Notleidenden wird geholfen

Die letzte Station, wenn das Geld nicht mehr für die Miete reicht, ist die Obdachlosenunterkunft. Sie für Bürger bereitzustellen, die ein Räumungsurteil aus ihrer Wohnung gewiesen hat, ist Pflichtaufgabe einer jeden Gemeinde. In Penzberg lebten bisher 47 Menschen, darunter Einzelpersonen ebenso wie Familien mit Kindern, in der städtischen Notunterkunft. Die Verhältnisse dort sind mehr als bescheiden, denn mehrere Personen müssen sich die sanitären Einrichtungen teilen. Die Obdachlosigkeit, häufig verbunden mit Schulden und Arbeitslosigkeit, ist Ausdruck für ein Schicksal, das es den Betroffenen alleine nahezu unmöglich macht, wieder in geordnete gesellschaftliche Bahnen zu kommen.

Dass Hilfe aber sehr wohl möglich ist, zeigt nun die Bilanz, die die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit dem Stadtrat vorgelegt hat. Seit 1. März beraten die Sozialpädagoginnen Elisabeth Hoffmann und Sabine Barth Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht oder schon betroffen sind. Wie Martin Kolleschovsky von der Beratungsstelle in der Herzogsägmühle, die im Auftrag der Stadt Penzberg die Trägerschaft für die Fachstelle in Penzberg übernommen hat, betont, beschränke sich die Arbeit seiner Kolleginnen nicht nur auf die Hilfe bei Wohnungsproblemen. „An erster Stelle steht die Betreuung von Bewohnern der Obdachlosenunterkünfte mit dem Ziel, sie wieder in normale Wohnverhältnisse zurückzuführen“, so Kolleschovsky. Aber auch zur Vermeidung drohender Obdachlosigkeit, also wenn Mietrückstände vorhanden sind oder bereits eine Räumungsklage ausgesprochen wurde, werden die Betroffenen unterstützt. Ganz wichtig ist auch die Nachbetreuung „zur weiteren persönlichen Stabilisierung“ und die Kontaktpflege über die Wohnungsbeschaffung hinaus. „Wir helfen bei Formularen und beim Umgang mit Ämtern und Behörden sowie bei Anträgen auf Transferleis- tungen wie Grundsicherung, Wohngeld oder Arbeitslosengeld“, nennt Kolleschovsky weitere Angebote der Fachstelle. Elisabeth Hoffmann und Sabine Barth stehen auch beim finanziellen Wohnungsmanagement und den Bestimmungen der ARGE beratend zur Seite und bieten eine Koordination der Hilfsangebote sowie die erforderliche Logistik an. „Es gibt eine Menge Problemkreise, so dass die Leute schlicht verzweifeln können“, gibt Hoffmann ihre Erfahrungen wieder. Dabei nutzen die Beraterinnen ihre guten Kontakte zu Ämtern, Verbänden und Verwaltungen, bauen Vertrauen zu Vermietern auf und begleiten die Antragsteller zu Terminen. Das Ergebnis ihrer neunmonatigen Bemühungen ist durchaus beachtlich. Sie sorgten dafür, dass elf Personen aus der Obdachlosenunterkunft in bessere Wohnungen umziehen konnten und berieten 21 Personen im Vorfeld der Obdachlosigkeit so erfolgreich, dass es zu keiner Zwangsräumung kam. Darüber hinaus wurden zehn Umzüge bewerkstelligt, und zwölf Mal konnten gefährdete Wohnverhältnisse stabilisiert werden. Da Zwangsräumungen für alle Beteiligten eine sehr kostspielige Sache sind, empfiehlt der Penzberger Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann auch Vermietern, sich an die Fachstelle zu wenden, um diese abzuwenden. Bürgermeister Hans Mummert ist überzeugt, „dass die vorbeugende Arbeit der Fachstelle der richtige Weg ist“. Das Projekt hat Modellcharakter im Umkreis und ist vom Stadtrat zunächst für drei Jahre genehmigt. Die Vorteile für die Stadt Penzberg sind vor allem finanzieller Art, denn sie muss weder die bestehenden Unterkünfte ausbauen oder neue erstellen, noch Kosten für andere Unter- bringungsmöglichkeiten zahlen. Die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit im Betriebsgebäude des ehemaligen Kraftwerks ist von Montag bis Freitag von 8.30 bis 14.30 Uhr, am Donnerstag bis 18.30 Uhr sowie nach Vereinbarung (Tel. 08856/8042999) zu erreichen.

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