Monika Bittner spielt bei den Olympischen Spielen

"Blaue Flecken gehören dazu"

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Monika Bittner, seit letzter Woche in Sotschi.

Peißenberg/Sotschi – Eishockeytalente aus Peißenberg gibt es viele. Eines der erfolgreichsten ist eine junge Frau: Monika Bittner. Sie ist momentan in Sotschi. Was sie sich für die Olympischen Spiele wünscht und wie sich 21 Frauen auf Dauer verstehen, verrät die Sportlerin im Interview.

Monika Bittner tritt am Sonntag gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen zu ihrem ersten Spiel der Olympischen Winterspiele an. Zum ersten Mal spielte die Peißenbergerin vor 21 Jahren Eishockey. Schnell stellte sich heraus, dass sie besonders gut darin ist. 

Heute ist sie 26 Jahre alt und kann bereits zahlreiche Erfolge aufweisen. Derzeit spielt Bittner beim ESC Planegg, mit dem sie bereits mehrfach Deutscher Meister wurde. Seit 2004 gehört sie der Nationalmannschaft an. In diesen zehn Jahren kämpfte die Stürmerin in vier Weltmeisterschaften mit ihrem Team um den Titel. Einer der größten Erfolge war der fünfte Platz in der letztjährigen WM in Kanada. Insgesamt hat Bittner bereits 147 Länderspiele absolviert. Bei den Olympischen Spielen darf sie nun zum ersten Mal antreten und freut sich daher besonders auf die Spiele in Sotschi. 

Bittner gehört der Sportfördergruppe der Bundeswehr an und darf sich daher als Sportsoldatin bezeichnen. Doch auch abseits des Sports ist sie erfolgreich und macht in diesem Jahr an der Hochschule Ansbach ihren Bachelorabschluss im Studiengang „International Management“. Auch privat scheint Bittner alles perfekt zu managen. Bevor am Freitag der Flug nach Sotschi ging und die Sportlerin zwei Tage zuvor – an ihrem Geburtstag – noch schnell ihren Umzug dazwischenschob, fand sie noch Zeit, dem Kreisboten ein Interview zu geben.

Auf was freust du dich am meisten in Sotschi? 

Bittner: „Besonders freue ich mich auf die Eröffnungsfeier, wenn ich mit der deutschen Mannschaft einlaufen darf. Ansonsten freue ich mich auf unsere Spiele und auf alles, was man dort erleben wird.“ 

Politisch gab es im Vorfeld ja viel Kritik an Sotschi als Austragungsort. Hast oder hattest du auch Bedenken? 

Bittner: „Nein, Bedenken hatte ich nie, was die Ausrichtung der Olympischen Spiele betrifft. Natürlich steht das politische Handeln in Russland sehr im Fokus der Berichterstattung. Ich finde es auch richtig, dass man auf kritische Themen eingeht. Für uns Athleten steht jedoch der Sport im Vordergrund. Und aus sportlicher Sicht bin ich mir sicher, dass diese Spiele den Anspruch des IOC absolut gerecht werden.“ 

Was musste unbedingt in deinen Koffer? Auf Facebook hast du ja schon Anregungen gesucht... 

Bittner: „Natürlich ein Glücksbringer! Ansonsten finde ich Motivation, gute Laune und Selbstvertrauen gute Ideen.“ 

Die Mannschaft ist ständig zusammen. Geht man sich nicht irgendwann auf die Nerven?

Bittner: „21 Frauen sind knapp einen Monat zusammen – ich denke, es glaubt mir kein Mensch, wenn ich diese Frage mit nein beantworte (lacht). Wir sind jedoch sehr erprobt, was das betrifft, da wir jedes Jahr eine WM haben und dort auch zwei bis drei Wochen ununterbrochen zusammen sind. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass dieses einmalige Erlebnis uns eher zusammenschweißen wird, als dass man einen ‘Lagerkoller’ verspüren wird.“ 

Es gibt also kaum Zickereien? 

Bittner: „Ich würde sagen, dass wir eine harmonische Mannschaft sind. Natürlich gibt es schon mal die ein oder andere Uneinigkeit, aber die gibt es überall dort, wo Menschen und Meinungen aufeinandertreffen.“ 

Was sagst du zu dem farbenfrohen Outfit? 

Bittner: „Ich finde die Klamotten spitze und freue mich schon sehr darauf, sie zu tragen.“ 

Mit großen Turnieren hast du schon Erfahrung, jetzt zum ersten Mal Olympische Spiele – was ist anders daran? 

Bittner: „Der große Unterschied zwischen einer WM und Olympia ist die Dimension. Bei einer WM sind es nur Fraueneishockey-Teams, die aufeinandertreffen. Bei Olympia sind andere Sportarten vertreten und somit viele andere Athleten vor Ort. Auch die Berichterstattung und das öffentliche Interesse sind um einiges höher als bei einer WM.“ 

Mit welchen sportlichen Erwartungen fährst du nach Sotschi? 

Bittner: „Als einziges Team des Deutschen Eishockey Bundes möchten wir uns so gut wie möglich verkaufen und unser bestes Eishockey spielen. Der fünfte Platz bei der letzten WM war ein großer Erfolg und daran wollen wir festhalten, dennoch hat jedes Turnier seine eigenen Gesetze.“

Im Internet wirst du als „beste Stürmerin“ und eine der „Führungsspielerinnen“ gelobt. Wie siehst du selbst deine Rolle in der Mannschaft? 

Bittner: „Echt? Wo steht das mit der besten Stürmerin? (lacht) Ich selbst würde mich als Spielerin beschreiben, die durch ihren Kampfgeist hervorsticht. Als eine von drei Kapitänen (A) bin ich mir meiner Verantwortung bewusst, auch manchmal ein Zeichen zu setzen und die Mannschaft zu führen.“ 

Gibt es auch Konkurrenzdenken unter euch Mädels? 

Bittner: „Wir werden als Einheit nach Sotschi fahren, wo der Konkurrenzgedanke keine Rolle mehr spielen wird. Als es für jede Spielerin um die Qualifikation für die Olympischen Spiele ging, war das Konkurrenzdenken aber definitiv vorhanden.“ 

Wie geht es deinem Bein? Du hattest im letzten Jahr ja ziemliche Probleme... 

Bittner: „Das ist richtig. Stand heute ist, dass ich die Schmerzen ganz gut in den Griff bekommen habe und mein Bein den Belastungen, die auf mich zukommen werden, standhalten wird.“ 

Wie sahen die letzten Wochen aus? Blieb Zeit für deinen Freund, Freunde und Familie? 

Bittner: „Die letzten Wochen waren natürlich sehr trainingsintensiv. Wir waren jeden Monat mit der Nationalmannschaft unterwegs, da müssen mein Freund, Freunde und Familie leider hinten anstehen. Das ist allerdings während der Saison immer der Fall. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mich mein Umfeld immer unterstützt hat.“ 

Die deutschen Männer haben sich nicht qualifiziert – das sollte euch mehr Beachtung bringen? 

Bittner: „Mit dem Sportsender Sport1 haben wir einen Sender, der unsere Spiele live übertragen wird. Ob das daran liegt, dass die Männer nicht dabei sind, weiß ich nicht. Allgemein hatte ich jedoch nicht das Gefühl, dass uns Frauen nun mehr Beachtung zukommt. Es wird gerade vonseiten des Verbandes sehr viel Werbung für die Männer gemacht. Da ist meines Erachtens noch Verbesserungsbedarf.“ 

Auf dem Eis geht es ganz schön zur Sache. Hast du nicht manchmal Angst, dir wehzutun? 

Bittner: „Dass Eishockey eine vergleichsweise körperbetonte Sportart ist, dessen bin ich mir bewusst. Auch wenn es öfter Verletzungen gibt, habe ich keine Angst mir wehzutun. Blaue Flecken gehören dazu und wer Angst hat, sich zu verletzen, kann sein Leistungsvermögen nicht voll ausschöpfen.“ 

Weißt du schon, wie es nach Olympia weiter geht? 

Bittner: „Ich werde mein Studium im Sommer abschließen – so viel ist sicher. Alles andere steht noch in den Sternen.“ 

Danke und viel Erfolg!

Von Ursula Gnadl

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