Schongauer Grundschüler kämpfen weiter

Tiermosaike: Lieber nur drei erhalten als keines

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Schulleiterin Ulla Heitmeier und Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl mit den Schülern der Klasse 3e, die sich für die Tiermosaike einsetzen.

Schongau – Das Ende des Süd-Pavillon der Schongauer Grundschule ist besiegelt. Er wird abgerissen, um Platz zu machen für den Neubau. Mit ihm sind dann auch die Tierbilder Geschichte, die seit über einem halben Jahrhundert die Wände des Baus zieren. Ein Erhalt im Original ist der Stadt zu teuer, der Bauausschuss hat eine entsprechende Bitte einiger engagierter Grundschüler unlängst abgelehnt (der Kreisbote berichtete). Doch die Drittklässler geben nicht auf. Geht es nach ihnen, sollen zumindest drei der acht Tiermosaike einen Platz im neuen Schulbau erhalten.

 Auf bis zu 70 000 Euro schätzte Stadtbauamtsmitarbeiter Sebastian Dietrich die Kosten für den Erhalt aller acht Kunstwerke, die jeweils eine Tierfamilie zeigen. Der Einbau am neuen Ort noch nicht eingerechnet. Zu viel, fanden die Mitglieder des Bauausschusses. Statt im Original sollen die Mosaike deshalb in anderer Form in den Neubau integriert werden. Wie genau, darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.

Für die sieben Grundschüler der Klasse 3e, die für den Erhalt der Kunstwerke Unterschriften gesammelt hatten, ist der Beschluss natürlich eine herbe Enttäuschung. Sie sind sich einig: Die über ein halbes Jahrhundert alten Tiermosaike einfach abzureißen, das darf nicht passieren. Sie wollen noch einmal an die Stadt herantreten, um zu erreichen, dass zumindest drei Tierfamilien den Umbau der Grundschule im Original überleben. Welche, darüber sollen zuvor ihre Mitschüler abstimmen.

Jakob Benjamin Reiser wäre sicherlich hoch erfreut über das Engagement der Schüler. Der 1992 verstorbene Münchner Künstler war es, der die Tiermosaike 1953 im Auftrag der Stadt Schongau geschaffen hatte. 220 Deutsche Mark hatte er pro Wandmalerei berechnet. So steht es auf der Rechnung, die sich im Stadtarchiv erhalten hat.

Bei ihren Nachforschungen haben die Schüler zudem herausgefunden, dass Reiser auch für die Freskenmalerei an der Giebelfassade des Süd-Pavaillons verantwortlich zeichnete. Auch hier ist die Rechnung in Höhe von 1300 Mark für die Gestaltung des „Märchengiebels“ erhalten. Ebenfalls ein Werk des Münchner Künstlers ist das Wanduhrfresko über dem Eingang zur Turnhalle, eine Mischung aus Mosaiksteinen, Wandmalerei und Graffito-Technik. Auch einen Mosaikbrunnen für den Schulhof hatte Cobi Reiser geschaffen, der jedoch heute nicht mehr erhalten ist.

Ihre Recherche-Ergebnisse haben die Drittklässler als Wandzeitung zusammengefasst. Zu lesen sind darin auch Interviews mit Lehrern, die selbst einmal Schüler an der Grundschule waren. Doch damit nicht genug: Um zu zeigen, „wie schön die Kunst in den 50er Jahren war“, so Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl, habe man alle zehn Motive auf Postkarten sowie ein Plakat gebannt, um sie am Schulfest zu verkaufen.

Von Schulleiterin Ulla Heitmeier gab es ob des Engagements der Schüler viel Lob. „Das ist eine tolle Sache. Ich würde euch wünschen, dass der erneute Antrag an die Stadt durchgeht“, sagte sie mit Blick auf den Kompromissvorschlag. Diese Hoffnung hat auch Schreiber-Buhl: „Kunst darf nicht nur im Museum erhalten bleiben.“

Möglichkeit zur Besichtigung

Am Freitag, 3. Juni, besteht im Rahmen des Schulfests die Möglichkeit, die alten Schulgebäude zu besichtigen, ehe sie abgerissen werden. Zu sehen ist außerdem eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Grundschule. Beginn ist um 14 Uhr.

 chpe

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