Raisting wird aktiv – Planungen unabhängig von der Birkenallee

Sicherer Radweg hat Priorität

+
Bürgermeister Martin Höck tüftelt über mögliche Trassenverläufe eines Radweges von Raisting nach Dießen. Die neuen Begrüßungsschilder werden demnächst montiert.

Raisting – Der Termin steht für die Einweihung der Radwegverbindung entlang der Birkenallee südlich des Ammersees von Dießen nach Fischen: Am Sankt-Nimmerleins-Tag, also nie. Da können noch so viele Radldemos stattfinden und noch mehr Machbarkeitsstudien für viel Geld in Auftrag gegeben werden. Solange das Diktum der Regierung von Oberbayern und der Unteren Naturschutzbehörden in Weilheim und Landsberg besteht, wird sich nichts ändern:

„Ein Radweg entlang der Birkenallee im Ramsar-Schutzgebiet Ammersee-Süd ist naturschutzrechtlich und planungsrechtlich nicht zulässig!“ Das notwendige Planfeststellungsverfahren wurde im Oktober 2008 eingestellt. Ein letzter Vorstoß ist endgültig 2010 gescheitert. Die Bürger und die betroffenen Gemeinden Dießen, Raisting und Pähl wollen das nicht einfach hinnehmen und die unendliche Geschichte irgendwann zu Gunsten der Sicherheit der immer mehr werdenden Radfahrer wenden. Deshalb wurde eine neue Machbarkeitsstudie für die Trasse Dießen-Fischen entlang der Staatsstraße 2056 in Auftrag gegeben, bei der auch ein Radweg von Dießen nach Raisting berücksichtigt werden sollte. Aber aus Gründen wie auch immer, die Rede ist von einem „Kommunikationsproblem“, wurde die Machbarkeit dieser dringend notwendigen Verbindung nicht geprüft. Zu einem Besprechungstermin mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim waren die Bürgermeister von Dießen und Pähl eingeladen, Raistings Gemeindechef Martin Höck aber wurde schlichtweg „vergessen“. Der Raistinger Gemeinderat zog daraus die Konsequenzen und beschloss, sich an den Kosten der Studie nicht zu beteiligen. Ursprünglich sollte jede der Gemeinden ein Drittel der circa 10 000 Euro mit tragen.

Der Raistinger Gemeinderat ging jetzt noch einen Schritt weiter. Da für die Gemeinde eine direkte Radwegverbindung nach Dießen Priorität hat, wurde diskutiert, hierfür eine eigene Machbarkeitsstudie zusammen mit der Gemeinde Dießen in Auftrag zu geben. Ein entsprechendes Kostenangebot über rund 6200 Euro vom Ingenieurbüro Narr-Rist-Türk liegt inzwischen vor. Ob die Beauftragung erfolgt, wird sich nach den Ergebnissen des neuen Gutachtens bezüglich des angedachten Radwegs entlang der Birkenallee zeigen.

„Uns geht es ausschließlich um die Sicherheit der Radfahrer auf der schmalen Kreisstraße, wo die Sicht an vielen Stellen durch dichte Büsche und Bäume eingeschränkt ist“, betont Höck. Ideal sei ein „straßenbegleitender Radweg entlang der Kreisstraße WM9/LL10“, was aber einige Probleme aufwirft wie Naturschutzflächen, Bahngleise und Kreuzung der Staatsstraße in Richtung See. Insgesamt sieben Varianten des Radwegs von Raisting nach Dießen müssten geprüft werden, wobei nach Höcks Meinung nur ein durchgehender Radweg von der Bevölkerung richtig angenommen werde.

Die Pläne der Raistinger Gemeindevertreter sollen laut Höck weder den weiteren Vorstoß in Sachen Radweg Birkenallee noch die Raistinger Schleife tangieren. Die ist übrigens der offiziell ausgeschilderte Radweg. Von Dießen geht es zuerst nach Raisting und dann in einem Bogen zurück nach Fischen, was einen Umweg von circa drei Kilometer ausmacht. Selbst die Polizeiinspektion Landsberg stellt fest: „Da der Umweg über Raisting nach unserer Erfahrung aber nicht akzeptiert wird, könnte durch einen Radweg entlang der Birkenallee die Verkehrssicherheit erheblich verbessert werden.“

Für den direkten Weg entlang der Birkenallee kämpft seit langem die „Initiative Radwege Ammersee-Süd“ mit Prof. Ernst Roeckl an der Spitze. Seine Radldemos mit teilweise weit über 100 Teilnehmern bringen zwar mediale Aufmerksamkeit, lassen aber die zuständigen Behörden und Naturschützer kalt. Die Teilnehmer können nicht verstehen, warum eine viel befahrene Staatsstraße durch ein Naturschutzgebiet mit Lärm und Abgasen in Ordnung sei, aber ein paralleler stiller Radweg Brachvogel, Kiebitz, Abbiß-Scheckenfalter oder Knabenkraut stört.

Die nächsten Radldemos finden am 2. September und am 7. Oktober statt. Treffpunkt ist jeweils um 18 Uhr am Maibaum beim Raistinger Rathaus.

Von Dieter Roettig

Meistgelesene Artikel

Interkommunales Thema?

Peiting – Es sei zwar kein „direktes Peitinger Thema“; aber die Marktgemeinde sei davon massiv betroffen: So äußert sich Bürgermeister Michael Asam …
Interkommunales Thema?

Auf frischer Tat ertappt

Schongau/Peiting – Waren da die gleichen Täter am Werk? Am Sonntagabend ist es der Polizei gelungen, einen Einbrecher in Schongau zu verhaften. Seine …
Auf frischer Tat ertappt

Tablets für die fünf Besten

Weilheim – Wie lassen sich gute Leistungen in der Ausbildung noch weiter verbessern, das Interesse am Beruf steigern und letztlich das Prüfungsniveau …
Tablets für die fünf Besten

Kommentare