Marktgemeinde informiert in Bürgerversammlung über Planungsstand für Rückhaltebecken

Kein schneller Hochwasserschutz

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Mehr als 250 Besucher informierten sich bei der Bürgerversammlung in der Tiefstollenhalle zum Thema „Hochwasserschutz“.

Peißenberg – Insgesamt 470 000 Euro wurden in der Marktgemeinde an staatlichen Soforthilfen an die von den Starkregenfällen betroffenen Haus- und Wohnungsbesitzer ausbezahlt. Für viele ist das freilich nur „der Tropfen auf den heißen Stein“, wie Bürgermeisterin Manuela Vanni bei der Bürgerversammlung zum Thema „Hochwasserschutz“ einräumte.

Vor allem in der Bach- und Jahnstraße hat es viele Anlieger schwer getroffen. Die Nerven liegen bei einigen Peißenbergern blank. Und so kam es nicht ganz unerwartet, dass sich im Rahmen der Bürgerversammlung der Frust entlud. Zielscheibe der Kritik war die Rathausverwaltung. Doch was tun, wenn selbst Wetterexperten wie Stefan Schwarzer von „unglaublich schwer vorherzusagenden Lokalschauern“ und „gigantischen Regenmengen“ sprechen?

Die Verantwortlichen im Rathaus hatten bei der Bürgerversammlung in der Tiefstollenhalle wahrlich keinen leichten Stand. Vanni und Bauamtsmitarbeiter Thomas Schamper berichteten über provisorische Maßnahmen wie die Erdwallaufschüttung südwestlich des Recyclinghofs. „Das hat super funktioniert“, erklärte Schamper und erläuterte den rund 250 Besuchern den Planungsstand zum innerörtlichen Hochwasserschutz.

Die wesentliche Erkenntnis des Info-Abends: Der Hochwasserschutz ist ein komplexes Thema, einfache und vor allem schnelle Lösungen wird es für Peißenberg nicht geben – obwohl schon seit Jahren über diverse Rückhaltebecken und technische Gewässerausbaumaßnahmen diskutiert wird.

Das schürt den Unmut. Ein Versammlungsteilnehmer fragte, ob die Gemeinde „wegen ihres zögerlichen Verhaltens“ nicht schadenersatzpflichtig sei. Auch warf er der Bürgermeisterin „eklatante Amtspflichtverletzung“ vor. „Ich weiß, dass einige an eine Klage denken. Aber neben Weilheim und Eberfing sind wir die einzige Gemeinde im Landkreis, die beim Hochwasserschutz konzeptionell schon so weit ist“, konterte Vanni.

Der Hintergrund: Weil das Ausmaß der von einem Ingenieurbüro erstellten Überschwemmungskarte in der öffentlichen Debatte unter anderem von Bauherrn und Grundeigentümern stark angezweifelt wurde – Vanni: „Da war von Klein-Venedig die Rede“ – hat die Gemeinde die Überflutungszonen neu berechnen lassen. Das kostete Zeit. „Nun hat sich gezeigt, dass die ursprüngliche Kartierung zu 99,8 Prozent stimmt. Aber es ist immer sehr leicht, hinterher zu kritisieren“, warb Vanni in der Bürgerversammlung um Verständnis.

Man sei sich im Gemeinderat einig, dass der Hochwasserschutz „absoluten Vorrang“ vor anderen Projekten habe. „Aber bis alle Maßnahmen umgesetzt sind“, schränkte Vanni ein, „wird einige Zeit ins Land gehen. Und selbst dann kann man niemandem versprechen, dass kein Grundstück mehr unter Wasser steht.“

Kurzfristig will die Gemeinde unter anderem ein Hochwassermeldesystem einrichten, an den Seitenstraßen entlang der Bachstraße Pfostenhülsen für Hochwasserschutzbretter installieren und an den beiden Zufahrten zur Bachstraße Absperrschranken errichten. Damit soll bei Hochwasser verhindert werden, dass durchfahrende Autos Flutwellen erzeugen. Auch will die Rathausverwaltung mit den zuständigen Fachbehörden abklären, inwieweit sich der Bau der Hohenpeißenberger Umgehungsstraße auf die Wasserströme Richtung Peißenberg ausgewirkt hat.

Vanni bat zudem die Anwohner um „Mithilfe“ und verwies in diesem Zusammenhang auf die ehrenamtlich tätige Ammerwehr: „So eine ähnliche Gruppierung würden wir gerne für die Bachstraße einrichten.“ Auch stellte Vanni in Aussicht, dass die Gemeindewerke den bei den Aufräumarbeiten entstandenen Energie-Mehrverbrauch kulant verrechnen: „Für diejenigen, die den Strom über die Werke beziehen, werden wir eine Lösung finden.“

Ein Versammlungsteilnehmer schlug vor, den Querschnitt der Bäche und damit die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen. Klingt zunächst logisch, bringt aber Folgeprobleme mit sich: „Dann säuft das Unterdorf ab“, warnte Feuerwehr-Kommandant Michael Schleich. Ab dem Bereich Ludwigstraße/Bachstraße sei der Wörtersbach verrohrt. „Wenn das Wasser schneller fließt“, erklärte Schleich, „dann bringen wir es dort nicht mehr weg.“

Zitate aus der Versammlung

„Das sind lokale Schauerzellen. Wen es erwischt, ist Lotterie.“ Wetterbeobachter Stefan Schwarzer.

„Beim letzten Hochwasseralarm hatte ich am Anfang zehn Einsatzkräfte zur Verfügung. Da sitzt man auf Kohlen.“ Kommandant Michael Schleich über logistische Probleme der Feuerwehr.

„Auch wir sind lernfähig. Wir werden einen Notfallplan erstellen.“ Hauptamtsleiter Johannes Pfleger.

„Ich rate dazu, eine Elementarversicherung abzuschließen.“

Bürgermeisterin Manuela Vanni, deren Aussage von Teilen der Versammlung mit Gelächter quittiert wurde.

Von Bernhard Jepsen

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