Rainer Fabich begeistert mit ungewöhnlichen Kompositionen

Ein Orchester ohne Musiker

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Gemeinsam mit Vasja Legisa (re.) spielte Rainer Fabich Stücke für Saxophon und Cello ein.

Weilheim – Er ist selbst ein ganzes Orchester, hat die Musik für zahlreiche Filme geschrieben und nun seine inzwischen 13. CD herausgebracht. Grund genug für den Kreisboten, sich mit Rainer Fabich zu unterhalten.

Deine Stücke sind sehr unterschiedlich. Wie entstehen sie?

Rainer Fabich: „Komponieren ist für mich so, wie einen Text zu schreiben. Alles beginnt mit einer Idee. Manchmal habe ich anfangs nur einen Takt.“

Wie wird daraus ein ganzes Werk?

Fabich: „Ich spiele etwas ein, höre es mir an und überlege dann, wie es weitergehen soll, zum Beispiel welcher neue Rhythmus oder welche neue Harmonie jetzt passt. Oft improvisiere ich zuerst aus einem Feeling heraus.“

Bleibt das Improvisierte dann so?

Fabich: „Eher selten. Manche Komponisten schreiben etwas hin und lassen es. So ein Mensch bin ich nicht. Ich feile so lange daran, bis mir das Ergebnis gefällt.“ 

Und wann ist ein Stück fertig?

Fabich: „Wenn ich das Gefühl habe, jetzt passt alles.“ 

Für welches Stück der CD hat das am längsten gedauert?

Fabich: „Für Castillo del Mar. Dafür musste ich eine Partitur schreiben und etwa 30 Instrumente einzeln am Computer einspielen, um möglichst nah an ein echtes Orchester heranzukommen.“

Und wie weit ist es dir gelungen?

Fabich: „Schon sehr gut, da ich mit einem ganz neuen Programm gearbeitet habe. Neben eingespielten Instrumentensamples simuliert es originalgetreu den Klang in Räumen – zum Beispiel den des Wiener Konzerthauses. So hatte ich virtuell einen der besten Konzertsäle der Welt zur Verfügung.“

Wie kann man sich das vorstellen? 

Fabich: „Man kann beispielsweise den Geiger mit einem Klick im Raum frei verschieben, ihn einfach auf den Balkon oder sonst wohin setzen und dadurch einen anderen Klang erzeugen.“

Was unterscheidet die „Computermusik“ von einer Liveaufnahme? 

Fabich: „Erstere ist präziser, im Orchester menschelt es aber mehr. Beide Varianten haben ihre Qualitäten. Deshalb sind auch die meisten Stücke der CD mit hervorragenden Musikern live eingespielt: mit Michaela Pühn am Klavier, El Zitheracchi an der Zither und auch mit dem Cellisten Vasja Legisa und dem Percussionisten Sascha Gotowtschikow.“

Auf der CD sind auch Reggaes für Saxophonquartette und Duos. Du hast sie alleine eingespielt? 

Fabich: „Ja. Das war anfangs etwas komisch. Man muss unglaublich genau spielen. Mit anderen Musikern kann man interagieren. Man wird gemeinsam lauter oder schneller. Wenn man zu den eigenen Aufnahmen spielt, ist das schwieriger. Es war ein Experiment, mit dem ich sehr zufrieden bin.“

Die drei „Repaintings“ auf der CD sind nicht ganz neu?

Fabich: „Sie stammen von der Klavier-CD ‘Piano Pur’. Nun habe ich dazu neue Saxophonthemen komponiert. Das ist wie bei einem Maler, der immer wieder über seine Bilder malt. Vielleicht gibt es bei der nächsten CD eine neue Schicht.“ (lacht)

Was hat es mit den Stücken der „Vier Frauen“ auf sich?

Fabich: „Sie spiegeln Charakteristiken bestimmter Persönlichkeiten wider. Ich möchte nicht zu viel verraten. Weilheim ist zu klein. (lacht) Die eine Frau ist resolut, eine nostalgisch und hört gerne Bach, die nächste ist melancholisch, die vierte spöttisch. Sollte sich jemand angesprochen fühlen, so könnte es zutreffend sein." (lacht) 

Was ist der Reiz an solchen Kompositionen?

Fabich: „Mit der Musik erzähle ich am liebsten kleine Geschichten. Es bleibt dann jedem selbst überlassen, was er darin hört und sieht.“

Vielen Dank!


Die neue CD

In Rainer Fabichs neuestem Werk „Sop Sax Tunes“ dreht sich alles um das Sopransaxophon in ungewöhnlichen Kombinationen, beispielsweise mit Cello oder Zither. Auch ein Sample-Orchester ist zu hören. „Sop Sax Tunes“ gibt es unter anderem in digitaler Form bei iTunes, Amazon, Spotify, und als CD auch bei www.cdbaby.com. Fabich lebt in Weilheim. 

Der 55-Jährige beendete sein Musikstudium mit Magister und künstlerischem Diplom und promovierte über Filmmusik. Er schrieb bereits die Musik zu mehr als 60 Filmen und war und ist an verschiedenen Hochschulen als Dozent tätig. Außerdem unter- richtet er an der Weilheimer Musikschule Klarinette und Saxophon.

Von Ursula Gnadl

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