Rokoko-Juwel erstrahlt wieder – Mehr als 1 000 Gläubige feiern Wiedereröffnung der Gnadenkapelle

Die Prozession in die Gnadenkapelle mit der Gnadenmadonna. Fotos (8): Jepsen

Das Herz Hohenpeißenbergs schlägt wieder!“, hatte Bürgermeister Thomas Dorsch bereits in der Festschrift zur feierlichen Segnung der frisch sanierten Gnadenkapelle angekündigt. Die Feststellung des Rathauschefs war keine Übertreibung – viel mehr noch: Am Kirchweihsonntag schlug auf dem Hohen Peißenberg das Herz einer ganzen Region. Weit über 1000 Gläubige pilgerten bei herrlichem Herbstwetter zur Wallfahrtskirche hinauf, um die Wiedereröffnung der baulich integrierten Gnadenkapelle zu feiern.

Unter Planungsregie des staatlichen Bauamts in Weilheim wurden in den letzten sechs Jahren insgesamt 2,2 Millionen Euro in die Sanierungsarbeiten gesteckt. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat: Der einzigartige Sakralraum erstrahlt nun wieder in seinem ursprünglichen Rokoko-Erscheinungsbild von 1748. Neben umfangreichen Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten wurde unter anderem das Dachgewölbe bautechnisch verstärkt, um weitere Verformungen des von Mätthäus Günther gemalten Deckenfreskos zu verhindern. Auch wurde die unterschiedliche Farbfassung der Seitenaltäre korrigiert und angepasst. Zudem erhielt die Gnadenmadonna, die während der Sanierung in der Wallfahrtskirche untergebracht war, ein neues Prunkgewand. Zur feierlichen Kapellen-Segnung, die der Andechser Abt Johannes Eckert vornahm, wurde die aus dem 15. Jahrhundert stammende Figur bei einer Prozession rund um die Wallfahrtskirche an ihren angestammten Platz zurück getragen. In seiner Festpredigt hatte sich Eckert zuvor mit dem Gleichnis vom reichen Zöllner Zachäus beschäftigt. Dieser habe erst einen „Aufstieg durch Abstieg“ durchleben müssen, um den Weg zu Gott zu finden. Der Hohe Peißenberg mit seiner „Doppelkirche“ sei im übertragenem Sinn ein Ort, an dem Gott zu den Gläubigen hinabsteigt. Für das Gotteserlebnis komme es aber nicht nur darauf an, eine Kirche zu renovieren. Wichtig sei es auch, in Not geratenen Menschen durch soziales Engagement „Ansehen“ zu schenken. „Auch wir sollen absteigen lernen, um anderen den Aufstieg zu ermöglichen“, appellierte Eckert an die Gläubigen. Thomas Dorsch wiederum sprach am Rande der Segnungsfeier von einem „bedeutenden Tag für Hohenpeißenberg“: „Wir sind ansonsten nicht so reich gesegnet mit schönen Bauwerken“, meinte der Rathauschef. Die Wallfahrtskirche und die Gnadenkapelle seien deshalb ein wichtiger „Identifikationspunkt“ für den Ort – und zwar überkonfessionell. Das 500-jährige Jubiläum der Wallfahrtskirche werde man 2014 mit einem großen, gemeinschaftlichen Ortsfest verbinden: „Die Planungen dafür laufen schon“, so Dorsch. Mehr Bilder gibt es auf www.kreisbote.de.

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