Keine Tiefgarage unter der Münzstraße

Ein für alle Mal vom Tisch

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Die Münzstraße wird umgebaut, eine Tiefgarage jedoch wird es nicht geben.

Schongau – Die Tiefgarage unterhalb der Münzstraße kommt nicht: Am Dienstag hat der Schongauer Stadtrat endgültig beschlossen, alle derartigen Pläne nicht mehr weiterzuverfolgen. Angegangen werden soll dagegen die Neugestaltung der Münz- und Weinstraße. 

Unterirdische Parkplätze unter der Münzstraße: Schon seit Jahren kommt die Idee einer weiteren Tiefgarage in der Schongauer Altstadt immer wieder auf. Zuletzt beantragte die UWV 2011 eine erneute Prüfung, ob eine derartige Anlage im südlichen Bereich der Münzstraße realisierbar ist. Am Dienstag stellte die Verwaltung das Ergebnis vor. Es fiel so aus wie bereits bei den Untersuchungen zuvor: Zu teuer, zu aufwändig, nicht wirtschaftlich. 

 Die Idee an sich sieht auf den ersten Blick gut aus. Eine zentrale Tiefgarage unterhalb der Münzstraße könnte den Parkraum der Altstadt erweitern und zugleich neue Gestaltungsmöglichkeiten für den oberirdischen Bereich eröffnen. Aus diesem Grund hatte die Stadt bereits 1999 ein Plangutachten in Auftrag gegeben, dass den Bau einer Tiefgarage genauer untersuchen sollte. Im Blick stand damals der Plan, im nördlichen Teil der Münzstraße direkt nach dem Münztor die Einfahrt zu schaffen und so die vorhandene Steigung auszunutzen. Das Projekt scheiterte, weil das beauftragte Planungsbüro zu dem Schluss kam, eine Tiefgarage sei an dieser Stelle aus funktionalen, wirtschaftlichen und gestalterischen Gründen nicht sinnvoll. 

Eben jenes Büro hatte die Stadt nun erneut damit betraut, die Realisierung im südlichen Bereich zu betrachten. Drei Monate lang habe man die neue Variante geprüft, berichtete Architekt Jochen Baur. Das Resultat fiel keinen Deut besser aus als vor 14 Jahren. Die Problematik der ersten Untersuchung würde vielmehr bei weitem übertroffen, betonte der Fachmann. 

Da waren zum einen die baulichen Herausforderungen. Weil die Münzstraße zu schmal ist, um die Leitungen für Fernwärme und Kanal neben der Tiefgarage unterzubringen, müssten diese erst ausgebaut, eine provisorische Notversorgung auf Gerüsten entlang der Häuserfronten geschaffen und die Leitungen anschließend oberhalb der Tiefgarage neu verlegt werden. Während laut dem stellvertretenden Werkleiter Alexander Joseph die Kanäle unabhängig von einem Tiefgaragenbau erneuert werden müssten, befinden sich die Fernwärmeleitungen noch in gutem Zustand – ein Ausbau wäre daher eigentlich nicht nötig. Hinzu kommt, dass in jedem Haus eine Pumpstation errichtet werden müsste, um das Abwasser während der Bauarbeiten entsorgen zu können. Insgesamt bezifferte Joseph allein die Kosten für die Notversorgung – Strom-, Telefon- und Fernsehleitungen nicht miteingerechnet – auf rund eine Million Euro. „Daher raten die Stadtwerke vom Bau der Tiefgarage ab.“

Kopfzerbrechen bereitete Baur auch die Anbindung. Die nötigen Rampen würden den nördlichen Bereich der Münzstraße vollends abhängen, gab der Architekt zu bedenken. Ganz zu schweigen vom Stadtbild, das durch sie sowie die nötigen Lifte, Ab- und Aufgänge und Entlüftungsanlagen beeinträchtigt würde. 

Auch Stadtbaumeister Ulrich Knecht hatte einen gewichtigen Einwand gegen das Vorhaben. Bei einem Ortstermin mit Vertretern der Regierung von Oberbayern hätten diese unmissverständlich klar gemacht, dass es für das Projekt keine Förderung gebe, sagte Knecht. Ohne eine finanzielle Unterstützung sei der Bau aber zu teuer. „Das kann die Stadt nicht alleine stemmen.“ Denn bei Kosten von rund 40000 Euro für einen der 80 Stellplätze beliefe sich die Gesamtsumme auf rund 3,2 Millionen Euro. 

Die UWV freilich wollte sich damit nicht so schnell abfinden. Stephan Hild bemängelte „die Art und Weise, wie das runtergebügelt wird.“ Es gebe keine fundierte Kalkulation, stattdessen würden nur „Negativszenarien“ an die Wand gemalt. „Das ist nach zwei Jahren deutlich zu wenig“, wetterte er. Robert Bohrer (SPD) hingegen fand es „putzig, wie ihr euch für die Tiefgarage engagiert. Sie ist jetzt schon drei Tode gestorben. Jetzt sollte sie ein für alle Mal vom Tisch sein.“ 

Tatsächlich fiel die Abstimmung am Ende deutlich aus. Mit 21:7 Stimmen entschied das Gremium, die Tiefgaragenpläne nicht weiter zu verfolgen. 

 Ganz anders sah es aus, als es um die Neugestaltung der Münz- und Weinstraße ging. Auch hier stellte Baur die Planungen vor, die sein Büro bereits vor 14 Jahren entwickelt hatte. Mit breiten Gehwegen, gepflasterter Straße, vielen Bäumen und Aufenthaltsbereichen erntete der Architekt viel Zustimmung bei den Räten. Gegen eine Stimme beschloss das Gremium den Entwurf grundsätzlich weiterzuverfolgen. Etwaige Kritikpunkte sollen in der Detailplanung behandelt werden. Die Kosten schätzte Knecht auf rund 2,7 Millionen Euro.

Christoph Peters

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