"Schöpfung bewahren"

Die Fastenzeit ist längst mehr als nur der Verzicht auf besonders lieb gewonnene Schlemmereien. Die Fastenzeit ist mittlerweile vor allem eine Zeit, um den Blick auf jene zu richten, die in den Entwicklungsländern auf der Schattenseite leben und mit ihnen Solidarität zu üben. Unter diesem Zeichen steht seit mittlerweile über 20 Jahren die Misereor-Fastenaktion der Diözese Augsburg, die heuer erstmals in Penzberg mit einem großen Aktionstag eröffnet wurde. Unter dem diesjährigen Motto „Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können“ wirkten eine ganze Reihe von kirchlichen und nichtkirchlichen Organisationen, die islamische Gemeinde, Vereine und die Stadt Penzberg mit. „Ich bin sehr, sehr positiv davon angetan, wie die Umsetzung gelungen ist“, resümierte Pfarrer Josef Kirchensteiner.

Beeindruckt davon zeigte sich auch der aus Haiti stammende Bischof Chibly Langlois, der im Rahmen seines Deutschlandbesuches eigens wegen der Misereor-Aktion nach Penzberg gekommen war und sich bereits zwei Tage zuvor im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte. Als am vergangenen Sonntag mit einem Solidaritätsmarsch durch die Innenstadt der offizielle Startschuss für die Eröffnungsveranstaltung mit ihren vielfältigen Aktion fiel, da waren die Penzberger auf die Fastenaktion aber schon eingestimmt. Der Bund Naturschutz (BN) hatte zuvor schon in der Rathauspassage eine Ausstellung eröffnet, die noch bis mindestes Donnerstag, 12. März, zu sehen ist und die den Zusammenhang zwischen Essen und dem Klimaschutz darstellt. Zwar malte die BN-Ortsvorsitzende Hannelore Jaresch bei der Vernissage ein Horrorszenario über die Folgen der Klimaveränderung. Doch erwartet sie sich andererseits auch die Rettung durch das veränderte Verhalten eines jedes Einzelnen. „Schöpfung bewahren durch den persönlichen Lebensstil, die Natur schützen und mit den Schwächeren teilen“, nannte Jaresch die Ansatzpunkte. Durch sein eigenes Verhalten könne ein jeder der Politik und der Industrie zu verstehen geben, was ihm als Wähler und Konsument wichtig sei. Auch als Kommunalpolitiker die richtigen Entscheidungen zur Bewahrung der Schöpfung zu treffen und den Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie zu schaffen, fühlte sich Bürgermeister Hans Mummert verpflichtet. Auf die Verantwortung als Christ, die Schöpfung zu bewahren, wies Pfarrer Kirchensteiner dann in seinem Grußwort hin. Das tägliche Brot und die Stillung der lebensnotwendigen Bedürfnisse seien für viele Menschen nicht mehr selbstverständlich. Diesen Gedanken nahm auch Domkapitular Bertram Meier, bischöflicher Beauftragter für die Weltkirche im Bistum Augsburg, in seiner Predigt im Sonntagsgottesdienst auf. „Vielen Menschen wird der Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen wie Land, Wasser oder Weide versperrt“, sagte Meier. Dies sei, neben der ungerechten Verteilung der Güter, auch ein Grund für Hungerrevolten, wie sie im Jahr 2008 in Haiti ausgebrochen seien und die politische Stabilität in dem Karibikstaat ins Wanken gebracht hätten. Bischof Chibly Langlois berichtete in diesem Zusammenhang über das landwirtschaftliche Engagement von Misereor in seiner Diözese, wo Bäume gepflanzt und die Bewohner in nachhaltiger Bodenbewirtschaftung ausgebildet werden. Die Unruhen aus dem vergangenen Jahr, so Langlois, „haben die internationale Staatengemeinschaft für den Kampf gegen den Hunger zwar sensibilisiert, aber wir sind noch immer weit davon entfernt, das Problem in den Griff zu bekommen“. Gerade deshalb aber hätten Aktionen wie die von Penzberg als „Akt der Solidarität“ eine große Bedeutung für die Menschen in ärmeren Länder, so der Bischof. In und um das Pfarrzentrum Christkönig informierten derweil unterschiedliche Gruppierungen über ihre Beiträge zum Misereor-Thema, beispielsweise an den dreizehn Ständen am „Markt der Möglichkeiten“, mit einer Buchausstellung in der Bibliothek oder einer Ausstellung über die Partnerschaft mit Mae Luiza. Dicht gedrängt saßen die Besucher im Barbara-Saal beim Fastenessen zusammen oder genehmigten sich einen Imbiss am Stand der Landfrauen oder des Islamischen Forums. Persönliche Zukunftswünsche konnten an der „Werte-Bar“ des ZUK abgegeben werden. Gönül Yerli, Vizedirektorin des Islamischen Zentrums hatte mit Schwester Beate vom Kloster Bernried eine Schöpfungsrallye ausgearbeitet, die von der Christkönig-Kirche zur Moschee führte und über die vier Elemente Licht, Wasser, Luft und Erde einen Zugang zum Thema verschaffte. „Die Bewahrung der Schöpfung kann nicht einzelnen Religionen vorbehalten sein“, sagte Gönül Yerli, „sondern soll ein Anliegen von allen Menschen sein.“ Das kann Pfarrer Kirchensteiner nur unterstrichen: Es habe ihm viel Freude gemacht zu erleben, dass, wenn es um soziale Belange geht, in Penzberg ein „gutes und solidarisches Miteinander“ spürbar sei, bekennt der Geistliche.

Meistgelesene Artikel

Es war einmal...

Region – Geschichten dienen als kulturelles Gedächtnis der Gesellschaft und sie regen die Fantasie an. Eine Form des Geschichtenerzählens ist das …
Es war einmal...

"Jede Trasse wird hinterfragt"

Weilheim – 2 582 WeilheimerInnen haben auf den Listen unterschrieben, welche die Bürgerinitiativen (BI) „Heimat 2030“ und „Marnbach-Deutenhausen“ am …
"Jede Trasse wird hinterfragt"

KönigsCard ab Mai

Landkreis – Die Gäste im Blauen Land, im Werdenfelser Land und im Allgäu nutzen sie bereits: Die KönigsCard, die ihnen im Urlaub zahlreiche …
KönigsCard ab Mai

Kommentare