Neue Lichtsignalanlagen in Schongau

Ampeln denken künftig mit

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Die Kreuzung am Münztor hat den größten Optimierungsbedarf. Oft bilden sich hier in Stoßzeiten lange Staus.

Schongau – Mehr als 20 Dienstjahre sind genug: Im kommenden Jahr werden die Ampeln rund um die Schongauer Altstadt durch intelligente Lichtsignalanlagen ausgetauscht. Das gemeinsame Projekt von Staatlichem Bauamt und der Stadt soll den Verkehrsfluss beschleunigen, Staus verringern und einen Unfallschwerpunkt entschärfen. Auch Radfahrer und Fußgänger profitieren. Nur ein Nadelöhr bleibt vorerst bestehen.

Schon vor einem Jahr hatten Stadt und Staatliches Bauamt das gemeinsame Vorhaben auf den Weg gebracht. Damals wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die aktuelle Situation beleuchten und mögliche Lösungsansätze erarbeiten sollte. Am Dienstag präsentierte Peter Nolden vom Planungsbüro für Verkehrstechnik im Stadtrat die Ergebnisse der Untersuchung, die sich auf die Ampeln an der Butterwerkskreuzung (Bahnhof-/Sonnenstraße), am Münztor, der sogenannten Spinne (Marktoberdorfer Straße/Maxtor) und an der Zufahrt zu UPM erstreckte. Überall dort hatten Nolden und sein Team über mehrere Wochen Daten zu den Verkehrsströmen gesammelt.

  • Spinne:

Als gerade noch leistungsfähig bezeichnete Nolden die Kreuzung zu Stoßzeiten. Eine Überarbeitung der Verkehrsführung sei nötig, auch um die Sicherheit zu erhöhen. In den vergangenen drei Jahren haben sich laut Martin Blockhaus vom Stadtbauamt an der unübersichtlichen Kreuzung über 40 Unfälle ereignet. So soll es für Linksabbieger aus der Augsburger Straße einen grünen Pfeil geben. Linksabbieger in die Augsburger Straße sollen ein eigenes Signal bekommen. Zudem rät der Experte zu einer Ampel für Fußgänger zwischen Am Maxtor und Altenstadter Straße.

  • Münztor:

Dass die Ampeln an der Kreuzung am Münztor oft lange Staus verursachen, ist für die Schongauer kein Geheimnis. Tatsächlich bekommt die Kreuzung von allen untersuchten die schlechteste Note hinsichtlich der Leistungsfähigkeit. In Stoßzeiten reicht die Autoschlange oft weit in die Münzstraße hinein.

Zwar verfügt die Anlage bereits jetzt über unterschiedliche Programme, die je nach Uhrzeit den Verkehr passend regeln sollen. Doch seien diese kurioserweise gar nicht an die Stoßzeiten angepasst, sagte Nolden. So wechsle das Programm mitten in der mittäglichen Hauptverkehrsphase, ein „No-Go“, wie der Experte erklärte. Denn dadurch würde plötzlich eine Grünphase fehlen, was zu erheblichen Rückstau führe.

Dieses Problem wird mit der Umstellung auf intelligente Ampeln, die dank Kameras je nach Verkehrslage reagieren, gelöst sein. Zudem soll die Haltelinie weiter an die Bahnhofstraße verlegt und die Verkehrsinsel verlängert werden, um mehr Platz für die Rechtsabbieger zu haben. Diese sollen künftig ein getrenntes Signal bekommen.

  • Butterwerk:

Große Probleme, was den motorisierten Verkehr angeht, gibt es an der Butterwerks-Kreuzung nicht. Dennoch wird die Kreuzung baulich überarbeitet – zugunsten der Fußgänger. So soll es künftig einen Überweg von Lidl zur gegenüberliegenden Gaststätte geben. Der Verkehrsfluss werde dadurch nur gering behindert, sagte Nolden.

Apropos Fußgängerüberweg: Das Expertenteam hat während seiner Untersuchung oft beobachten können, wie Passanten die Bahnhofstraße in Höhe des Jugendheimwegs überqueren – angesichts des hohen Verkehrsaufkommens und der breiten Straße kein ungefährliches Unterfangen. Deshalb soll an dieser Stelle eine zusätzliche Fußgängerampel installiert werden.

  • UPM: 

Vorschläge hatte Nolden auch für die Abzweigung zu UPM erarbeitet. Um Unfälle beim Abbiegen zu vermeiden, sei die Ampelschaltung für Autos und Fußgänger getrennt, schilderte er die aktuelle Situation. Das bedeute jedoch, dass es zu längeren Wartezeiten für den Verkehr komme, wenn Fußgänger die Ampel betätigen. Gerade am Nachmittag drohe hier Staugefahr, wenn viele Fußgänger unterwegs seien. Als Lösung schlug der Experte zwei Varianten vor. Die eine wäre ein Kreisverkehr. Der allerdings hätte den Nachteil, dass Lkws aufgrund ihres Wendekreises nicht direkt zu UPM abbiegen, sondern erst einmal eine Runde fahren müssten.

Die bessere Alternative wäre laut Nolden deshalb, die Einfahrt zu UPM nach Osten zu verlagern, womit Platz für eine eigene Abbiegespur gewonnen wäre. Allerdings müssten dafür die ersten beiden Häuser abgerissen werden. Wie Blockhaus berichtete, werde derzeit geprüft, ob ein Abriss aus Denkmalschutzgründen überhaupt erlaubt sei. Anschließend sollen Gespräche mit dem Eigentümer UPM folgen. Weil hier noch alles offen ist, bleibt die Kreuzung erst einmal unangetastet.

Kosten werden geteilt

Die Kosten für die Umbaumaßnahmen an den übrigen drei Kreuzungen teilen sich das Staatliche Bauamt – zuständig für die Staatsstraße – und die Stadt – zuständig für die einmündenden Gemeindestraßen. Rund 180 000 Euro entfallen auf die Stadt, die mit einer Förderung in Höhe von 50 Prozent rechnet. Knapp 300 000 Euro muss das Staatliche Bauamt aufbringen, darin enthalten sind die Kosten für die Fußgängerampel am Jugendheimweg, die komplett der Freistaat trägt.

Barrierefrei

Die neuen Ampeln werden mit LED ausgestattet, was sie besonders sparsam macht. Damit sei es auch kein hoher Kostenfaktor, wenn die Anlagen in der Nacht durchlaufen, sagte Nolden, der dafür aus Sicherheitsgründen plädierte. Auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen wird mit dem Umbau Rechnung getragen. Die Barrierefreiheit sei ein wichtiges Thema, bei dem man eng mit der Behindertenbeauftragten des Landkreises zusammenarbeite, antwortete Martin Dondl vom Staatlichen Bauamt auf eine Nachfrage von Marianne Porsche-Rohrer (CSU).

Christoph Peters

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