Pollings Alte Ziegelei wird aufwändig restauriert – Erster Bauabschnitt vor Vollendung

Aus dem Dornröschenschlaf erweckt

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Die Luftaufnahme zeigt die Ziegelei in den 1970er Jahren nach der Stilllegung.

Polling – Der Pollinger Unternehmer Hans Kleissl ist darauf spezialisiert, alte Autos mit Knowhow und Liebe zum Detail zu neuem Leben zu erwecken. Mit seiner Firma „HK Engineering“ hat er sich für die Instandsetzung der legendären Mercedes 300 SL-Sportwagen international einen Namen gemacht. Doch nicht nur automobilen Juwelen gilt seine Leidenschaft.

Mit viel Herzblut widmet sich der gebürtige Regensburger auch alten Gebäuden, um sie zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen. Bereits 1978 hatte Kleissl das ehemalige Klostergut in Polling erworben und zum Sitz seiner Oldtimerschmiede ausgebaut. Das unter Denkmalschutz stehende Anwesen bildet seither einen stilvollen Rahmen für die dort eingestellten Raritäten.

Mit dem Kauf und der Renovierung der benachbarten Alten Ziegelei hat sich der Investor im Jahr 2014 einer weiteren millionenschweren Herausforderung gestellt. Der erste Bauabschnitt steht kurz vor der Vollendung.

Oldtimermarkt boomt

Mehrere Gründe waren für Kleissl ausschlaggebend, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen. So sollten mit dem Ensemble ein altes Industriedenkmal möglichst originalgetreu wieder hergestellt und gleichzeitig sein Restaurationsbetrieb für Automobile erweitert werden.

Neben den Mercedes-Oldtimern werden künftig auf dem historischen Gelände hochwertige Classic-Modelle der Marken Porsche und Ferrari instand gesetzt, erläuterte Wolfgang Wohner bei einem Rundgang auf der Baustelle. „Der Oldtimermarkt boomt“, begründete der Geschäftsführer von „HK Classics“ die Erweiterung. Für die genannten Fabrikate werden deshalb eine Restaurationswerkstatt sowie Ausstellungs- und Übergaberäumlichkeiten in der ehemaligen Ziegeltrocknungshalle eingerichtet.

Im Obergeschoss wurde ein Eventraum etabliert, der für Veranstaltungen, wie Hochzeiten und Firmenfeste, gemietet werden kann. Das sichtbare Tragwerk, alte Transmissionsräder und Elektroinstallationen aus der Vorkriegszeit geben diversen Feierlichkeiten einen effektvollen Rahmen.

Für Mitte/Ende Juni ist die Einweihungsfeier für den gesamten ersten Bauabschnitt geplant, der endgültige Termin wird noch mit der Gemeinde abgestimmt.

Der Ringofen – eine bauliche Rarität

In dem bereits begonnenen zweiten Bauabschnitt wird das Kernstück des Gesamtkomplexes, die Ziegelbrennerei, umgebaut. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Ringofen, der im Jahre 1887 errichtet wurde und seinerzeit als große technologische Neuentwicklung galt. Die Besonderheit dieser Bauweise bestand darin, dass der Ofen im Gegensatz zu den damaligen konventionellen Anlagen kontinuierlich betrieben wurde, so dass der Brennstoffbedarf erheblich reduziert werden konnte.

Die Pollinger Anlage wurde Anfang der 1970er Jahre wieder außer Betrieb genommen und seither unverändert belassen. So kam es, dass diese Anlage – neben einer weiteren – die einzige noch in Deutschland existierende ihrer Art ist und damit ein bedeutendes Industriedenkmal darstellt.

 

Kamin bleibt stehen

„Ähnlich wie bei den Oldtimern wird auch bei der Gebäuderestauration die alte Bausubstanz soweit wie möglich erhalten bleiben“, erklärte Wohner die Herangehensweise bei den Umbauten. So arbeite man bei allen Baumaßnahmen eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammen. Der gemauerte Kamin, der trotz seiner Krümmung eine hervorragende Stabilität aufweist, wird als weithin sichtbares Zeichen erhalten bleiben.

Das Ringofengebäude wird als zentraler Bau im Erdgeschoss eine Ausstellungshalle für Kraftfahrzeuge und einen Gastronomiebetrieb beherbergen, für den im Innenhof auch ein überdachter Freiplatz vorgesehen ist. Das Obergeschoss wird zu einzelnen Wohneinheiten und Künstlerateliers ausgebaut. Für Künstler Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen ist Kleissl ein Anliegen, soll doch damit die lange Tradition Pollings als bedeutender Standort für Kunst und Kultur weitergeführt werden.

Läuft alles nach Plan, soll der zweite Bauabschnitt bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Für den Umbau alter Bausubstanz ist dies eine sportliche Herausforderung, wie auch Wohner einräumte. Die ehemalige Villa an der Weilheimer Straße soll ebenfalls in modernen Wohnraum umgebaut werden.

Von emh

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