Vorgeschlagene Trassenführung für Huglfinger Umgehung sorgt für Zündstoff

Oberhausen kontra Huglfing

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Belagerungszustand im Huglfinger Rathaus: Bürgermeister Bernhard Kamhuber (am Laptop) präsentierte die bisherigen Pläne für die Huglfinger Umgehung. Überzeugen konnte er die Oberhausener Zuhörerschaft jedoch nicht.

Huglfing/Oberhausen – Ein Dorf macht mobil: In Oberhausen formiert sich der Widerstand gegen die vorgeschlagene Trassenführung für eine Huglfinger Umgehung. Das bekam Bernhard Kamhuber am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung zu spüren.

Huglfings Bürgermeister hatte sich auf Anfrage bereit erklärt, den derzeitigen Planungsstand für das mögliche Straßenbauprojekt zu erläutern – „in kleinerem Kreis“, wie er ursprünglich dachte. Doch aus dem „kleinen Kreis“ wurde letztlich ein breites Auditorium. Etwa 100 Besucher, bis auf wenige Ausnahmen alle aus Oberhausen, zwängten sich in den kleinen Sitzungssaal im Huglfinger Rathaus, um ihrem Ärger Luft zu machen: Huglfings Wunsch nach einer Ortsumfahrung sei zwar verständlich, lautete die unmissverständliche Botschaft, allerdings dürfe das Projekt nicht zu Lasten von Oberhausen gehen.

Bislang gibt es für die Umgehung lediglich eine von der Gemeinde Huglfing finanzierte Vorstudie – doch die sorgt im Nachbardorf für Unmut, weil sie in erheblichem Maße Oberhausener Flur in Anspruch nimmt: Demnach soll der Verkehr auf der vielbefahrenen B472 von Huglfing auf eine knapp vier Kilometer lange Umfahrungsroute verlagert werden, die an der jetzigen Anschlussstelle „Berg“ abzweigt und unter der Bahnlinie sowie über den anschließenden Talkessel in Richtung Kieswerk zur B 2 führt.

Während Kamhuber beim Infoabend von einer „Diskussionsgrundlage“ sprach, sorgt man sich in Oberhausen vor allem um das Landschaftsbild, den Lärmschutz und die eigene Verkehrssituation. Eine Entlastungswirkung, so hieß es bei der Versammlung, könnte ebenso eine großräumige Umleitung des Schwerlastverkehrs über die Weilheimer Südspange bringen – und zwar für beide Gemeinden. Auch gebe es eine umweltverträglichere sowie technisch einfachere Variante für eine Umfahrung: Die B472 müsse dazu lediglich nach der Gaststätte „Anzinger“ an der Bahnlinie entlang bis zum Trachtenheim respektive dem alten Tengelmann-Gebäude weitergeführt werden. „Wir brauchen eine Lösung, mit der alle glücklich sind. Huglfing 21 (in Anlehnung an ‘Stuttgart 21’, Anm.d.Red.) werdet ihr auch nicht wollen“, ließ ein Versammlungsteilnehmer Huglfings Rathauschef wissen.

Kamhuber wiederum warb um Verständnis: Es sei „unfair“ Huglfing allein den Schwarzen Peter zuzuschieben: „Es ist ja nicht alles unser Verkehr.“ Zudem sei hinsichtlich der Planung, für die letztlich der Bund die Federführung habe, noch gar nichts entschieden: „Das Projekt ist zum Bundesfernstraßenplan angemeldet. Sonst ist nichts passiert.“

Für Planänderungen sei es deshalb noch lange „nicht zu spät“, allerdings: Die Variante entlang der Bahnlinie werde nicht funktionieren: „Dort liegen FFH-Gebiete. Da würde es gravierende Widerstände vom Naturschutz geben.“ So sehr sich Kamhuber auch bemühte, es war nicht die einzige Aussage, die von der Oberhausener Abordnung mit höhnischem Gelächter quittiert wurde. Der von Anneliese Reichert mitinitiierte Infoabend fand aber dennoch ein halbwegs versöhnliches Ende: Kamhuber erklärte sich bereit, den Arbeitskreis mit Oberhausener Gemeinderäten wiederzubeleben.

Auch Fachleute und Vertreter der umliegenden Gemeinden sollen mit an den Planungstisch geholt werden: „Es gibt viel zu tun. Huglfing muss seine Hausaufgaben machen – und wir auch“, meinte Reichert am Schluss der Versammlung. Die Planung müsse ergebnisoffen weitergeführt werden: „Geht nicht, gibt es nicht. Wir lassen uns unser liebenswertes Oberhausen nicht von Huglfing verbauen. Wir werden kämpfen.“


Von Bernhard Jepsen

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