Den Schilderwald lichten – "Werbe-Wildwuchs" ist Peißenbergs Gemeinderat ein Dorn im Auge

Die Firmen beharren auf ihren Logos, was der Funktionalität der Beschilderung oft abträglich ist. Laut Bürgermeisterin Manuela Vanni gibt es aber zumindest mit dem Betreiber des Peißenberger Einkaufsparks eine vertragliche Regelung, wonach sich die erst kürzlich aufgestellte Hinweistafel (Bild) einem neuen Leitsystem unterordnen müsste. Foto: Jepsen

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BERNHARD JEPSEN; Peißenberg – Der „Wildwuchs“ an Werbe- und Hinweistafeln vor allem entlang der Ortsdurchfahrt ist dem Gemeinderat schon seit längerem ein Dorn im Auge. Bereits vor zehn Jahren hatte es erste Bemühungen gegeben, den Schilderwald auszulichten. Nun soll ein neuer Anlauf genommen werden. In der jüngsten Ratssitzung stellte Thomas Pihusch vom Roßhauptener Planungsbüro „topplan“ das Programm für „Innerörtliche Leitsysteme“ vor, das im Rahmen der Lokalen Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel aufgelegt wurde. Aus dem Landkreis beteiligen sich derzeit 15 Gemeinden an dem Projekt. Ziel ist es, individuell auf die Ortschaften zugeschnittene Lösungen für eine verbesserte Beschilderung von kommunaler Infrastruktur, Tourismus und Gewerbe zu entwickeln. Pihusch sieht dafür in Peißenberg gute Möglichkeiten: Die Ortsdurchfahrt sei nach Eröffnung der Umgehung zur Gemeindestraße herabgestuft worden, weshalb die Kommune auch „mehr Verfügungsgewalt“ besitze. Pihusch ließ keinen Zweifel daran, dass bei einem neuen Leitsystem die „Funktion“ im Vordergrund stehen müsse: „Weniger ist oft mehr“, laute die Kernbotschaft. Man dürfe den Autofahrer nicht „überfrachten“, Grafik und Design sollten sich vielmehr dem Gewohnheitsbild anpassen. Diesbezüglich sei vor allem Peißenbergs östlicher Ortseingang „weniger optimal“ gestaltet. „Die Global Player pochen auf ihr Logo und ihre Firmenfarben“, analysierte Pihusch. Für die Verkehrsteilnehmer sei es aber umso schwieriger, sich in dem Durcheinander an individuell gestalteten Hinweistafeln zurechtzufinden. Pihusch machte erste Verbesserungsvorschläge: So sollten sich am Ortseingang nicht gleich sämtliche Firmen und Einrichtungen auf einem Schild präsentieren. Die Faustregel besage, dass nur bis zu sieben Ziele für den Autofahrer auf einmal erfasst werden können. Entlang der Durchgangsstraße sollte man sich dann bei den Abzweigungen auf sogenannte „Rauswerfer“ konzentrieren. Aber was passiert mit den vorhandenen Hinweisschildern, wenn das neue Leitsystem tatsächlich installiert wird? Gibt es eine Art Bestandschutz? Laut Pihusch könne man zwar „gesetzliche Daumenschrauben“ anlegen, allerdings seien die meist nur „ein stumpfes Schwert“. Viel wichtiger sei es, Überzeugungsarbeit zu leisten und speziell die Gewerbetreibenden mit ins Boot zu holen. Das Konzept dürfe den Betroffenen nicht einfach übergestülpt werden. „Das muss von unten gemeinsam entstehen“ so Pihusch. Nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderats soll nun als erster Schritt eine Grobplanung für das Leitsystem erstellt werden. Im Falle einer späteren Umsetzung würden dann Kosten in Höhe von rund 7000 Euro entstehen. Das Projekt wird zu 50 Prozent vom Leader-Programm der Europäischen Union gefördert.

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