Aufsichtsrat stimmt Plänen zu – Personal soll in Weilheim und Schongau unterkommen

Aus für Peißenberger Krankenhaus

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Der Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH hat entschieden: Das Peißenberger Krankenhaus wird Anfang 2016 geschlossen.

Peißenberg – „Was wir beschlossen haben, hat eine enorme Tragweite“, ist sich Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, im Klaren. Seit Mittwoch steht nun endgültig fest: Das Krankenhaus in Peißenberg wird zugemacht. Im Februar oder März ist endgültig Schluss.

Es war kein leichter Gang für die Aufsichtsräte am letzten Mittwoch. Viele hatten erst durch die Medien erfahren, was geplant wird. Dennoch sollte es „kein bloßes Abnicken sein“, erklärte Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Daher wurde mehrere Stunden das erarbeitete Konzept für die Zukunft genau besprochen.

Schließlich stimmte der Aufsichtsrat dem auch komplett zu, was Lippmann sehr wichtig war. „Ich möchte, dass alle beteiligten Gruppen hinter uns stehen.“ Zwar sei er „mit einer Mischung von Gefühlen“ in die Besprechung gegangen. Dennoch ist er überzeugt: „Es ist die beste Lösung.” Diese beinhaltet auch für die Mitarbeiter eine Perspektive. Den alle sollen weiterhin in den Kliniken in Weilheim und Schongau beschäftigt bleiben. „Für die GmbH und die Mitarbeiter ist es eine riesengroße Chance”, sagt Lippmann. Es werde versucht, auch auf die persönlichen Präferenzen der Angestellten einzugehen und sie in passenden Stellen am gewünschten Ort einzusetzen.

„Es gab eigentlich keine andere Möglichkeit”, glaubt Dr. Wilhelm Fischer, der seit 31 Jahren Chefarzt in Peißenberg ist. „Die Entscheidung hat sich jetzt angeboten”, sei der Moment gerade passend, da eine entstandene Lücke geschlossen werden könne; denn Dr. Andreas Eder, der in Schongau seit Anfang des Jahres Ärztlicher Direktor der Klinik war, wechselt an eine Privatpraxis. Fischer übernimmt für ihn.

Die Integration in die Klinik Schongau sieht er positiv. Zwar hänge er stark an dem Peißenberger Krankenhaus, dennoch sei die gefundene Lösung wesentlich sinnvoller als die Schließung, die ohnehin spätestens in zwei Jahren gedroht hätte.

Dass das Personal des Peißenberger Krankenhauses arbeitslos wird, wollte Fischer vermeiden. „Dann hätte es einen Sozialplan gegeben und wir wären als Bittsteller dagestanden“, bevorzugt er die jetzige Entscheidung.

In Schongau werde man mit offenen Armen empfangen. Viel Zeit bleibt jedoch nicht, um alle Details für den Umzug zu planen. Bereits am 1. Oktober beginnt Fischer in Schongau als Ärztlicher Direktor. Im Januar tritt er dort dann auch seine Stelle als Chefarzt der Inneren Medizin an.

So schnell wie möglich sollen dann auch die Geräte und das Team folgen. „Wir wollen auch den Geist von Peißenberg mitnehmen”, hofft Lippmann, dass nicht nur das hervorragende medizinische Wissen, sondern auch die familiäre Atmosphäre durch den Ortswechsel beibehalten werden können.

„So leid es mir für Peißenberg tut”, bedauert auch Oberarzt Dr. Claus Holm den Weggang, „im Vordergrund steht die Sicherung der Arbeitsplätze.” Ein sicherer Job sei gerade für jüngere Angestellte sehr wichtig. Er sei daher von der gefundenen Lösung „absolut überzeugt”.

Auch die 35 Betten aus Peißenberg sollen nicht verloren gehen. Lippmann will alles versuchen, um die Genehmigung des Ministeriums zu bekommen, die Plätze auf Schongau und Weilheim aufzuteilen. Derzeit sind es 180 in Schongau und 160 in Weilheim. „Kein Patient muss Angst haben, dass er nicht unterkommt”, beruhigt er. Insgesamt 400 Betten sollen letztendlich in beiden verbleibenden Häusern entstehen. „Das ist eine vernünftige Größe, mit der man arbeiten kann”, sagt Lippmann.

Von der „Situation zunächst überrannt” war Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Dennoch ist auch sie sich sicher: „Es ist eine Win-win-Situation für alle.” Einerseits entstehe Sicherheit für das Personal, das im altbewährten Team weiterarbeiten könne. Andererseits seien die Peißenberger Mediziner ein weiteres Zugpferd für die Schongauer Klinik.

Dort soll das Angebot sogar noch ausgebaut werden, beispielsweise mit einem Arzt für Lungenheilkunde und auch die Gefäßchirurgie wird laut momentanem Plan noch weiter verstärkt. Verschiedene Experten habe man schon im Auge, verrät Fischer. Außerdem soll eine sehr enge Zusammenarbeit mit den anderen bereits vorhandenen Abteilungen entstehen. „Basismedizin mit der ein oder anderen Spezialität dazu“, wie es Holm bezeichnet.

Wie es mit dem Gebäude in der Hauptstraße weitergeht, ist derzeit noch ungewiss. Mit dem Wegfall des Akutkrankenhauses ist die Bundesknappschaft, der das Haus eigentlich gehört, wieder alleine zuständig. Denn die Kooperation mit der Krankenhaus GmbH, die seit 1995 besteht, beinhaltet einen sogenannten Rückübereignungsanspruch. „Das ist eine rechtliche Sache”, versichert Jochner-Weiß, dass nun zunächst alle Verträge penibel geprüft werden. Ideen gäbe es schon zahlreiche, lässt die Landrätin in eine potenzielle Zukunft blicken: „Alles Dinge, die im weitesten Sinn mit Medizin zu tun haben.” Die Knappschaft stehe einer neuen Verwendung gegenüber offen, jedoch sei das noch alles Zukunftsmusik.

Zu 100 Prozent verabschieden sich Fischer und Holm allerdings nicht aus Peißenberg. Einmal in der Woche ist eine ambulante Sprechstunde angedacht, die gerade für ältere Patienten, die nicht mehr mobil sind, einen Nutzen bringen soll. Wer allerdings eine stationäre Behandlung benötigt, muss den weiteren Weg in Kauf nehmen.

„Wir hatten immer ein sehr treues Klientel. Man entwickelt Beziehungen”, sagt Holm. „Ich hoffe, dass unsere Patienten uns auch weiter die Treue halten.” Das wünscht sich auch Lippmann: „Die Bevölkerung muss mitgehen, damit das Konzept aufgeht.”

Von Ursula Gnadl

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