Noch ein Weilchen im Bunker

Fand beim Neujahrsempfang im Penzinger Offizierskasino deutliche Worte: Oberst Klaus Schuster. Foto: Osman

Bundeswehrreform, Einsparungen und die faktische Abschaffung der Wehrpflicht – wie wird sich das alles auf den Bundeswehrstand- ort Landsberg auswirken? Tatsächlich sei er der einzige von den 66 Standorten in Bayern, der als struktursicher gelte, erklärte der Standortälteste Oberst Klaus Schuster beim Neujahrsempfang, zu dem sich am Freitag zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens im Landkreis im Offizierskasino des Fliegerhorstes Penzing eingefunden hatten.

Der geplante Umzug des Systemzentrums Avionik aus dem Bunker der Welfenkaserne nach Erding werde sich nach dem derzeitigem Stand der Dinge mindestens bis 2019 verzögern, kündigte Schuster an. Denn in Erding fehlten die Mittel für einen notwendigen Neubau. „Es sieht heute so aus, dass der Bunker noch ein Weilchen länger her­halten muss. Damit sichert er vorübergehend die Existenz der Welfenkaserne.“ Unsicherheit und Abwarten, welche Überraschungen aus Berlin auf die Streitkräfte zukommen, prägen derweil der Alltag der Soldaten. Die Neuausrichtung der Bundeswehr werde „wohl noch ein paar Tage dauern“ und fordere von den Betroffenen viel Geduld, sagte der Standortälteste. Vor Mitte 2011 würden deshalb keine Entscheidungen zu Stationierungsfragen getroffen. Dass Reformbedarf besteht, sei auch der Truppe klar. „Wir kennen die Schwachstellen unseres Systems sehr wohl“, räumte Schuster ein. Doch dürfe die Reform nicht allein vom Sparzwang diktiert werden, sonst drohe der Verlust der Verteidigungsfähigkeit. „Die Aufgaben der Bundeswehr in einem sicherheitspolitischen Umfeld der Zukunft sollten unsere Struktur bestimmen, damit nicht am falschen Ende gespart wird, und Fehleinschätzungen von heute die sinnvolle Aufstellung der Streitkräfte von morgen verhindern.“ Die Aussetzung der Wehrpflicht werde jedenfalls nicht den großen Spareffekt haben, prophezeite der Oberst. „Wenn einer Organisation die , billigsten Arbeiter‘ nicht mehr zur Verfügung stehen, die Arbeiten aber im Wesentlichen weiterhin zu erledigen sind, müssen dafür höher bezahlte Kräfte her, die die vermeintliche Einsparung ins Gegenteil kehren werden.“ Der stellvertretende Landrat Peter Ditsch, der sowohl Landkreischef Walter Eichner als auch Landsbergs Oberbürgermeister Ingo Lehmann vertrat, wünschte der Truppe „baldmöglichst Klarheit über die weiteren Entwicklungen“ und sicherte ihr jede Unterstützung zu, die in der Macht von Stadt und Landkreis Landsberg liege. Das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und der Bundeswehr sei seit Jahrzehnten von großer Akzeptanz und guter Nachbarschaft geprägt. „Wir alle schätzen den Beitrag der Bundeswehr zur globalen Friedens­- sicherung und sind unendlich dankbar dafür“, so Ditsch abschließend.

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