Am 1. Juni ist Tag der Organspende

Dem Tod einen Sinn geben

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Ein kleines Stück Papier, das Angehörigen eine schwierige Entscheidung abnehmen und Leben retten kann. Den Organspendeausweis gibt es bei Ärzten, im Gesundheitsamt und bei Krankenkassen.

Landkreis – Wieder sitzt Franz in dem kahlen Klinikzimmer. Wie oft er schon hier war? Er hat nicht mitgezählt. In seinem Arm steckt eine Kanüle. 

Durch einen Schlauch saugt der große Apparat mit den vielen Knöpfen Schluck für Schluck Blut in sich hinein. Gäbe es dieses Dialysegerät nicht, wäre Franz längst tot. Seit sechs Jahren wartet er auf eine neue Niere.

Franz ist nur fiktiv, doch er steht für über 8 000 Menschen in Deutschland, die auf eine neue Niere warten und für viele weitere, die auf andere Organe hoffen. „Täglich sterben statistisch gesehen drei Patienten auf der Warteliste, weil für sie nicht rechtzeitig ein passendes Organ gefunden werden kann“, erklärt Dr. med. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes.

„Wir haben ein Spenderorgan für Sie“, auf diesen erlösenden Anruf warten derzeit rund 12 000 Deutsche. Über 112 000 Organe wurden seit 1963 transplantiert. Zum Großteil Nieren, Lebern und Herzen. Im Durchschnitt nehmen rund 70 Prozent aller Menschen mit Transplantat ihr neues Organ gut an und können dem Tod entrinnen. Und das nur, weil andere Menschen sich bewusst dafür entschieden, nach ihrem Tod neues Leben zu schenken.

Treffen kann es jeden. Ein schwerer Unfall oder eine plötzlich auftretende Krankheit machen einen gesunden Menschen ganz schnell zu einem Patienten, der Tag für Tag auf eine Spende hofft. Die Wahrscheinlichkeit irgendwann selbst auf eine Organspende angewiesen zu sein, ist höher, als die, tatsächlich als Organspender infrage zu kommen. 

Ein kleines Kärtchen, das Leben rettet

Etwa 80 Prozent der Deutschen stehen der Organspende positiv gegenüber. Bis zu sieben schwerkranken Menschen kann ein Spender helfen. Einen Organspendeausweis haben jedoch nur knapp 20 Prozent ausgefüllt. „Nach wie vor gibt es in Deutschland einen akuten Organmangel“, bedauert Breu. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) haben in Bayern im Jahr 2011 189 Verstorbene ihre Organe gespendet, 2012 gab es nur noch 155 Spender.

Manche haben vielleicht Angst, dass die Ärzte nicht mehr alles tun, um zu helfen, nur weil der Patient Organspender ist. Doch diese Bedenken sind unbegründet. Jeder Arzt versucht bis zuletzt alles, um das Leben des ihm anvertrauten Patienten zu retten. Den Hirntod diagnostizieren zwei unabhängige Neurologen nach einem strikt festgelegten und verbindlichen Protokoll.

Hat der Verstorbene keinen Organspendeausweis, müssen die Angehörigen entscheiden. Wer das kleine Kärtchen ausfüllt, erleichtern seinen Lieben somit die schwere Entscheidung im Moment der Trauer. Auch eingetragene Einschränkungen werden selbstverständlich beachtet.

Was passiert mit meinen Organen? 

Wird der Hirntod festgestellt, meldet das Krankenhaus dies an die DSO. Hatte der Verstorbene einen Organspendeausweis, oder stimmen seine Angehörigen einer Spende zu, findet eine medizinische Untersuchung statt. 

Ein Koordinator leitet Ergebnisse, wie beispielsweise die Blutgruppe, an die Vermittlungsstelle Eurotransplant weiter. Diese sucht nach passenden Empfängern auf der Warteliste und informiert die zuständigen Transplantationszentren, welche wiederum die Patienten benachrichtigen.

Die Organentnahme wird mit der gleichen chirurgischen Sorgfalt wie jede andere Operation durchgeführt, Schnitte werden wieder zugenäht und verbunden. Die Leiche wird in keinster Weise entstellt und auch eine Bestattung kann ohne Verzögerung erfolgen. Der würdevolle Umgang mit dem Spender ist oberstes Gebot. 

Nach festgelegten Vorgaben werden die Organe vergeben. Erfolgsaussicht, Dringlichkeit und Chancengleichheit sind dabei einige der Kriterien, die im Transplantationsgesetz festgelegt wurden. So schnell es geht, werden die Organe nun an ihr Ziel gebracht. Ein Herz muss beispielsweise binnen sechs Stunden wieder schlagen, damit es weiter funktionieren kann. 

Namen erfahren weder Empfänger noch Angehörige des Verstorbenen. Letztere können jedoch erfragen, ob die Transplantationen erfolgreich waren und wie es den Empfängern geht. Über die DSO können die Empfänger auch einen anonymen Dankesbrief verschicken. „Fürs Leben – Für Organspende“ heißt eine Initiative der DSO, auf deren Homepage ein passender Satz steht: „Wer sich für eine Organspende entscheiden, entscheidet sich für Leben. Denn nichts lieben wir so sehr, wie das Leben, unser eigenes natürlich. Aber auch das unserer Liebsten.


Tag der Organspende

Mit dem Tag der Organspende am 1. Juni sollen möglichst viele Menschen erreicht werden: Der Ärztliche Kreisverband und das Gesundheitsamt informieren deshalb den ganzen Monat u?ber das Thema Organspende und Transplantation. Broschüren und Flyer liegen im Weilheimer Gesundheitsamtes im 1. Stock des Gebäudes II des Landratsamtes in der Stainhartstraße 7 auf. Auch Organspendeausweise gibt es dort und eine Ausstellung. Weitere Informationen gibt es auch unter www.dso.de, www.fuers-leben.de und Tel. 0800/9040400

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