Geschossdecken bis zu 60 Prozent überlastet - Bis 2018 wird saniert und umgebaut

An Weilheims Rathaus nagt der Zahn der Zeit

+
Mehr Büroraum wird im Rathaus mit dem Anbau im Südwesten (re.) und dem Ausbau eines Speichers gewonnen.

Weilheim – Untersuchungen brachten die schockierende Gewissheit: Vom Untergeschoss bis zum zweiten Obergeschoss sind in dem 1935/36 erbauten stattlichen Bau alle Stahlbetonrippendecken von fortschreitender Korrosion betroffen.

Mit den Worten „Das hat uns gerade noch gefehlt“ kommentierte Bürgermeister Markus Loth die massiven Schäden in den Geschossdecken des Rathauses. Bis 2018 sind in dem denkmalgeschützten Gebäude umfangreiche und aufwändige Sanierungsmaßnahmen notwendig. Gleichzeitig ist geplant, den Anbau im Südwesten um eineinhalb Geschosse aufzustocken. 

Bereits 2010 war dem Bürgermeister in seinem Büro „ein Riss aufgefallen“ und „dass sich die Decke leicht durchbiegt“, schilderte Loth in der jüngsten Stadtratssitzung seine Entdeckung. Schnelles Handeln war nötig. „Im Bürgermeisterzimmer und im Archiv des Bauamtes bestand eine hohe Einsturzgefahr“, äußerte sich Architekt Weinberger vom beauftragten Schongauer Planungsbüro „Weinberger & Anderl“ im Gespräch mit unserer Zeitung. Bis zu 60 Prozent seien die Geschossdecken in den unterschiedlichen Bauabschnitten überlastet gewesen. Loths Büro, das Bauarchiv und die Rathausarkaden sind inzwischen saniert worden. In den nächsten Wochen wird auf einer Fläche von 400 m2 die Sanierung der Kellerdecken in Angriff genommen. Alle Stahlbetonrippen, führte Architekt Weinberger aus, müssen geöffnet, Rost und loser Beton durch Sandstrahlung abgetragen und Spritzbeton aufgebracht werden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich im Rathauskeller der Zentralserver der EDV-Anlage befindet. Wie Stadtbaumeister Wolfgang Frank gegenüber dem Kreisboten betonte, hat der Statiker festgestellt, „dass die Tragfähigkeit der Geschossdecken im gesamten Rathaus für den normalen Bürobetrieb ausreichend ist“. 

Nach den Arbeiten im Keller bekommt der Anbau im Südwesten des Gebäudes eineinhalb Stockwerke mit Dachterrasse aufgesetzt. Das Rathaus erhält so zusätzliche Büros, ein Fraktionszimmer und einen „Multifunktionsraum“ (Frank). Das energetisch sanierungsbedürftige Dach wird durch ein Flachdach ersetzt. – 2014 wird das Dach im Bereich der Admiral-Hipperstraße 18 (über „Schildbürger“) energetisch nachgerüstet. Durch den Ausbau des Speichers wird weiterer Büroraum gewonnen. 2015 müssen die Mitarbeiter in Einwohnermelde- und Standesamt umziehen. Der Eingangsbereich soll kundenfreundlicher gestaltet werden. 2016 sind Veranstaltungsbüro, Kämmerei und Tiefbauamt an der Reihe; entlang der Admiral-Hipperstraße 20 steht die Dachsanierung an. 2017/18: Im letzten Abschnitt werden die Decken im ersten und zweiten OG (Hauptamt, Bauverwaltung) saniert. Die Baumaßnahmen belasten den Stadtsäckel mit 3,9 Mio. Euro. Mit Zuschüssen ist kaum zu rechnen, da es sich bei der Sanierung um eine „Pflichtaufgabe“ (Weinberger) handelt. 

 Ob zügiger saniert werden kann, wenn mit dem Rathausbetrieb in Bürocontainer oder auf das Stadthallengelände ausgewichen wird, wollten die Räte Jochen Knittel (BfW) und Uta Orawetz (CSU) wissen. Weinberger verneinte dies mit dem Hinweis auf den großen logistischen und finanziellen Aufwand. Die Arbeitsschritte seien so konzipiert, dass die Mitarbeiter jeweils innerhalb des Gebäudes umziehen können und die EDV-Anlage „über die ganze Bauphase funktionsfähig bleibt“, sagte Weinberger. Von den Bauarbeiten an ihrem Dienstsitz im Landratsamt an der Stainhartstraße „lärmgeschädigt“, wiesen Petra Regauer (BfW) und Ingo Remesch (SPD) auf die hohen Belastungen für die Mitarbeiter hin. Lärmintensive Arbeiten sollten im Rathaus möglichst außerhalb der Dienstzeiten durchgeführt werden, plädierten sie. Der Stadtrat verabschiedete die von dem Schongauer Architekturbüro vorgestellten Pläne einstimmig.

Von Maria Hofstetter

Meistgelesene Artikel

Es war einmal...

Region – Geschichten dienen als kulturelles Gedächtnis der Gesellschaft und sie regen die Fantasie an. Eine Form des Geschichtenerzählens ist das …
Es war einmal...

"Jede Trasse wird hinterfragt"

Weilheim – 2 582 WeilheimerInnen haben auf den Listen unterschrieben, welche die Bürgerinitiativen (BI) „Heimat 2030“ und „Marnbach-Deutenhausen“ am …
"Jede Trasse wird hinterfragt"

KönigsCard ab Mai

Landkreis – Die Gäste im Blauen Land, im Werdenfelser Land und im Allgäu nutzen sie bereits: Die KönigsCard, die ihnen im Urlaub zahlreiche …
KönigsCard ab Mai

Kommentare