21-Jährige meistert mit zwei Kindern Ausbildung in Teilzeit – Hilfe von Projekt Pauline

Junge Mutter mit Zukunft

+
Jessica Kritek ist glücklich über ihre Ausbilungsstelle in der Orthopädischen Gemeinschftspraxis.

Weilheim – Jessica Kritek geht jeden Morgen, wie viele andere 21-jährige junge Frauen, in die Arbeit. Ihr Ausbildungsplatz, die Orthopädische Gemeinschaftspraxis, ist in Starnberg. Davor muss sie aber ihre zwei Kinder, fünf und zwei Jahre, in den Kindergarten bringen.

Jessica Kritek muss pünktlich in der Arbeit sein, sie ist noch in ihrer Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, die sie aber in Teilzeit macht. So bringt sie Familie und Arbeit unter einen Hut, und das sehr beispielhaft. Die junge Mama bekam durch das Projekt Pauline von der Arbeitsagentur mehr Ansporn, damit sie sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt. „Da hätte ich mich vorher niemals ran getraut. Ich wusste nicht einmal, wie man das macht“, erklärte sie. Jessica war sechs Jahre zu Hause. Dann holte sie ihren Hauptschulabschluss mit der Brücke nach und meldete sich beim Projekt Pauline an. Sie besuchte fleißig die Vorbereitungsseminare bei der BIB in Weilheim, wo Bewerbungstraining und eine Eignungsanalyse gemacht wurden. Dann schrieb sie ihre erste Bewerbung für ein Praktikum bei der Gemeinschaftspraxis. Sie wurde zu einem Gespräch eingeladen. Nach fünf Tagen Probearbeiten bekam sie den Ausbildungsvertrag in Teilzeit. „Mein Selbstwertgefühl wurde durch diese Chance aufgepuscht.“ Auf die Frage, wieso sie sich für eine Ausbildung entschieden hat, sagte sie: „Ich wollte es aus freien Stücken selbst schaffen. Jetzt fühle ich mich viel unabhängiger und ich mache etwas für meine Zukunft und die meiner Kinder.“ Außerdem wirkt sich ihre Berufstätigkeit positiv auf ihre Partnerschaft aus. Ihr Mann ist Polizist und arbeitet auch mal nachts. „Nun habe ich ihm auch etwas zu erzählen, wenn er heim kommt“, erklärte Jessica Kritek. Durch ihre Ausbildung bekommt die 21-Jährige eine solide Grundlage. „Eine Ausbildung ist die beste Lebensversicherung“, sagte Maria Vogl von der Arbeitsagentur. Viele Betriebe haben keine Erfahrung mit Teilzeitausbildung. „Sie kennen es nicht“, sagte sie. Im November 2015 hat Jessica Kritek ihre Ausbildung beendet. Schafft sie es denn auch pünktlich in die Berufsschule? „Meistens schon. Aber meine Lehrer und der Direktor wissen Bescheid, dass es sein kann, dass ich mich verspäte. Das ist aber nicht schlimm. Meine Noten sind gut“, erklärte die zweifache Mama. „Da müssen Betriebe und Schulen auch mehr Flexibilität zeigen“, meinte Anette Farrenkopf, Vorsitzende der Arbeitsagentur. VeränderungenJessica Kritek lernte mehr Verantwortungsbewusstsein zu übernehmen, auch ihren Kollegen gegenüber, wie sie es beim Gespräch in der Arbeitsagentur erwähnte. „Meine Eltern, Schwiegereltern und meine Umgebung merken schon, dass ich mich verändert habe.“ Eine große Rolle spielt auch ihr Schwiegerpapa jeden Morgen. „Er kratzt mir das Auto frei, damit ich die Kinder wegbringen kann. Vielen Dank dafür“, lächelte sie. Glücklich machte sie ihr Sohn, als er einmal sagte: „Ich bin stolz, dass meine Mama beim Arzt arbeitet.“ Das Projekt Pauline ist freiwillig und keine Maßnahme vom Arbeitsamt. Die Gruppendynamik spornt die Teilnehmer an, auch wenn eine negative Erfahrung gemacht wurde. „Schwamm drüber, weiter geht’s“, heißt es dann. Betriebe, die Interesse an einer Ausbildung in Teilzeit haben, können sich beim Arbeitgeberservice der Agentur melden. 


Was ist das Projekt Pauline?

Das Projekt Pauline ist für Frauen und Männer geeignet, die Kinder zu Hause haben oder sich um die Pflege Angehöriger kümmern. Wer Interesse hat, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, kommt am Montag, 25. Februar, um 9 Uhr zu der Infoveranstaltung in die Christoph-Selhamerstraße 4 in Weilheim. Dort werden die Perspektiven für eine Ausbildung in Teilzeit sowie der Ablauf und die Inhalte der Module besprochen. 


Von Alma Jazbec

Meistgelesene Artikel

Es war einmal...

Region – Geschichten dienen als kulturelles Gedächtnis der Gesellschaft und sie regen die Fantasie an. Eine Form des Geschichtenerzählens ist das …
Es war einmal...

Großes Lob für "Schutzengel"

Peißenberg – Ein bisschen umkam Georg Off ja schon das „schlechte Gewissen“, als er bei der Ehrungsfeier für die knapp 90 aktiven Schülerlotsen im …
Großes Lob für "Schutzengel"

KönigsCard ab Mai

Landkreis – Die Gäste im Blauen Land, im Werdenfelser Land und im Allgäu nutzen sie bereits: Die KönigsCard, die ihnen im Urlaub zahlreiche …
KönigsCard ab Mai

Kommentare