Regionale Stromversorgung als Ziel – Konzeptfindung für "Oberland-Energie": Weilheim beteiligt sich an Kosten

Die Kreisstadt will dabei sein, wenn das Unternehmen „Oberland-Energie“ zum 1. Januar 2013 an den Start geht. Die Firma Rödl & Partner soll nun ein Konzept für den gemeinsamen Stromverkauf an die Haushalte und Betriebe erarbeiten, beschloss der Stadtrat und beteiligt sich mit 5 000 Euro an den Beratungskosten.

Ideengeber für das ehrgeizige Projekt, in dem die Gründerkommunen Murnau, Weilheim, Penzberg, Wolfratshausen und eventuell Peißenberg beim Stromvertrieb zusammenarbeiten und die Wertschöpfung in der Region halten wollen, sind die Gemeindewerke Murnau. Sie sind bereits im Januar 2011 in den Stromvertrieb eingestiegen. Peißenberg ist als einzige der fünf Kommunen auch Eigentümerin des Stromnetzes und verkauft Strom. „Die Kunden haben uns die Türen eingerannt. Sie wollen einen Ansprechpartner vor Ort“, wusste der Kaufmännische Leiter der Murnauer Gemeindewerke, Karl Steingruber, den Weilheimer Stadträten zu berichten. Die Bürger, erklärte er, sollen ihren Strom ab 2013 bei ihren Kommunen einkaufen können, die im Wettbewerb zu anderen Stromanbietern stehen und als „Händler“ auftreten. Den verkauften Strom auch regional zu erzeugen, sieht er als „nächstes großes Ziel“. Auch Gewerbekunden seien sehr interessiert an einer Kooperation, hat Steingruber erfahren. So möchten sich die Oberland-Kommunaldienste einem Regionalanbieter anschließen. Die Energie Südbayern (ESB) hat ein Angebot abgegeben. „Wir sind schon in aller Munde“, sagte Steingruber in Weilheim. Um das Geschäft erfolgreich betreiben zu können – die Murnauer Gemeindewerke haben aktuell 1 700 Stromkunden, Steingruber rechnet in dem neuen Unternehmen jährlich mit bis 4 000 weiteren – müssten Mitarbeiter eingestellt werden, die aus der Stromsparte kommen. Das gesamte Gebiet der künftigen „Oberland-Energie“ umfasst laut Steingruber rund 70 000 Haushalte. Jede Gründerkommune sollte 40 000 Euro in die „Oberland-Energie“ einbringen, weitere Gemeinden könnten jederzeit einsteigen. Sitz des Unternehmens, in dem alle Teilnehmer gleichberechtigt sind, soll Murnau sein. Steingruber wies auf mögliche Risiken, wie beim Einkauf an der Strombörse, hin, bewertete aber die Erfolgsaussichten für den regionalen Stromvertrieb als „sehr gut“. Workshop im Herbst Bevor die Gründerkommunen endgültig zustimmen, müssen viele Details geprüft werden. Zur juristischen Beratung wur- de die Nürnberger Firma Rödl & Partner ins Boot geholt. Ihr Rechtsanwalt Christian Marthol veranschaulichte den Weilheimer Stadträten das weitere Vorgehen: Im Herbst werden Ver- treter der Gründergemeinden in einem Workshop ihre Vorstellungen erarbeiten. Darauf basierend soll Rödl & Partner ein Konzept erstellen, wie die Kooperation gestaltet werden könnte. „An einer interkommunalen Zusammenarbeit führt kein Weg vorbei“, machte Stefan Zirngibl (CSU) deutlich und führte als Vorteile günstigere Einkaufsmöglichkeiten und Synergieeffekte an. „Die Rekommunalisierung im Bereich der Daseinsfürsorge wird immer wichtiger“, hob Weilheims Energiereferent hervor. Eine Gewinnmaximierung stehe bei dem geplanten Energieverbund nicht an erster Stelle. Bevor die Räte den Beratungsvertrag einstimmig verabschiedeten, wurden Fragen zur Wirt- schaftlichkeit und zum finanziellen Risiko aufgeworfen. Karl-Heinz Grehl (Grüne) wollte von Steingruber wissen, wie viel Eigenstrom die Murnauer Gemeindewerke vermarkten. Diesen selber zu verkaufen, sei schwierig, antwortete Steingruber. „Ganz ohne Dienstleister wird es nicht gehen“, warf Rechtsanwalt Marthol ein. Bevor man einen solchen suche, müsse das Konzept stehen. Dass sich die Bürger über Kapitalanlagen in die Gesellschaft einbringen können, wie von BfW-Stadtrat Dr. Ulf Knabe hinterfragt, hält Steingruber für möglich. Wie Werkleiter Steingruber dem Kreisboten bestätigte, haben sich inzwischen auch Penzberg und Wolfratshausen für die Gründung der „Oberland-Energie“ ausgesprochen. Anders stellt sich die Situation in Peißenberg dar. Wie Bürgermeisterin Manuela Vanni kürzlich in der Marktratssitzung bekannt gab, hat sich der Verwaltungsrat zwar für die Teilnahme Peißenbergs an dem Workshop ausgesprochen. Eine Mitwirkung als Gesellschafter könne aber nur „angedacht“ werden, wenn die ESB nicht in die regionale Kooperation einsteigt, da Peißenbergs Gemeindewerke nicht mit dem ESB- Angebot mithalten könnten. Der Verwaltungsrat vertrete die Ansicht, „dass das jetzige Kommunalunternehmen, das bereits eine Kooperation mit den AÜW (Allgäuer Überlandwerke) hat, regionaler als eine Gesellschaft Oberland Energie ist“.

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