Peißenberger zeigen Interesse an Energiewende

"Lasst uns das gemeinsam machen!"

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Die Peißenberger wollen bei der Energiewende mitmachen. Das zeigte sich auch nach der Bürgerversammlung, als sich viele Besucher in die Adresslisten eintrugen, um den vorbereiteten Satzungsentwurf für die Energiegenossenschaft zugeschickt zu bekommen.

Peißenberg – Der kommende Montag, 3. Juni, wird zumindest in der Marktgemeinde als historisches Datum in die Annalen eingehen: Dann nämlich soll im „Rigi-Rutsch´n“-Bistro eine bürgerschaftlich getragene Energiegenossenschaft aus der Taufe geholt werden.

Der Name steht mit „Energieversorgung Pfaffenwinkel eG“ bereits fest und auch an Gründungsgenossen wird es vermutlich nicht mangeln: Rund 150 Besucher kamen kürzlich in die Tiefstollenhalle, um sich bei einer außerordentlichen Bürgerversammlung über die „Energieversorgung in Bürgerhand“ aufklären zu lassen.

Warum ist es so wichtig, den örtlichen Energiebedarf künftig über eigene Erzeugungsanlagen zu decken? Das war eine der zentralen Fragen, der sich die Referenten während der knapp zweistündigen Informationsveranstaltung widmeten. Nach Einschätzung von Landkreis- Klimabeirat Hans Arpke gibt es im Zuge des beschlossenen Atomausstiegs wenig Alternativen: „Wenn wir nicht aufpassen und alles so laufen lassen, werden wir an die alten Braunkohlekraftwerke im Osten angehängt.“

Der Ausbau von regionalen und umweltverträglichen Stromquellen sei deshalb eindeutig der bessere Weg. „Wenn wir eine intelligente Versorgung vor Ort machen“, argumentierte Arpke, „dann sind wir auch nicht abhängig von den großen Stromkonzernen.“ Die geeignetste Plattform für die Umsetzung von regionalen Projekten zur regenerativen Energieerzeugung, das versicherte EWO-Vorstandsmitglied Ingo Martin, sei nach den bisherigen Erfahrungen die Genossenschaft. Sie sei „basisdemokratisch“ organisiert, in ihrer Haftung begrenzt und würde die kommunale Wertschöpfungskette ankurbeln. Zudem müssten die Genossen nicht wie die großen Stromkonzerne vorgegebenen Renditezielen nachhecheln: „Die Energiewende wird erst mal teuer. Wir kaufen uns letztlich Preisstabilität für Energie“, so Martin.

Auch Bürgermeisterin Manuela Vanni hielt ein eindringliches Plädoyer für die Energiegenossenschaft: Die Gemeinde könne die Energiewende nur gemeinsam mit den Bürgern stemmen. Man müsse den „Verteilungskampf“ mit den großen Stromkonzernen aufnehmen und ein „Wir-Gefühl“ in der Bevölkerung entfachen: „Lasst uns das gemeinsam machen, zum Wohle unseres Ortes“, appellierte Vanni an die Versammlungsteilnehmer, die sich an der Genossenschaft beteiligen. Es werde „sicher viele Projekte“ geben, die von der Genossenschaft umgesetzt werden könnten – auch das vom Verein „Lebenswertes Peißenberg“ vorgeschlagene Solarkraftwerk an der B 472 sei ein Thema, allerdings: „Ich persönlich glaube, man sollte mit was kleinerem anfangen. Aber das entscheidet allein die Genossenschaft“, so Vanni.

Einer der Gründungsgenossen wird wohl Hans Fischer sein, den die kommunalpolitische Diskussionen über das mögliche Solar- Lärmschutzprojekt nerven: „Ich kann es nicht mehr hören. Es geht doch jetzt erst einmal um die Gründung der Genossenschaft“, meldete sich der Inhaber der Sulz-Gaststätte in der Versammlung zu Wort – und bekam dafür auch reichlich Applaus: „Ich riskiere gerade mal 200 Euro, kann dann aber endlich ohne den Gemeinderat entscheiden.“

Von Bernhard Jepsen

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