Rätselraten um Simons Abgang bei ACP

In Penzberg machen immer noch Gerüchte die Runde, warum die Hörmann-Konzernleitung den Geschäftsführer des Autozulieferers ACP, Ralf Simon, fristlos entlassen hat. Der derzeitige Werkleiter Patrick Müller hatte zum Pressegespräch geladen, um, wie es hieß, Einzelheiten bekannt zu geben.

Doch bei jenem Gespräch gab sich Müller sehr wortkarg und sagte selbst auf mehrmaliges Nachfragen lediglich, unüberwindbare Differenzen zwischen Simon und den Gesellschaftern hätten zum Beschluss geführt und man habe nur den schon lange geplanten Generationswechsel vorzeitig vollzogen. Dass dem nicht ganz so ist, zeigt, dass die Entscheidung so lange wie möglich geheim gehalten und sowohl der Werksleitung wie auch den Abteilungsleitern und dem Betriebsrat ein Aussageverbot gegenüber der Öffentlichkeit auferlegt wurde. Stattdessen nutzte Müller das Treffen, um die Leistung der Firma ins rechte Licht zu rücken und zu versichern, dass man weiter ein erfolgreich operierendes Unternehmen bleiben und die Strategie nicht ändern wolle. So will die Hörmann-Gruppe auch demnächst Wolfgang Kirscheneder, bisher für Baugruppenfertigung und Oberflächentechnik zuständig, neben Müller zum Geschäftsführer berufen. Selbstbereicherung? Von „unüberwindbaren Differenzen“ spricht auch Simon selbst. Er habe andere Vorstellungen davon gehabt, wie eine Firma geführt werden müsse. Das habe den „Hörmann-Leuten“ eben nicht ins Konzept gepasst. Simon vermutet, er sei den Chefs mit seinen 60 Jahren einfach zu alt gewesen. Hinter vorgehaltener Hand ist allerdings zu hören, es sei bei Simon zu Unregelmäßigkeiten gekommen, was seine Kritiker als „Selbstbereicherung“ bezeichnen, seine Befürworter hingegen als „völlig normale Handlung“ ansehen. Die Hörmann-Chefs, die Simon bei der vergangenen Jahresfeier in Penzberg noch gefeiert hatten, hätten ihn einfach loswerden wollen, deshalb irgendeinen Grund gesucht und dann auch gefunden, versichern führende Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden wollen. Das sei schade, heißt es in Mitarbeiterkreisen, schließlich verdanke man Simon, dass das Werk nach der Abspaltung von MAN überhaupt Bestand gehabt habe und die Arbeitsplätze gerettet werden konnten. Ohne Simon würde ACP heute nicht so gut dastehen. Auf die Frage, ob die enge Verbindung von Simon zu MAN der Hörmann-Gruppe ein Dorn im Auge gewesen sei, schwieg sich Werkleiter Müller ebenfalls aus. Simon war, bevor er vor vier Jahren als Mitanteilseigner ACP gegründet hatte, 34 Jahre bei MAN-Nutzfahrzeuge tätig, darunter viele Jahre als Werkleiter für Penzberg und München und als Abteilungsleiter „Schwere Lastwagen“. Falls dies ein Vorwurf gewesen sei, könne er nur darüber lächeln, kommentiert Simon diese Vermutung. Seine guten Kontakte hätten ihm schließlich geholfen, viele Aufträge an Land zu ziehen. Nur so sei es gelungen, Entlassungen zu verhindern und neue Leute einzustellen. Außerdem habe er auch mit vielen anderen Firmen bezüglich Neuaufträgen verhandelt. Eine Abfindung hat Simon eigenen Angaben nach nicht erhalten. Die ihm zugesagten Tantiemen würden sogar zurückgehalten. Die ganze Affäre kommentiert er lediglich mit den Worten, man hätte seine Entlassung „auch anders machen können“. Simon zieht es noch keineswegs in den Ruhestand. Er habe mehrere Angebote von Produktions- und Consultingunternehmen und werde mit Sicherheit irgendwo wieder einsteigen. Bei ACP herrscht wahrscheinlich bis Ende 2010 Kurzarbeit, weil laut Müller die Kapazitäten nur bis zu 40 Prozent ausgelastet sind und bei Nutzfahrzeugen „noch kein Sonnenschein erkennbar ist“. Er glaubt, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt und ist überzeugt, dass es bald aufwärts geht. Derzeit bietet ACP nach Angaben von Personalchef Kurt Meinl 320 Mitarbeitern, die keinen oder einen berufsfremden Abschluss haben, Qualifizierungsmaßnahmen an. Auch alle Lehrlinge, die im Sommer ihre Ausbildung abgeschlossen haben, wurden übernommen. Müller hofft, neue Aufträge von MAN zu bekommen, denn „wir sind ein bevorzugter Zulieferer“.

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