Birgit Graßl leitet neue Fachschule in Weilheim

Mehr Öko-Landbau

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Birgit Graßl freut sich auf ihre neue berufliche Herausforderung: „Es ging alles sehr schnell. Anfang März habe ich von meinem Wechsel nach Weilheim erfahren.“

Weilheim – Der Appetit auf Bio-Lebensmittel wächst. Die Folge: Bayern braucht mehr Produktionsflächen und gut ausgebildete Landwirte, die auf ihren Betrieben ökologisch wirtschaften. Ab Herbst soll der Ökologische Landbau auch in Weilheim „Schule machen“. Unter der Regie von Birgit Graßl.

Mit dem Landesprogramm „BioRegio 2020“ soll der Öko-Landbau in Bayern forciert werden, um nicht mehr auf Importe angewiesen zu sein, hatte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner Anfang Februar verkündet. Bis 2020 doppelt so viel Bio-Ware produzieren lautet das Ziel. Der Freistaat stellt dafür in den nächsten zwei Jahren 5,4 Mio. Euro bereit. Ein Teil dieser Landesmittel wird in die Aus- und Weiterbildung der Landwirte investiert. 

 Ab Oktober wird Weilheim neben Landshut-Schönbrunn zweiter Fachschulstandort in Bayern sein, spezialisiert auf Ökologischen Landbau. Gestartet wird mit dem Wintersemester parallel zur konventionellen Landwirtschaftsschule an der Krumpperstraße. Von der Pike auf sollen die Studierenden in Weilheim den Öko-Landbau erlernen, wobei der Lehrplan gezielt auf die Milchviehhaltung mit Grünlandbewirtschaftung ausgerichtet wird. 

 Birgit Graßl steckt mitten drin in den Vorbereitungen für den dreisemestrigen Studiengang „Ökologischer Landbau“ und wird die Studierenden im Fach „Tierische Produktion und Erzeugung“ unterrichten. Ihre Liebe zur Landwirtschaft hat die neue Schulleiterin, die in Kassel Agrarwissenschaften studiert hat und derzeit noch am Fachzentrum für Ökolandbau in Ebersberg und an der Fachschule für Ökolandbau in Landshut tätig ist, früh entdeckt. „Meine Großeltern hatten eine Landwirtschaft“, berichtete die 34-Jährige bei ihrem Besuch in unserer Redaktion. Nach einem einprägsamen Freiwilligen Ökologischen Jahr auf dem Bauernhof der Lebenshilfe in Martins- reuth/Oberfranken beschloss Graßl, sich zur Landwirtin ausbilden zu lassen. Während ihres Studiums führten sie Praktika nach Australien und Island. 

 Dreisemestrige Ausbildung 

Aus Weilheim, Garmisch, Mühldorf und Ulm kommen die Interessenten für die neue Fachschule in Weilheim. „Drei feste Anmeldungen und sechs Vormerkungen“ hat Graßl bisher und hofft, das erste Semester mit 16 Studierenden beginnen zu können. Unterrichtet wird zwei Wintersemester in Vollzeit, während das fachpraktische Sommersemester auf einem landwirtschaftlichen Betrieb stattfindet. In einer Hausarbeit wird der Praxisbetrieb „ökonomisch analysiert und weiterentwickelt“. 

 Für die Aufnahme werden die Abschlussprüfung in einem Ausbildungsberuf der Agrarwirtschaft oder eine entsprechende Berufspraxis vorausgesetzt. Einen großen Vorteil sieht Graßl für die Studierenden darin, „dass sie den Meisterbrief und den Abschluss zum Staatlich geprüften Wirtschafter für Ökologischen Landbau zeitgleich erwerben können“. Die Berufsaussichten sind laut Graßl sehr gut: „Im Biobereich werden gut ausgebildete Kräfte händeringend gesucht.“ 

 Vermieter bitte melden 

Der Besuch der Öko-Fachschule in Weilheim ist grundsätzlich kostenfrei. Lehrbücher, Exkursionen und die Unterkunft sind von den Studierenden selbst zu tragen. Laut Graßl werden noch dringend Vermieter gesucht, „möglichst nah an Weilheim“, wie die Schulleiterin betont. Auskunft und Infos zur Schule am AELF Weilheim gibt es unter Tel. 0881/994-0, per E-Mail: poststelle@aelf-wm.bayern.de oder unter www.aelf-wm.bayern.de.

 Bei ihrer Vorstellung auf der Regionalkonferenz zum Thema „BioRegio 2020“ Anfang März in Oberhausen fühlte sich Graßl „mit offenen Armen aufgenommen“. Die Frage, was sie persönlich am Öko-Landbau fas- ziniert, lässt die Leiterin des neuen Schulzweiges keine Minute offen: „Der Öko-Landbau wurde bisher sehr stiefmütterlich behandelt. Es ist dieser Gedanke der Kreislaufwirtschaft, der mich überzeugt: Das heißt, mit eigenen zur Verfügung stehenden Mitteln produzieren und am besten gleich in der Region vermarkten. Die zweite Schule ist sehr wichtig für Bayern.“ Graßl hält es für notwendig, dass der Öko-Landbau bereits in der Berufsschule thematisiert wird, wie dies in Österreich der Fall ist.

Von Maria Hofstetter

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