Oberster Repräsentant der Benediktiner spricht bei der Mittelstandsunion

Freude am Leben hat viele Facetten

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Medele begrüßte Abtprimus Dr. Notker Wolf als „Grenzgänger zwischen Himmel und Erde“.

Weilheim – Der streitbare Eurokritiker Peter Gauweiler, Verleger Dirk Ippen und viele weitere prominente Referenten waren schon da. Als jüngsten Gast ihrer Vortragsreihe begrüßte die Mittelstandsunion (MU) Weilheim Abtprimas Dr. Notker Wolf. 

Ortsvorsitzender Hans Medele hieß den „außergewöhnlichen Kirchenmann“ in der Ausstellungshalle seines Autohauses willkommen.

Viele Besucher wollten hören, welche Gedanken ihnen der Weltchef des Benediktinerordens zum Thema „Freude am Leben in einer begrenzten Welt“ mit auf den Weg geben kann. „Jeder soll das bekommen, was er braucht. Wer weniger braucht, sei glücklich, dass er nicht so viel braucht. Das ist innere Freiheit“, interpretierte der Abtprimas die Benediktsregel, die der Heilige Benedikt von Nursia im 6. Jahrhundert für das klösterliche Leben der Mönche verfasst hat. Er ging auf monastische Tugenden wie Gehorsam, Schweigen und Demut ein und entdeckte darin „erstaunliche Anregungen für die Freude am Leben“.

Klöster, das zeigte der Repräsentant der Benediktiner in seiner geistreichheiteren Rede auf, sind „keine höchsttraurige Angelegenheit“, wie viele glauben, und die Kirche dürfe ihre Gläubigen nicht mit „verbohrten, strengen Predigten“ vergraulen. „Wir müssen wieder mehr streiten, das gehört auch zum Christsein dazu“, legte er den Gästen nahe. Was heißt Freude am Leben? „Der laute Spaßkonsum kann es nicht sein“, stellte Notker Wolf fest, „es gibt viele Arten von Freude in einem sinnerfüllten Leben“. 

Die strahlenden Augen eines Kindes, eine Bergwanderung, sich freuen, dass es anderen gut geht. Für ihn persönlich sei es ein Genuss, abends einfach still dazusitzen und die Pfeife zu rauchen. Oder in seiner Band „Feedback“ Querflöte zu spielen. Der hohe kirchliche Amtsträger ist nämlich begeisterter Rockmusiker. „Wie ein kleiner Bub unterm Christbaum“ habe er sich gefühlt, als er mit „Deep Purple“ auf der Bühne stehen und „Smoke on the water“ spielen durfte. „Das war ein Höhepunkt“, erzählte er und ließ das Publikum seine Begeisterung spüren. Gibt es eine kirchliche Botschaft der Freude? „Ja, Jesus selbst ist der Kern der Botschaft.“

Wolf nahm zum aktuellen politischen Geschehen Stellung und kritisierte „das maßlose Machtbedürfnis, das in uns steckt“. In Benedikts Regel stehe, dass man seine Zunge vor Bösem und die Lippe vor falscher Rede bewahren soll. Das hätte auch für die jüngsten Koalitionsverhandlungen in Berlin gegolten, so der Benediktiner: „Aber was man uns dort wieder alles versprochen hat!“ Doch weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch die Abgeordneten seien Heilige, sondern eben „Sünder wie wir“. Die Wahrheit würden die Menschen oft nicht aushalten, wenn sie unbequem ist. Überhaupt, stelle der Abtprimas fest, sollten wir nicht so viel reden und den Vorsatz, nichts Böses über andere zu sagen, ins neue Jahr mitnehmen.

Der Klosteralltag, berichtete Notker Wolf, ist nach festen Regeln strukturiert. Gelebt wird in der Gemeinschaft nach dem Grundsatz „beten, arbeiten und lesen“. Keiner könne etwas als sein Eigentum betrachten. „Benedikt ist für soziale Gleichheit“, so der gebürtige Memminger, der in St. Ottilien Erzabt war. Ein Abt, sagte er augenzwinkernd, sei der Moderator des Ganzen und habe darauf zu achten, dass die Mitbrüder nicht „träge“ werden. 

Notker Wolf studierte neben Theologie unter anderem auch Zoologie, Anorganische Chemie und Astronomiegeschichte, seine Stimme hat in vielen Gremien Gewicht. Er plädiert für mehr Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen. Seine Zuhörer in Weilheim ermunterte er, die Jugend mit ihren frischen Ideen ernst zu nehmen: „Die Jungen sind risikobereiter. Wir brauchen sie als Querdenker in jedem Unternehmen – auch in der Kirche.“

Von Maria Hofstetter

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