Ortsumfahrung Hohenpeißenberg

Das Ziel für die Eröffnung heißt jetzt Juli 2017

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Besichtigten die Baustelle: Alois Stapf (Bauleiter Staatliches Bauamt), Georg Kees (Baufirma Schneider), Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch, Michael Kordon (Leiter des Staatlichen Bauamts),  MdL Harald Kühn und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (v. li.).

Hohenpeißenberg – Es ist das größte Straßenbauprojekt, das das Staatliche Bauamt Weilheim aktuell zu stemmen hat. Die Rede ist von der Ortsumfahrung Hohenpeißenberg. Seit 2009 laufen die Bauarbeiten bereits, jetzt scheint ein Ende absehbar: Noch vor den Sommerferien 2017 sollen die ersten Autos auf der neuen, 5,5 Kilometer langen Trasse rollen, hieß es am Montag bei einem Ortstermin, an dem auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt teilnahm.

Schon vor einem Jahr hatte sich Dobrindt vor Ort über den Stand des Projekts informiert, dessen Kosten bekanntlich der Bund trägt. Damals hatte die Hoffnung bestanden, dass die Ortsumgehung bereits Ende 2016 für den Verkehr freigegeben werden könnte. Beim Besuch des Bundesverkehrsministers am Montag war dieses Ziel allerdings schon längst wieder Makulatur. Die Schätzung sei sehr optimistisch gewesen, räumte Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts in Weilheim ein. „Da hätte alles passen müssen.“

Doch so glatt wie erhofft lief es nicht. Probleme bereitete der Mittelabschnitt zwischen den Talbrücken Eierbach und Kohlgraben, an dem seit August 2015 gearbeitet wird. Weil der ph-Wert des auszuhebenden Bodens zu hoch war und deswegen eine andere Grube für die Entsorgung gefunden werden musste, verzögerten sich die Erdarbeiten gleich um mehrere Wochen. Auch der viele Regen im Mai und Juni diesen Jahres, war „unschön für die Baustelle“, wie es Kordon formulierte. Denn durch die enormen Niederschlagsmengen rutschten Teile der noch nicht befestigten Böschung ab. Rund 2500 Tonnen Steine mussten anschließend aufwendig eingebracht werden, um sie zu stabilisieren, was ebenfalls Zeit kostete.

So sieht der aktuelle Stand der Planung aus.

Als nächstes steht ein besonders problematischer Bereich an. Ab August beginnen die Arbeiten am Los 8. In dem Teilabschnitt befinden sich Altlasten aus der Bergbauzeit, darunter eine Müllhalde. „Was genau sich hier verbirgt, wissen wir erst sicher, wenn gegraben wird“, so Kordon, weshalb sich Kosten und auch Dauer nur schwer kalkulieren lassen. Gefundener Müll muss schließlich fachgerecht beseitigt werden. Schon der Aufwand für die Entsorgung des mit Sulfat belasteten Bodens in diesem Bereich ist hoch. So werden weiter westlich 75 000 Kubikmeter unbelastetes Erdreich aus der Trassenböschung entnommen und weggefahren, um Platz für die rund 65 000 Kubikmeter an belastetem Material zu schaffen, das dort dann unter Deponie-Bedingungen eingebaut wird.

Aktuell rechnet man im Staatlichen Bauamt damit, dass der Mittelabschnitt bis Frühjahr 2017 fertiggestellt sein wird. Ab November sollen parallel die Arbeiten am Los 9 beginnen. Darin enthalten sind unter anderem die Fertigstellung der Anschlussstelle West sowie das Aufbringen der finalen Deckschicht über die gesamte Trassenlänge. Als letztes folgen dann die Fahrbahnmarkierung und Beschilderung. Die Verkehrsfreigabe könnte dann noch vor den Sommerferien 2017 erfolgen.

Mehr Überholstellen

Ursprünglich waren für das Projekt Kosten in Höhe von 33 Millionen Euro genehmigt worden. Aktuell schätzt Kordon, dass sich die Bausumme am Ende auf rund 40 Millionen Euro belaufen wird. Als Grund für die Steigerung nannte er neben den zusätzlichen Maßnahmen für die Hangsicherung und den noch nicht ganz abschätzbaren Kosten für die Altlasten auch eine Planungsänderung, die der Sicherheit der Autofahrer zugute kommt. So wird es auf der 5,5 Kilometer langen Strecke statt einer künftig drei Stellen geben, an denen ein zusätzlicher Fahrstreifen (zweimal in Richtung Peiting, einmal in Richtung Weilheim) gefahrloses Überholen ermöglicht.

Angetan vom Baufortschritt zeigte sich der Bundesverkehrsminister. Die geplante Eröffnung in einem Jahr sei eine „positive Perspektive“, betonte Alexander Dobrindt, der natürlich weiß, dass Pendler und vor allem die Hohenpeißenberger die Fertigstellung lieber heute als morgen sähen. „Die Leute sind in froher Erwartung“, bestätigte denn auch der Hohenpeißenberger Bürgermeister Thomas Dorsch. Kein Wunder, verspricht die Ortsumgehung doch eine spürbare Entlastung seiner Gemeinde vom täglichen Verkehr. „Nur noch 5000 statt 17000 Fahrzeuge pro Tag, die durch den Ort fahren. Das ist ein Riesenschritt“, betonte der Minister.

Dorffest auf der Umgehung?

Apropos Schritt: Möglicherweise kann ein Teilstück der neuen Umgehung vor der offiziellen Eröffnung zu Fuß erkundet werden. Alexander Dobrindt regte einen „Tag der Bevölkerung“ an, quasi ein großes Dorffest auf der neuen Trasse, ehe dort die Autos rollen. Ein geeigneter Termin soll jetzt in Abstimmung mit den Baufirmen gefunden werden.

Christoph Peters

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