Gemeinderäte attackieren Rathausspitze – Vanni und Rößle wehren sich

Ärger um Flut-Management?

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Kaum noch ein Durchkommen gab es an der Bachstraße in Peißenberg.

Peißenberg – Der Umgangston im Marktgemeinderat wird zunehmend ruppiger. Zielscheibe der Kritik ist zumeist Bürgermeisterin Manuela Vanni.

Vor allem die SPD-Fraktion arbeitet sich an ihrer ehemaligen Parteigenossin ab. Zur Erinnerung: Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2008 wurde Vanni von der Peißenberger SPD noch mit viel Euphorie als Spitzenkandidatin nominiert. Drei Jahre später kam es dann zum Bruch. Seitdem begegnet man sich in tiefer Abneigung.

In der jüngsten Marktratssitzung waren unter anderem die Hochwasserereignisse der letzten Wochen Auslöser für Attacken auf die Rathauschefin. Jutta Geldsetzer (SPD) berichtete von einem „gewissen Missmut, der sich auf den Straßen breitmacht“. Manche Bürger, die vom Unwetter betroffen sind, seien mit dem Hochwassermanagement der Rathausspitze unzufrieden. Geldsetzers Fraktionskollege Georg Karl schlug in die gleiche Kerbe: „Wenn schon die Erste Bürgermeisterin keine Zeit hat, dann hätte ich wenigstens erwartet, dass die Zweite Bürgermeisterin ihre Gummistiefel anzieht und zumindest moralische Unterstützung leistet.“ Karl griff auch diverse Rathausabteilungen an: „Wo war denn das Bauamt? Wo war das Ordnungsamt? Es waren schließlich Brücken gefährdet.“ Konkret ging es bei der Debatte um das erste Starkregenunwetter am 29. Mai. Die Rathauschefin weilte just zu dieser Zeit noch auf Dienstreise beim Städte- und Gemeindetag in Leipzig.

„Wir können gerne in persönliche Angriffe übergehen“, erwiderte Vanni auf Karls Kritik. „Ich habe versucht am Sonntag-Abend eine Zugheimfahrt zu bekommen, was aber aufgrund des gleichzeitigen Katholikentags nicht möglich war.“ Und: „Ich finde es unmöglich, einem jetzt solche Vorwürfe zu machen. Ich konnte das Unwetter doch nicht vorhersehen.“ Auch Vize-Rathauschefin Sandra Rößle verteidigte sich: „Ich war an dem Sonntag im Rathaus und bei der Feuerwehr. Ich bin nur nebenberuflich als Zweite Bürgermeisterin tätig. Ich kann nicht mit allen betroffenen Bürgern sprechen.“

Johannes Pfleger wehrte sich ebenfalls gegen die Kritik. Am 29. Mai habe man unter anderem im Rathaus versucht, ein Bürgertelefon einzurichten: „Aber das glauben Sie gar nicht, mit welchen Problemen das behaftet ist“, ließ der Hauptamtsleiter die Gemeinderäte wissen. Solch plötzlich auftretende Starkregenfälle habe es bislang in Peißenberg nicht gegeben. Katastrophen-Pläne seien bis dato nur für den Fall von Überschwemmungen im Bereich der Ammer in der Schublade gelegen. „Jetzt haben wir es offensichtlich häufiger auch mit starken Platzregen zu tun. Damit müssen wir uns jetzt beschäftigen“, erklärte Pfleger. „Wir müssen dafür einen Notfallplan bereitstellen. Das ist die erste Erkenntnis aus den Unwettern.“

Größere Beschwerden habe es im Rathaus derweil nicht gegeben. Bei ihm im Büro seien zwar einige vom Hochwasser betroffene Bürger gesessen, und natürlich habe es auch kritische Äußerungen gegeben: „Aber wenn man ihnen die Situation genau erklärt hat“, so Pfleger, „dann haben sie durchaus Verständnis gezeigt.“

Von Bernhard Jepsen

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