"Es ist schon sehr viel passiert" – Podiumsdiskussion: EWO fordert mehr Tempo bei Energiewende

Moderator Johannes Krause (4.v.r) diskutierte mit Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl, Sparkassen-Vorstand Thomas Orbig, Weilheims Bürgermeister Markus Loth, Landrat Dr. Friedrich Zeller, Dr. Hermine Hitzler, Prof.Dr.Wolfang Seiler und UPM-Werksleiter und IHK-Gremiumsmitglied Winfried Schaur über die Energiewende im Landkreis. Foros: Jepsen

Von

BERNHARD JEPSEN; Weilheim – Landrat Dr. Friedrich Zeller ist fest davon überzeugt, dass die Energiewende in der Region gelingen wird: „Es ist schon sehr, sehr viel passiert“, bilanzierte er am Wochenende auf der Weilheimer Energiemesse die bisherigen Anstrengungen des Landkreises. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik nannte Zeller exemplarisch den Beitritt zur „Energiewende Oberland“ (EWO) als einen „wesentlichen Schritt“, um die gesteckten Klimaziele bis ins Jahr 2020 zu erreichen. Doch ausgerechnet von den Repräsentanten der Bürgerstiftung gab es Kritik: Die Umsetzungsphase mancher Projekte, so hieß es während der einstündigen Diskussionsrunde, dauere noch zu lange. Zudem fehle es an einer intelligenten Vernetzung der Ideen - und auch die Kommunen müssten sich noch stärker engagieren. Prof. Dr. Wolfgang Seiler ließ am dringenden Handlungsbedarf keinen Zweifel: „Die Energiewende ist eine Herausforderung, aber auch eine riesige Chance. Wenn wir die nicht ergreifen“, stellte der EWO-Vorstandsvorsitzende fest, „dann sind wir selbst schuld“. Der Energieverbrauch in der Region sei seit dem Referenzjahr 1990 noch einmal erheblich gestiegen. Verbunden mit dem beschlossenen Atomausstieg bedürfe es demzufolge „noch größeren Anstrengungen“, um die CO2–Emmissionen - wie vom Landkreis beabsichtigt - bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. „Wenn man Schritte geht, dann sollten es große Schritte sein“, mahnte Seiler - und Stiftungsbeirätin Dr. Hermine Hitzler schob gleich ein konkretes Beispiel nach: Die Sanierung des Landratsamts II in der Weilheimer Stainhartstraße, durch die der Energieverbrauch um 30 Prozent gedrosselt werden soll. „Das überrascht mich schon, da wäre wesentlich mehr drin. Ich rate meinen Kunden immer zu doppelten ENEV-Werten“, monierte Energieberaterin Hitzler. Landrat Zeller wiederum verwies auf die Planungen der Ingenieurbüros und auf die „eigentlichen Aufgaben“ des Landkreises, die in der Finanzierung der sozialen Grundsicherung und Jugendhilfe liegen würden. Auch Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl betonte, dass die energetischen Maßnahmen „bezahlbar“ sein müssten: „Es kann ja nicht sein, dass der Landkreis oder die Kommunen danach pleite sind“. Im Zusammenhang mit der Kürzung der Solarförderung übte Zirngibl scharfe Kritik an der schwarz-gelben Bundesregierung. Das Handwerk im Oberland sei zwar in punkto Energiewende „breit aufgestellt“, aber es fehle schlichtweg an „verlässlichen Rahmenbedingungen“. In die gleiche Kerbe schlug EWO-Chef Seiler. Um die Bürger für energetische Projekte zu begeistern, brauche es finanzielle Anreize in Form von modernen Förderinstrumenten. Der Hinweis auf die fehlenden Finanzmittel sei nur eine Ausrede, auf Bundesebene wären schließlich allein für Abwrackprämien Milliardenbeträge bereitgestellt worden. „Es ist genügend Geld da, man muss es nur richtig kanalisieren“, sagte Seiler.

Meistgelesene Artikel

Pilotprojekt in Weilheim

Weilheim – Bei den Weilheimer Stadtwerken wird tief gebohrt. Der Grund: Das Unternehmen Gravity Power (GP) bereitet die Umsetzung des Pilotprojekts …
Pilotprojekt in Weilheim

Großes Lob für "Schutzengel"

Peißenberg – Ein bisschen umkam Georg Off ja schon das „schlechte Gewissen“, als er bei der Ehrungsfeier für die knapp 90 aktiven Schülerlotsen im …
Großes Lob für "Schutzengel"

700 Tonnen Salz

Damit bei Schnee und Eis die Straßen befahrbar und Wege begehbar bleiben, rücken die Mitarbeiter des Betriebshofs in der kalten Jahreszeit zum …
700 Tonnen Salz

Kommentare