Potenziale nutzen

Der Landkreis Weilheim-Schongau hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Nach einer im Oktober 2007 verabschiedeten Kreistags-Resolution sollen die klimarelevanten Treibhausgasemissionen in der Region bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent reduziert werden. Welche Motivation und Aufgabenstellung hinter dem Vorhaben steckt, darüber ging es kürzlich bei einem Vortrag, den Dr. Werner Zittel im Landratsamt zum Thema „Klimaschutzkonzept des Landkreises Weilheim-Schongau – Energiewende Pfaffenwinkel“ hielt.

Der Diplom-Physiker der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH ließ vor etwa 20 Besuchern keinen Zweifel daran, dass der Strukturwandel auf dem Energiesektor bereits eingeläutet ist: „Wir werden gezwungen sein, etwas zu ändern“, sagte Zittel im Hinblick auf die begrenzten Erdöl- und Erdgasvorkommen. Trotz aufwendiger Explorationen würden kaum noch neue Reserven gefunden, was wiederum eine zunehmende Preisvolatilität zur Folge habe. Umso wichtiger sei es, möglichst zeitnah den Anteil an erneuerbaren Energien auszubauen. „Wir müssen es eben nur machen und so hinbekommen, dass es nicht zu teuer wird“, versuchte Zittel Aufbruchstimmung zu vermitteln. Im Landkreis soll die Energiewende in drei Schritten vollzogen werden. Nach einer etwa dreimonatigen Analyse des heutigen Energieverbrauchs (Wie viel Energie wird verbraucht? Welchen Anteil daran haben Privathaushalte, Land- wirtschaft, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen?) folgt in Phase zwei die Ermittlung von Nutzungs- und Einsparpotenzialen. Gegen Ende des Jahres will man schließlich erste Ergebnisse und konkrete Umsetzungsstrategien präsentieren. Zittel rechnet vor allem mit „vielen kleinen Maßnahmen“, die eine hohe Wirkung entfalten und den fossilen Energieverbrauch entscheidend drosseln sollen. Eine Gemeinde wie Antdorf, rechnete der Experte vor, könnte über Photovoltaikanlagen mehr Strom erzeugen, als sie verbrauchen würde. „Da gibt es gigantische Potenziale“, schwärmte Zittel. Der zweite Referent des Abends, Uwe Dankert, der über seine Erfahrungen im Landkreis München berichtete, empfahl den Aufbau eines Kommunikationsnetzwerks, in dem Gemeinden individuell beraten und technische Fragen diskutiert werden. Zudem könnten Förderanreize – etwa für Wohnungsbaugesellschaften – die Energiewende beschleunigen. „Wichtig ist“, ergänzte Zittel, „dass in möglichst vielen Gemeinden etwas passiert“. Voraussetzung für ein erfolgreiches Energiekonzept sei es, dass sich die Landkreisbürger damit identifizieren und Ideen einbringen. Die eher geringe Besucherresonanz am Vortragsabend nahm die Stabstellenleiterin für Wirtschaftsförderung im Landratsamt, Justina Eibl, nicht weiter tragisch. Bei abstrakteren Themen ohne unmittelbare Betroffenheit, so ihre Begründung, halte sich das Interesse erfahrungsgemäß in Grenzen. Demnächst will man das Energiekonzept aber stärker in die Öffentlichkeit bringen. Über die Internetseite des Landratsamts www.weilheim-schongau.de soll bald eine Informationsplattform ans Netz gehen.

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