zwar von den Krankenkassen die Kinderkurse zur Förderung anerkannt, ansonsten muss das rund 10 000 Euro teure Projekt aber noch über anderweitige Geldgeber finanziert werden. „Die Änderung des Heilmittelgesetzes war ein erster Schritt. Wir hoffen jetzt, dass weitere folgen“, sagte Dr. Rainer Strick vom Amt für Jugend und Familie. Dass die Projektkosten relativ niedrig ausfallen und an anderer Stelle, zum Beispiel bei der Generalsanierung der Mittelschule, mit Millionensummen im zweistelligen Bereich kalkuliert wird, sieht Rektor Hans Socher pragmatisch: „Natürlich investiert man lieber in Menschen als in Steine. Aber das sind zwei unterschiedliche Töpfe.“

Von Bernhard Jepsen

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